Tempelberg für alle heilig

Ein arabischer Schuldirektor aus Tamra sagt, dass auch Juden das Recht haben sollten, auf dem Tempelberg zu beten.

Tempelberg für alle heilig
Sliman Khader/Flash90

Der Tempelberg ist schon seit langem immer wieder im Mittelpunkt von Konflikten und Ausschreitungen. Auf diese besondere Stelle in der Altstadt Jerusalems beziehen sich alle drei großen Weltreligionen: Judentum, Christentum und Islam.

Für jede dieser Religionen hat der Tempelberg eine sehr besondere, zentrale religiöse Bedeutung. Die bestehenden Konflikte und Reibungen zwischen den Religionen kommen hier in einem Punkt oft konzentriert zusammen und das hat schon oft für Ausschreitungen und Probleme gesorgt.

Der Tempelberg wird auch von Muslimen gerne als Austragungsort für oft gewalttätige Proteste verwendet, um ihren Unmut gegen Israel und die israelische Politik zum Ausdruck zu bringen. (Für Gewalt ist manchen Muslimen der Tempelberg anscheinend nicht zu heilig…)

Aus Sicherheitsgründen ist der Zugang zum Tempelberg momentan für Nicht-Muslime sehr beschränkt und Gebete von Juden, Christen oder anderen Religionen sind strengstens untersagt. Natürlich stört das unter anderem viele Juden, für die der Ort, an dem die biblischen Tempel standen, besonders heilig ist, und die den Wunsch haben, gerade an besonderen Tagen, dort zu beten.

Doch dieser Meinung sind nicht nur Juden. Nun meldete sich Nahil Zoabi, ein muslimischer Lehrer und seit über 15 Jahren Schulleiter einer Schule in Tamra, zu Wort. Bei einem seiner regelmäßigen Besuche auf dem Tempelberg, um als muslimisch Gläubiger zu beten, erklärte er, dass es sich um einen für alle Religionen heiligen Ort handelt und auch Juden dort beten dürfen sollten. Jeder sollte seiner Meinung nach überall ohne Angst beten dürfen — besonders auf dem Tempelberg.

„Der Tempelberg ist ein verbindender, vereinigender Ort, und deshalb hat jeder, gewiss auch die Juden, die den Wunsch haben, auf dem Tempelberg zu beten, das fundamentale Recht, dies zu tun“, sagte er.

„Gläubige aus allen Religionen und Glaubensrichtungen sind eingeladen, mit Respekt und Toleranz auf dem Tempelberg zu beten. Ich wäre mehr als glücklich, wenn ich sehen könnte, wie Juden neben den in der Al-Aqsa-Moschee betenden Muslimen mit gegenseitigem Respekt beten.“