CNN: Von der Farce einer ‚Untersuchung‘

Der Bericht von CNN über den Tod von Shireen Abu Akleh ist ein Sammelsurium an Spekulationen, Vermutungen, Gefühlen und parteiischen „Experten“. Doch mit seiner Berichterstattung beweist CNN lediglich, dass er kein seriöser Nachrichtensender mehr ist.

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Mit großem Eifer übernahm CNN das palästinensische Narrativ rund um den Tod von Shireen Abu Akleh und präsentierte es als "Beweis" für Israels Schuld. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90

(JNS) CNNs „Untersuchung“ des Todes der Al Jazeera-Reporterin Shireen Abu Akleh hat entgegen der Behauptung des Senders nicht bewiesen, dass die israelischen Streitkräfte sie absichtlich ermordet haben. Stattdessen hat CNN der Welt nur bewiesen, wie weit der Nachrichtensender von seriösem Journalismus entfernt ist.

CNNs aufrührerische Anschuldigung gegenüber Israel reiht Vermutungen an Vermutungen. Sie stützt sich weniger auf objektive, unumstößliche Beweise als auf die Gefühle voreingenommener Augenzeugen. Dabei werden plausible alternative Erklärungen nicht nur beiseite geschoben, sondern durch die CNN-Berichterstattung sogar effektiv vertuscht.

So verfahren parteiische Organisation, nicht eine seriöse Nachrichtenagentur.

Im Folgenden listen wir einige der gravierendsten Mängel des CNN-Berichts auf:

 

Verschweigen von Annahmen und Vorbehalten

CNN stützt sich auf Robert Maher, Professor für Elektro- und Computertechnik an der Montana State University und Spezialist für forensische Audioanalyse, der behauptet, dass die Schüsse, die Abu Akleh töteten, aus einer Entfernung „zwischen 177 und 197 Metern“ abgegeben wurden. Dies, so behauptet CNN weiter, „entspricht fast genau der Position des israelischen Scharfschützen“.

CNN präsentiert Mahers Analyse, ohne die wichtigen Annahmen und Vorbehalte zu berücksichtigen, die Maher an anderer Stelle gemacht hat. In einem separaten Interview mit Bellingcat erläuterte Maher zum Beispiel einige der Möglichkeiten, dass diese Analyse falsch sein könnte:

„Maher fügte diesen Berechnungen einen Hinweis auf Vorsicht und Vorbehalte hinzu. Die Schätzung der Entfernung hängt von der Lufttemperatur ab, da diese die Schallgeschwindigkeit beeinflusst“, sagte er.

„Das Kaliber des analysierten Geschosses stimmt zwar mit den Berichten überein, wonach die Kugel, die Abu Akleh tötete, ein Kaliber von 5,56 mm aufwies, aber diese Berechnung berücksichtigt nicht die Möglichkeit, dass eine andere Waffe verwendet worden sein könnte, die auf den Videos vom Tatort nicht zu sehen ist oder nicht aufgenommen wurde.

„Darüber hinaus merkte Maher an, dass schon ein kleiner Unterschied in der angenommenen Geschwindigkeit des Geschosses zu einer Änderung der Berechnungen führen könnte: Die größere Frage ist wahrscheinlich meine Annahme über die Geschwindigkeit des Geschosses. Würde sich das Geschoss mit einer langsameren Überschallgeschwindigkeit bewegen, wäre die geschätzte Entfernung größer. Wäre das Geschoss mit einer schnelleren Überschallgeschwindigkeit unterwegs, wäre die geschätzte Entfernung kürzer.“

Nirgendwo, weder im CNN-Artikel noch im TV-Beitrag, wurden diese wichtigen Angaben widergegeben.

Zudem gibt es wichtige Fragen, auf die CNN nicht eingeht. Zum Beispiel heißt es in dem Artikel: „Das Video, das Maher analysierte, zeigt zwei Salven von Schüssen; Augenzeugen sagen, Abu Akleh sei im zweiten Feuergefecht getroffen worden. ….“ Hat Maher auch eine Analyse der Schüsse aus dem ersten Feuergefecht vorgelegt? Wenn ja, stimmte sie mit seiner Analyse des zweiten Sperrfeuers überein? Dies ist eine wichtige Information, die in der CNN-Berichterstattung ausgelassen wurde und dazu beitragen würde, zu klären, ob die Schüsse aus einer anderen Richtung kamen oder nicht.

Dies ist besonders wichtig in Anbetracht einer Feststellung in dem TV-Beitrag. CNN behauptet, dass die palästinensischen Bewaffneten „keine klare Schusslinie“ auf Abu Akleh hatten. CNN erklärt an keiner Stelle, was ihre Schusslinie verdeckt haben könnte. Eine von CNN verwendete Karte zeigt den bewaffneten Palästinenser südlich der israelischen Soldaten auf der gleichen, weitgehend geraden Straße, auf der sich auch die israelischen Soldaten und Abu Akleh befanden. Es ist zwar durchaus möglich, dass Höhenunterschiede oder andere Hindernisse die Schusslinie von der palästinensischen Position aus verdeckt haben könnten, aber CNN liefert einfach nicht die notwendigen Details, um diese Behauptung zu stützen oder zu widerlegen.

Ein Screenshot der Karte, die während des CNN-Beitrags verwendet wurde, zeigt die Positionen von Abu Akleh, den IDF-Kräften und den bewaffneten Palästinensern (ohne Beschriftung, aber im unteren Punkt).

Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die „Untersuchung“ von CNN die Möglichkeit völlig außer Acht lässt, dass sich weitere palästinensische Bewaffnete an anderen Orten befanden. Schließlich kam es während der IDF-Operation an mehreren Orten zu Schusswechseln. Palästinensische Bewaffnete wurden nicht nur weiter südlich auf der gleichen Straße gesehen, sondern auch in Gassen und auf Dächern. Anstatt die Möglichkeit anzuerkennen, dass die Schüsse von einer ganz anderen Position aus abgegeben worden sein könnten, geht CNN davon aus, dass sich die einzigen bewaffneten Palästinenser auf der Straße südlich der israelischen Streitkräfte befanden.

CNN behauptet nicht nur, dass die bewaffneten Palästinenser südlich der israelischen Streitkräfte keine freie Schusslinie hatten, sondern auch, dass sie sich „außerhalb der 200-Meter-Reichweite der Schüsse“ befunden hätten.

Man beachte, was CNN hier anrichtet. Der Sender lässt die wichtige Information außen vor, die Maher an anderer Stelle gegeben hat, nämlich dass die Schätzung von 177-197 Metern auf zahlreichen Annahmen beruhte und das Feuer sehr leicht aus einer kürzeren oder längeren Entfernung hätte kommen können, wenn eine dieser Annahmen nicht zuträfe. Nachdem CNN es versäumt hat, seine Zuschauer darüber zu informieren, behauptet der Sender dann definitiv, dass palästinensische Bewaffnete, die mehr als 200 Meter entfernt waren, „laut einem Schusswaffenexperten zu weit von Abu Akleh entfernt waren, um den tödlichen Schuss abzugeben.“ Dies ist nur dann richtig, wenn sich jede einzelne Annahme Mahers als richtig erweist, wovon aber noch keine bewiesen ist.

Da CNN die Zuschauer und Leser nicht über die wichtigen Annahmen und Vorbehalte von Mahers Analyse informiert und seine Schlussfolgerungen nicht untermauert (z B. mit palästinensischen Schusslinien), schließt der Sender vorschnell sehr plausible alternative Erklärungen aus.

Der „Experte“

CNN stützt sich in seinem Bericht auch auf einen Experten namens Chris Cobb-Smith. Cobb-Smith behauptet, dass es „keine Chance“ gegeben hätte, dass zufälliger Beschuss zu der „engen Anordnung“ der Schüsse führen konnte, die einen Baum in der Nähe des Todesortes von Abu Akleh trafen. CNN teil seinen Lesern mit:

„Die Anzahl der Einschlagstellen an dem Baum, an dem Shireen stand, beweist, dass es sich nicht um einen zufälligen Schuss handelte, sondern dass sie gezielt getroffen wurde‘, sagte Cobb-Smith gegenüber CNN und fügte hinzu, dass in scharfem Kontrast dazu die meisten Schüsse von Palästinensern, die an diesem Tag mit der Kamera festgehalten wurden, ‚zufällige einzelne Schüsse waren.“

Cobb-Smith schlägt vor, dass die Schüsse, die den Baum trafen, nicht von Palästinensern stammen können, weil die „Mehrheit“ der palästinensischen Schüsse, die von der Kamera aufgezeichnet wurden, „zufällige Sprühschüsse“ gewesen seien. Wieder einmal Spekulationen und Mutmaßungen auf der Grundlage von Annahmen. Zum einen stützt er sich ausschließlich auf Schüsse, die auf Video aufgenommen wurden, was natürlich nicht für Schusswechsel gilt, die nicht auf Video aufgenommen wurden. Schlimmer noch, selbst nach Cobb-Smiths eigener Aussage kamen nicht alle palästinensischen Schüsse (seine Worte: „Mehrheit der Schüsse“) in Form von „zufälligen Sprühstößen“.

Wie also kann Cobb-Smith diese konkrete Behauptung aufstellen?

Betrachten wir einmal Cobb-Smiths Hintergrund, der von CNN an keiner Stelle erwähnt wird.

Cobb-Smith ist ganz und gar kein unparteiischer Experte, er gehört der berüchtigten parteiischen Organisation Forensic Architecture an. Seine Organisation vertritt offen israelfeindliche politische Positionen, die nichts mit Forensik zu tun haben, wie etwa die Förderung der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung (BDS) gegen Israel.

Es ist eben jene Organisation, die absurderweise behauptete, Israel habe den Palästinenser Ahmed Erekat unrechtmäßig erschossen, als der 2020 ein Auto in einen israelischen Soldaten rammte, obwohl es ein eindeutiges Video von dem Vorfall gibt. Eine Person von einer Organisation, die bereit ist, auf solch absurde, parteiische Maßnahmen zurückzugreifen, um Israel zu beschuldigen, unrechtmäßig zu handeln, kann kaum als unparteiischer „Experte“ angesehen werden. Doch genau so stellt CNN ihn dar.

 

Die „Zeugen“

CNN hat es auch an anderer Stelle versäumt, die Personen, auf die es sich beruft, zu beleuchten.

Nehmen Sie Shatha Hanaysha. Sie ist dafür bekannt, dass sie terroristische Raketenangriffe auf Israel öffentlich feiert und „wer auch immer sein Leben für das Vaterland opfert“. Hanaysha feierte öffentlich die Ermordung des 17-jährigen israelischen Mädchens Rina Schnerb und twitterte: „Vielleicht wird dieser Anschlag zu einem Vorbild, das ‚Freizeitwanderungen‘ in den Hügeln und Ebenen des Westjordanlandes zu einem Abenteuer mit unerwünschten Folgen macht“ (übersetzt von CAMERA Arabic).

Im Jahr 2018 schien Hanaysha den terroristischen Mord an Rabbi Raziel Shevach besonders zu mögen und twitterte unter anderem: „22 Kugeln in nur 40 Sekunden aus einer Entfernung von 20 Metern“, gefolgt von einem Lächel-Emoji und dem Hashtag „#NablusOperation.“ Danach twitterte sie wiederholt über den „Märtyrer Ahmad Jarrar“ – den Terroristen, der Rabbi Shevach getötet hatte.

Es stimmt, auch eine kaputte Uhr zeigt gelegentlich die richtige Uhrzeit an, und jemand, der den Mord an Teenagern feiert, kann hin und wieder die Wahrheit sagen. Doch welche Beweise hat Hanaysha für CNN auf den Tisch gelegt?

Gefühle.

Lassen Sie uns einen Blich auf das folgende Gespräch zwischen CNN und Hanaysha werfen, das die zentrale Behauptung belegen soll, dass die israelische Armee Abu Akleh absichtlich ins Visier genommen habe:

Hanaysha: „Ich glaube, sie wollen uns töten. Das ist der Grund, warum sie schießen. Ich kenne keinen anderen Grund, warum sie schießen. Und sie wissen, dass wir Journalisten sind.“

CNN: „Es fühlte sich gezielt an?“

Hanaysha: „Ja.“

Mit anderen Worten: CNN verließ sich auf ihre Fähigkeit, Gedanken zu lesen, und auf ihre Gefühle. Hanaysha war nach Angaben von CNN 200 Meter von den IDF-Soldaten entfernt. Selbst wenn man davon ausgeht, dass diese Schüsse von ihnen abgegeben wurden, welchen Beweiswert haben Hanayshas Behauptungen, sie „glaube“, dass sie Abu Akleh töten wollten?

Betrachten wir den anderen wichtigen Austausch zwischen einem CNN-Interviewer und Hanaysha:

CNN: „Die israelische Regierung hat gesagt, dass es auch bewaffnete Palästinenser in diesem Gebiet gab, und dass-„

Hanaysha (unterbricht): „Nein“

CNN: „- es könnte beides gewesen sein. Sie waren dort. Was haben Sie gesehen?“

Hanaysha: „Ich bin absolut nicht der Meinung, dass es einen Palästinenser mit einer Waffe gibt. Und als Journalistin und als Mensch werde ich mich nicht in eine gefährliche Situation begeben.“

Hanaysha lügt unverhohlen. Sogar der CNN-Beitrag enthält Videoaufnahmen von bewaffneten Palästinensern, die in der Gegend schießen – die CNN-eigene Karte zeigt sogar einen Ort, an dem bewaffnete Palästinenser auf Video aufgenommen wurden, die auf israelische Soldaten schießen. Dennoch konfrontiert CNN Hanaysha nie mit den Beweisen, die dem Sender zur Verfügung stehen und die ihre emotionale Aussage direkt widerlegen.

Ein weiterer prominenter Zeuge ist Jamal Huwail. Wie Hanaysha ist auch Huwail dafür bekannt, dass er den Terrorismus verherrlicht, unter anderem bei einem Messerangriff, bei dem vor nur zwei Monaten vier Israelis getötet wurden.

Huwail wird in dem Artikel für zwei Behauptungen herangezogen. Erstens glaubte Huwail laut CNN, „dass die Schüsse von einem der israelischen Fahrzeuge kamen“. Dann wird Huwail direkt zitiert: „Sie schossen direkt auf die Journalisten.“

Hier gibt es ein großes Problem. Nirgendwo gibt CNN an, wo sich Huwail zum Zeitpunkt der Tötung von Abu Akleh aufhielt. CNN sagt uns, wo er früher am Tag war („am Awdeh-Kreisverkehr“ – die Straße hinunter von dem Ort, an dem Abu Akleh später getötet wurde), als er sich mit Abu Akleh unterhielt, aber dann heißt es: „Als er sie das nächste Mal aus der Nähe sah, war sie tot.“

Wenn Huwail Abu Akleh früher am Tag an einem anderen Ort gesehen hat und er sie erst wiedersah, als sie bereits tot war, woher weiß er dann, dass die Schüsse von den israelischen Fahrzeugen kamen und dass diese direkt auf die Journalisten schossen?

Wenn er sich ausschließlich auf die Berichterstattung von CNN verlässt, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass er in der Lage wäre, eine solche Behauptung aufzustellen.

Ob man sich nun auf Hanaysha oder Huwail verlässt, ein Großteil der „Beweise“ dafür, dass die israelische Armee Abu Akleh „ins Visier“ genommen haben, scheint sich auf Leute zu stützen, die 200 Meter (oder im Fall von Huwail vielleicht noch viel weiter) von den Soldaten entfernt waren und dennoch zu glauben scheinen, sie wüssten genau, was die israelischen Soldaten gesehen haben und was ihnen zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf ging.

Das ist mehr als schlampiger Journalismus.

Schlussfolgerung

Man bedenke nur die Tatsache, dass CNN an keiner Stelle nachweist, dass die israelischen Soldaten wussten, dass sich Journalisten auf der Straße befanden, geschweige denn absichtlich auf sie schossen.

Die Beweise, die CNN für diese Behauptungen anführt, beschränken sich hauptsächlich auf die Gefühle von zwei offensichtlich parteiischen Zeugen, die 200 Meter (oder mehr) von den Soldaten entfernt waren. Abgesehen von der Existenz übersinnlicher Fähigkeiten sind ihre Aussagen für tatsächliche Beweiszwecke unbrauchbar. Stattdessen dienen sie nur dazu, Emotionen zu schüren.

Der einzige andere Beweis, der von CNN angeführt wird, um zu suggerieren, dass Abu Akleh „ins Visier“ genommen wurde, ist die „Analyse“ des parteiischen Cobb-Smith, der nicht angemessen erklären kann, wie er ausschließen kann, dass die Feuerquelle von palästinensischen Bewaffneten stammt.

Mit Spekulationen, Vermutungen, Zeugen, die Gedanken lesen, und parteiischen „Experten“ gelingt es CNN bei weitem nicht, die schwerwiegende Behauptung zu beweisen, dass die israelischen Streitkräfte absichtlich einen Journalisten ins Visier genommen haben.

Aber, wie immer deutlicher wird, ist CNN nicht wirklich an Ehrlichkeit interessiert, wenn es um Israel geht.

 

David M. Litman ist Medien- und Bildungsforschungsanalyst beim Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA).

Dieser Artikel wurde ursprünglich von CAMERA veröffentlicht.

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