Schneider Aviel

Endlich habe auch ich meine Auszeichnung bekommen

Das Leben ist nicht etwas Selbstverständliches, wir wissen dies heute mehr zu schätzen und zu genießen

Foto: Aviel Schneider

Vor kurzem hat sich der Staat Israel und der Generalstab der israelischen Streitkräfte bei mir und meinen Kameraden für unseren Einsatz vor 35 Jahren im Südlibanon bedankt: Es gab eine offizielle Auszeichnung für den Heerzug im Libanon (1982 – 2000). Man überreichte uns sogar ein Souvenir, ein kleiner bunter Anstecker für die Uniform, die keiner von uns heute noch trägt, denn auch unseren obligatorischen Reservedienst haben wir schon längst hinter uns.

„Vor 21 Jahren wurden die Grenzen des Libanon geschlossen und damit beendete Israel seine 18 Jahre währende Präsenz in der südlibanesischen Sicherheitszone. Für die zehntausenden israelischen Soldaten und Offiziere, die in der nördlich von Israel gelegenen Sicherheitszone während ihrer Wehrpflicht dienten, war die Mission klar: Israels Nordbewohner verteidigen. Der erste Libanonkrieg und die folgende Zeit im Südlibanon hatte nicht nur den Norden geformt, sondern in gewisser Weise den gesamten Nahen Osten. Der Libanon war für eine bestimmte Generation eine Art Kriegsschule. Im Libanon haben wir auch die Söhne des Landes getroffen, die Südlibanesische Armee (SLA), mit denen wir Schulter an Schulter gekämpft haben. Man kann sagen, uns verband damit das gleiche Schicksal.

„Das Land der Zedern hat uns schwer belastet, körperlich und seelisch. Viele haben dort ihr Leben gelassen. Viele sind aus dem Kriegsfeld zurückgekehrt, erlitten Posttraumata und durchleben bis heute den Krieg im tagtäglichen Leben. Sie sind entweder körperlich verletzt oder tief in der Seele, aber sie sind auch ein Beispiel für Entschlossenheit und Stärke. Die Verleihung der Auszeichnung für den Libanon-Heerzug ist eine nationale und moralische Pflicht und verkörpert Respekt und Achtung. Generationen von Soldaten und Truppenführer, Verletzte und Familienangehöriger gefallener Soldaten sind auf euren Militärdienst im Libanon und euren Beitrag zur Sicherheit Israels stolz. Der Staat Israel, die Armee und ich als Oberhaupt der israelischen Streitkräfte salutiere euch!“ so Generalstabschef Aviv Kochavi.

Bild: IDF

Die Zeremonie hat uns alle ein wenig amüsiert und berührt. Erinnerungen an die Kriegszeit im Südlibanon wurden wach. Wir haben uns alle gegenseitig angerufen und wussten nicht so recht, was wir mit dem Anstecker eigentlich anfangen sollten. Dieser kleine Anstecker ist ein nettes Dankeschön für unsere Jahre, die wir im Libanon verbracht haben, um unsere Familien in Israel zu verteidigen. Der Libanon ist ein wunderschönes Land. Einen Großteil meiner Wehrpflicht habe ich nördlich von Israel verbracht. Die Grenze überquerten wir damals entweder mit Hubschraubern, gepanzerten Kettenfahrzeugen oder Jeeps. Die grünen Hügel und Berge mit den pastoralen Dörfern kamen uns immer vor wie eine Fata Morgana, denn überall lauerte die Gefahr, von Terroristen angegriffen zu werden. Anfangs waren unsere Feinde PLO-Terroristen, die später zu schiitischen Hisbollah-Terroristen wurden.

Etliche Kameraden aus meiner Truppe, wie Oren Kamil, Ronen Weismann, Alex Singer, Schmulik Adiv und Rami Ben Zvi sind in Kampfhandlungen gefallen und haben mit ihrem jungen Leben im Libanon bezahlt. Diese Jahre überlebt zu haben, war Gnade und ein Wunder. Aber gleichzeitig haben diese Jahre uns als junge Menschen geformt. All das, was wir erlebt und mitgemacht haben, hat unser „Wer wir sind“ gestaltet. Das Leben ist nicht etwas Selbstverständliches, wir wissen dies heute mehr zu schätzen und zu genießen. Die Zeit im Libanon kann man heute als eine Art Geschenk betrachten, das ich aber keinem wünsche. Jeder Tag ist ein Geschenk – so wie das kleine Souvenir, das uns die Post Ende Oktober zugeschickt hat.

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