Der Kampf um den Tempelberg

Israels Einspruch gegen die Entscheidung, jüdische Gebete auf dem heiligen Gelände zu erlauben, stellt einen neuen Rekord an Absurdität auf

| Themen: Tempelberg
Foto: Aharon Krohn/Flash90

(JNS / Israel Hayom) Vor 77 Jahren besuchte der Oberrabbiner der Juden des Landes Israel, Yitzhak HaLevi Herzog – Großvater des israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog – ein europäisches Kloster und forderte die Mutter Oberin nachdrücklich auf, jüdische Kinder freizulassen, die dort während des Holocausts versteckt worden waren.

„Es gibt hier keine jüdischen Kinder“, sagte sie unschuldig, aber der Rabbiner bestand darauf, und die Kinder der christlichen Einrichtung wurden in den Innenhof gebracht und in Reihen vor dem Rabbiner und seinem Gefolge aufgestellt.

Nach den Worten meines Großvaters Shlomo Zalman Shragai, der Rabbiner Herzog auf dieser Reise begleitete und der in Rabbiner Haim Sabatos Buch Be-Shafrir Chevyon erwähnt wird, fragte der Rabbiner mehrmals: „Wer ist hier Jude?“, wurde aber mit völligem Schweigen empfangen. Sein Gefolge ermutigte ihn, zum nächsten Kloster aufzubrechen, um nach weiteren jüdischen Kindern zu suchen; aber dann, einen Moment bevor sie gingen, wanderte Rabbiner Herzog plötzlich durch die Reihen der Kinder und rief laut: Schma Jisrael, Haschem Eloheinu, Haschem Ehad“ („Höre, o Israel: der Herr, unser Gott, der Herr ist Einer“). Die kleinen Hände von sieben Kindern hoben sich von selbst, um ihre Augen zu bedecken, und der Rabbiner rief aufgeregt: „Sie sind Juden, so haben es ihnen ihre Mütter beigebracht.“

Es gibt keinen Satz, der jüdischer ist als das grundlegende Glaubensbekenntnis „Schma Jisrael“. Es gibt kein jüdischeres Gebet als dasjenige, das uns von dem Moment an, in dem wir die Welt betreten, bis zu dem Moment, in dem wir sie verlassen, begleitet. Und es gibt keinen natürlicheren Ort als den Tempelberg, um es zu sprechen – in aller Stille oder demonstrativ.

An diese einfachen Wahrheiten müssen wir uns heute erinnern, wenn israelische Polizisten Juden, die „Schma Jisrael“ rezitieren, vom Berg zerren und Gerichtsverfahren als „Der Staat Israel gegen ‚Schma Jisrael'“ zu den Akten gelegt werden.

Es gibt keine größere Schande als diese, außer vielleicht die Schande derer, die das Problem nicht verstehen. Einer der Richter am Jerusalemer Amtsgericht, Zion Saharay, versuchte am Sonntag, diesen Schandfleck zu beseitigen. Damit folgte er einer anderen Richterin des Gerichts, Bilha Yahalom, die vor sechs Monaten eine einstweilige Verfügung aufhob, die einem jüdischen Gläubigen auferlegt worden war. Sie stellte sogar ganz richtig fest, dass „der Staat nicht bestreitet, dass viele Juden auf dem Tempelberg beten, und dass diese Aktivität an sich nicht gegen die Anweisungen der Polizei verstößt“.

Aber der Wahnsinn regiert weiter. Der Staat plant, gegen die Saharay-Entscheidung Berufung einzulegen, so wie er auch gegen die Yahalom-Entscheidung Berufung eingelegt hat (die vom Bezirksgericht aufgehoben wurde).

Vor etwa sieben Jahren öffnete der Likud-Abgeordnete Gilad Erdan die Tore des Tempelbergs für jüdische Besucher und deren stille Gebete. Jetzt haben Justizminister Gideon Sa’ar und Premierminister Naftali Bennett eine ähnliche Gelegenheit. Sie können die Berufung gegen die Saharay-Entscheidung stoppen. Sie können ein wenig Vernunft in das Verhalten des Staates des jüdischen Volkes auf dem Tempelberg zurückbringen. Wenn sie entschlossen sind, besteht auch die Chance, dass die muslimische Seite diese natürliche Realität akzeptiert, so wie sie bis vor kurzem das stille jüdische Gebet an dieser Stätte akzeptiert hat.

 

Nadav Shragai ist Autor und Journalist.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Israel Hayom veröffentlicht.

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