Sklaverei bedeutet nicht nur Steine schleppen – heute nimmt sie die Form von Putzen und Kinderbespaßung an.
Es beginnt eigentlich schon Wochen vorher: Der Kühlschrank wird geleert, die Schränke ausgeräumt, jede Ecke der Wohnung unter die Lupe genommen. Heute Abend aber endet es – mit dem Beginn des Auszugs aus Ägypten, dem Weg aus der Sklaverei in die Freiheit für das jüdische Volk. Der Exodus fand nicht nur vor etwa 3500 Jahren statt, sondern wiederholt sich seitdem jedes Jahr an diesem Tag.
Heute bauen die Juden keine Pyramiden mehr, aber wir putzen unsere Wohnungen, als würden wir unter einer Zwangsneurose leiden. Die Matriarchin des Hauses treibt uns dabei nicht weniger gewaltsam an als die Sklaventreiber im alten Ägypten. Sie braucht keine Peitsche – ihr kalter Blick und ihre eiserne Stimme reichen vollkommen aus, um die Familie in Angst und Schrecken zu versetzen.
Hinzu kommen die Kinder, die seit Wochen keine Schule mehr haben und vor Langeweile total durchgedreht sind.
Und dann ist da noch etwas, das die Pessach-Vorbereitung in diesem Jahr von allen anderen unterscheidet: die Sirenen. Nachts reißen sie uns aus dem Schlaf und treiben uns ins Bunkerzimmer. Tagsüber unterbrechen sie unseren Putzrhythmus. Man gewöhnt sich daran – irgendwie – aber die Müdigkeit bleibt. In diesem Jahr fühlt sich die Prä-Pessach-Sklaverei um einiges echter an als sonst.
All das endet jedoch heute Abend, wenn wir die Sklaverei hinter uns lassen und uns mit der Matza in der Hand auf den Weg in die Freiheit machen. Kein krankhaftes Putzen mehr, die Kinder spielen mit ihren neuen Spielsachen, die Königin des Hauses entspannt sich endlich.

Nach jüdischer Tradition verläuft die Zeit nicht in einer geraden Linie, sondern dreht sich aufwärts wie eine Spirale – jeder Jahrestag trägt die Energie des ursprünglichen Moments in sich. Der heutige Tag ähnelt also wirklich dem ersten Pessach, und die gleiche Kraft der Befreiung ist heute spürbar wie damals.
Das gibt uns Hoffnung. Der Krieg gegen den Iran begann in der Zeit von Purim – dem Fest, an dem die persischen Juden einst vor der Vernichtung bewahrt wurden. Vielleicht wird der Tag, an dem wir aus Ägypten gerettet wurden, auch der Tag sein, an dem wir von unseren heutigen Feinden befreit werden. Die Spirale der Geschichte dreht sich weiter – und wir mit ihr.
Aber auch wenn das nicht passiert und der Krieg weitergeht, sind wir dankbar für die Befreiung aus der Pessach-Sklaverei. Ein großer Teil der Anspannung entfällt, und wir kehren zurück zum normalen Kriegsalltag, an den wir uns mittlerweile schon fast gewöhnt haben.





Die Gesichter auf den Bildern. Köstlich.
Ich wünsche Israel von Herzen Adonais Shalom