In unserem Thora-Wochenabschnitt „Ki Tawo“ lesen wir über den Vertrag, den Gott mit dem jüdischen Volk geschlossen hat. Dieser Vertrag wird hier deutlich ausgesprochen, er verdeutlicht uns die Verpflichtungen beider Seiten und die Konsequenzen für einen Vertragsbruch. Und nach Jahrtausenden im Exil, können wir heute erkennen, dass diese Konsequenzen eingetreten sind.
Stellen Sie sich folgende Szene vor: Das Volk Israel lagert auf der Ostseite des Jordan-Flusses, etwa zwei Millionen Menschen sind bereit für den Einmarsch ins Gelobte Land. Mose wird nicht mitkommen, sondern außerhalb Israels an einer unbekannten Stelle begraben werden. Er stimmt das Volk jedoch vor seinem Tod für das Leben in Israel ein, denn es wird sich sehr von dem unterscheiden, was sie in den letzten 40 Jahren in der Wüste erlebt haben.
Der Vertrag
In unserem Wochenabschnitt spricht Moses über den Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk, es wird deutlich, dass dieser Bund auf einem Vertrag basiert, wie ihn jeder aus seinem persönlichen Leben kennt. Hier die entsprechenden Verse:
„Du hast dem Herrn heute zugesagt, dass er dein Gott sein soll, und daß du auf seinen Wegen wandeln willst und seine Satzungen, Gebote und Rechtsbestimmungen halten und seiner Stimme gehorchen willst. Und der Herr hat dir heute zugesagt, dass du sein Eigentumsvolk sein sollst, so wie er es dir verheißen hat, und dass du alle seine Gebote hältst, und dass er dich als höchstes über alle Völker setzen will, die er gemacht hat, zu Lob, Ruhm und Preis, und dass du dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk sein sollst, wie er es verheißen hat.“
(5. Mose 26:17-19)
Hier wird deutlich ausgesprochen, dass sich das Volk Israel verpflichtet die Satzungen, Gebote und Rechtsbestimmungen zu halten, die ihnen Gott gegeben hat. Im Gegenzug sagt ihnen Gott zu, ihnen Lob und Ruhm zu geben und sie als höchstes über alle Völker zu setzen.
Kurz gesagt: Die Juden halten die Gebote ein und Gott sorgt dafür, dass es ihnen gut geht. Ein handfester Vertrag zwischen zwei unabhängigen Parteien, die ihn freiwillig unterzeichnen.
Die Konsequenzen
Zwei Kapitel später klärt Mose das Volk darüber auf, was passiert, wenn sie ihren Teil des Vertrags einhalten:
„Es wird aber geschehen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, wirklich gehorchst und darauf achtest, alle seine Gebote zu tun, die ich dir heute gebiete, dann wird dich der Herr, dein Gott, als höchstes über alle Völker der Erde setzen. Und alle diese Segnungen werden über dich kommen und dich erreichen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchst:”
Hier einige der versprochenen Segnungen:
Gesegnet wirst du sein in der Stadt und gesegnet auf dem Feld.
Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Landes, die Frucht deines Viehs, der Wurf deiner Rinder und die Zucht deiner Schafe.
Der Herr wird deine Feinde, die sich gegen dich auflehnen, vor dir geschlagen dahingeben
Und der Herr wird dir Überfluss geben an Gütern, an der Frucht deines Leibes, an der Frucht deines Viehs und an der Frucht deines Ackers, in dem Land, von dem der Herr deinen Vätern geschworen hat, dass er es dir gebe.
Und du wirst vielen Völkern leihen; du aber wirst dir nichts ausleihen müssen.

Sollte das Volk seine Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen, werden sie die negativen Konsequenzen des Vertragsbruchs zu spüren bekommen. Mose beschreibt sie in großem Detail, hier nur einige Beispiele:
„Es wird aber geschehen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, nicht gehorchst, so dass du alle seine Gebote und Satzungen nicht bewahrst und tust, die ich dir heute gebiete, so werden all diese Flüche über dich kommen und dich treffen:
Verflucht wirst du sein in der Stadt und verflucht auf dem Feld.
Verflucht wird sein dein Korb und dein Backtrog.
Verflucht wird sein die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Landes, der Wurf deiner Rinder und die Zucht deiner Schafe.
Der Herr wird den Regen für dein Land in Sand und Staub verwandeln
Der Herr wird dich vor deinen Feinden geschlagen dahingeben
Der Herr wird dich schlagen mit den Geschwüren Ägyptens und mit Beulen, mit Räude und Krätze, so dass du nicht geheilt werden kannst.
Du wirst dich mit einer Frau verloben, aber ein anderer wird mit ihr schlafen; du wirst ein Haus bauen, aber nicht darin wohnen; du wirst einen Weinberg pflanzen, aber ihn nicht nutzen.
Und du wirst zum Entsetzen werden, zum Sprichwort und zum Gespött unter allen Völkern, zu denen der Herr dich vertreiben wird.
Denn der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum anderen;
Dein Leben wird vor dir an einem Faden hängen; Tag und Nacht wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein.“
Das ist nur eine kleine Auswahl der Strafen, die das Volk Israel erwarten, wenn es seinen Teil des Vertrags nicht ausführt. Es lohnt sich, das gesamte Kapitel zu lesen, denn einige der Details der hier beschrieben Flüche scheinen bereits eingetreten zu sein.

Heutige Politik
Auf dieser Basis sollte die Politik eines jüdischen Staates eigentlich ganz einfach sein: die Einhaltung der Gebote fördern.
Der dafür versprochene Segen würde alle Bereiche des Landes betreffen, Wirtschaft, Verteidigung, Gesellschaft und sogar die Außenpolitik. Israel könnte endlich in Frieden und Wohlstand leben, ohne seine Söhne in den Krieg zu schicken und ohne viele Überstunden im Büro arbeiten zu müssen.
Das Problem ist leider, dass viele Juden nichts über den Vertrag wissen, den ihre Vorfahren mit Gott geschlossen haben und auch wenn sie davon wissen, glauben viele nicht daran.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben jedoch zu einer religiösen Renaissance im Judentum geführt. Enttäuscht von den Völkern und den internationalen Institutionen, fragen sich viele Juden, ob die Bibel vielleicht doch mehr als nur eine Folklore ist.
Jedes zusätzliche Gebot, dass Juden heute einhalten, wird zusätzlichen Segen ins Land bringen. Das klingt für viele Menschen unglaublich, denn die Trennung von Staat und Religion gehören zum Fundament der Demokratie. Im Falle Israels ist das jedoch, wie wir oben gesehen haben, tödlich.
Die Einhaltung des Vertrags mit Gott sollte in Israel oberste Priorität haben.




