So geht es mir mit dem blinden Araber, der in unserer Nachbarschaft Orangen verkaufte. Das war vor vierzig Jahren. Er schleppte eine Plastiktüte voller Apfelsinen, die andere Hand lag auf der Schulter seines Sohnes. Täglich waren die beiden unterwegs, immer zu Fuß. Ab und zu kaufte unsere Mutter ihm ein paar Orangen ab. Über die Jahre, in denen ich auch umgezogen bin, habe ich den blinden Araber bald hier, bald dort in Südjerusalem gesehen.
Vor einigen Wochen saßen Anat und ich in Baka in der Bethlehemstraße in einem Straßencafé. Wir genossen die Wintersonne, trafen alte Freunde und tauchten bei Espresso und Tee ein in die Vergangenheit. Zwischendurch versuchten arabische Kinder, uns Grünpflanzen als Tee oder Salat zu verkaufen. Auf einmal sehe ich hinter einem Jungen den blinden Araber, seine rechte Hand auf der Schulter des Kindes, genau wie damals. Der Blinde ist stark gealtert, aber sein Führer ist scheinbar Kind geblieben. Bilder von früher erscheinen vor meinem inneren Auge.
Diesmal verkauft er keine Orangen, sondern Minze. Obwohl wir genug Minze im...
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