(JNS) Seit einer Woche beherrschen Schlagzeilen die Nachrichten über einen Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Pause – ein Moment für einen möglichen Durchbruch. Doch wenn man aufmerksam verfolgt hat, wie US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im vergangenen Jahr und darüber hinaus agiert haben, weiß man, dass nichts jemals ganz so ist, wie es scheint.
Der Waffenstillstand mit dem Iran könnte eine weitere Meisterleistung der Irreführung sein. Es handelt sich möglicherweise nicht nur um eine Kampfpause; vielmehr ist es eine strategische „Sauerstoffpause“, die von Washington und Jerusalem entworfen wurde, um das Spielfeld für einen finalen, entscheidenden Schritt neu zu ordnen.
Die Brillanz dieses Plans liegt in seinem kalkulierten Zynismus. Die Vereinigten Staaten und Israel wissen wahrscheinlich, dass Teheran ihren zentralen Forderungen niemals wirklich zustimmen wird. Sie erwarten keine plötzliche Hinwendung zur westlichen Diplomatie. Stattdessen erfüllt dieses zweiwöchige Zeitfenster einen viel praktischeren, taktischen Zweck. Sie schlagen die Iraner mit deren eigenen Mitteln: Ablenkung.
Es gibt mindestens drei verschiedene Ziele, die dieser Waffenstillstand erreichen soll.
Die Libanon-Front: Durch das Einfrieren der iranischen Front kann Israel seine Ressourcen ausschließlich auf die libanesische Front konzentrieren. Interessanterweise erklärte Eyal Zamir, Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, kürzlich, dass der Libanon nun die einzige Front sei – was diesen Punkt im Grunde bestätigt. Ein Krieg an zwei Fronten belastet die Armee, und der Waffenstillstand mit dem Iran erlaubt es Israel, seine gesamte kinetische Energie – Luftwaffe, Geheimdienstressourcen und Elitekräfte – gezielt auf den Libanon zu richten.
Das Ziel ist dabei nicht nur, die Hisbollah „zurückzudrängen“, sondern ihre operative Fähigkeit ein für alle Mal zu zerschlagen. Indem die iranische Front als Ablenkung entfällt, kann sich die Armee darauf konzentrieren, die bereits geschwächte Hisbollah so schwer zu treffen, dass ein Sicherheitsvakuum entsteht, das dem Libanon ermöglicht, seine Souveränität zurückzugewinnen. Dadurch könnte Raum für echte Friedensgespräche zwischen Beirut und Jerusalem entstehen – mit der Aussicht, jahrzehntelange Feindschaft zu beenden und die Nordgrenze Israels dauerhaft zu stabilisieren.
Die iranische Front: Während im Libanon gehandelt wird, bewirkt der Waffenstillstand gleichzeitig etwas ebenso Wichtiges im Inneren Irans. Er schafft ein Umfeld mit vielen identifizierbaren Zielen. Seit Monaten hält sich die Führungsspitze des iranischen Regimes sowie wichtige Militärakteure in tiefen Bunkern auf und ist damit faktisch unsichtbar.
Sobald ein Waffenstillstand unterzeichnet ist, entsteht der Anschein von Normalität, und die Menschen beginnen sich zu bewegen. Sie kommen an die Oberfläche, wechseln ihre Standorte und kommunizieren wieder über traditionellere (und leichter abhörbare) Kanäle. Diese vorübergehende „Ruhe“ ermöglicht es amerikanischen und israelischen Geheimdiensten, die Bewegungen jener Personen zu identifizieren, zu verfolgen und zu kartieren, die zuvor schwer zu treffen waren. Sobald sie glauben, die unmittelbare Gefahr sei vorüber, und wieder ins Licht treten, können sie verfolgt werden – und in der nächsten Kampfrunde ausgeschaltet werden.
Ebenso verhandelt ein Regime, das sich in einem Bunker befindet, ohne ein klares Bild seiner eigenen Lage. Es kennt weder den tatsächlichen Schaden an seiner Infrastruktur noch die wirkliche Verzweiflung seiner Position.
Man kann sich das wie ein Waldbrand vorstellen: Manchmal muss man etwas Sauerstoff zulassen, damit das Feuer seinen Verlauf offenbart. Das Aussetzen der Angriffe gibt den Führern des iranischen Regimes Zeit, durch ihre eigenen Ruinen zu gehen. Es zwingt sie zu erkennen, was genau sie verloren haben und was sie noch verlieren könnten, wenn die nächste Runde beginnt. Es ist schwer, die eigene „Verhandlungsposition“ abzuwägen, wenn man nicht einmal weiß, welche Fabriken noch stehen.
Schließlich gibt es noch die Frage der Straße von Hormus. Wenn sich die „Verkehrswege“ im Golf für einige Wochen öffnen, werden die Iraner ihre eigenen Ressourcen durch sichere Routen leiten, um ihre eigenen Minen zu umgehen. Durch die Beobachtung dieser Routen können amerikanische und israelische Stellen die Minenfelder effektiv kartieren – ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Ein solcher Informationsgewinn würde eine spätere Kontrolle der Meerenge und den Schutz des globalen Schiffsverkehrs erheblich erleichtern.
Der entscheidende Schachzug: Das haben wir schon einmal gesehen. Diese Art von risikoreicher „Verhandlung als Ablenkung“ ist ein Markenzeichen der Trump-Ära – ein Mittel, um internationale Medien, Politiker und Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Während Kommentatoren über die Moral des Waffenstillstands diskutieren, bereitet das Militär vermutlich den entscheidenden Schlag vor.
Wenn uns die letzten Jahre eines gelehrt haben, dann dies: Man sollte abwarten. Das ist nicht das Ende des Krieges – sondern die Vorbereitung auf dessen Abschluss. Dieses raffinierte Manöver deutet darauf hin, dass das, was als Nächstes kommt, nicht nur eine weitere Runde von Luftangriffen sein wird, sondern jene, die die Angelegenheit endgültig entscheiden soll.




