Auto, Messer und Raketen

Wird die Tatsache, dass man es in Israel 30 Tage vor den Wahlen gerne ruhig hätte, von den Terroristen für weitere Angriffe ausgenutzt werden?

Autoattacke
Autoattacke, gestern Foto: Gershon Elinson/Flash90

Das Wochenende begann am Donnerstag mit einer Messerattacke zweier 14-jähriger „Terroristen“ gegen einen Polizisten. Danach raste am Freitag ein Terrorist mit seinem Auto auf zwei Geschwister, die an einer Bushaltestelle auf ihren Bus warteten, der sie in den Norden bringen sollte, wo sie die letzten Tage der Sommerferien verbringen wollten. Am Shabbat gab es dann noch ein paar Raketen aus dem Gazastreifen und einen Infiltrationsversuch bewaffneter Terroristen. Ach ja, auch am Grenzzaun versammelten sich wieder „friedliche Demonstranten“.

„Was für ein Wochenende“, dachte ich mir heute früh auf meinen Weg in die Redaktion. Ein Ereignis jagte das nächste, sodass man gar keine Zeit hatte, sich mit den einzelnen Vorkommnissen zu befassen. Ich war am Freitag noch mit den Gedanken beschäftigt, was wohl zwei 14 – jährige Kinder dazu bewegt haben möge, sich mit gezogenen Messern auf bewaffnete Polizisten zu stürzen. Es muss ihnen doch klar gewesen sein, dass sie dies nicht überleben werden. War das vielleicht ihr Ziel zusammen mit der „Belohnung“, zum „Shahid“, zum Märtyrer erklärt zu werden? Mit was für einen Hass müssen diese Kinder groß geworden sein?

Sinnlose Messerattacke in Jerusalem

 

Und dann kam am Freitag die Meldung einer Autoattacke. Zwei Geschwister wurden von einem arabischen Terroristen, der bereits in einem israelischen Gefängnis gesessen hatte, an einer Bushaltestelle mit dem Auto gerammt (siehe Video oben). Der Bruder (18) wurde sehr schwer verletzt, die Ärzte kämpfen noch immer um sein Leben. Der Zustand seiner Schwester (20) wurde heute früh als leicht beschrieben. Der Terrorist konnte von einem Polizisten, der rein zufällig hinter ihm fuhr und Zeuge des Anschlags war, neutralisiert werden.

Autoattacke

Autoattacke, Freitag

In den Medien wurde erwähnt, dass der Anschlag glimpflicher hätte enden können, wenn die beiden Geschwister hinter den Barrieren gestanden hätten, die es heute vor jeder Bushaltestelle im Land gibt, das Ergebnis zahlreicher Autoattacken der Vergangenheit. Leider standen die beiden Geschwister neben der Haltestelle. Dennoch sollten sie jedoch nicht für das tragische Ergebnis des Anschlags verantwortlich gemacht werden. Es ist nicht normal, dass man an einer Haltestelle bewusst umgefahren wird.

An die 14 – jährigen „Kinder-Terroristen“, oder wie soll man sie nennen, hatte schon niemand mehr gedacht, alles drehte sich nur noch um den Zustand der verletzen Geschwister. Und dann ertönten am Shabbat wieder einmal die Sirenen im Süden des Landes. Insgesamt vier Raketen wurden an Shabbat aus dem Gazastreifen auf Israel abgeschossen. Drei von ihnen konnten vom Iron Dome abgewehrt werden. Die Splitter der vierten Rakete trafen einen Räuchergrill im Garten eines Hauses in Sderot. Glück gehabt. Verletzt wurde durch die Raketen niemand. Interessant war auch, dass die israelische Armee diesmal nicht auf den Raketenbeschuss reagierte. Im Radio redete man heute früh darüber. Ein Experte meinte, dass man auf israelischer Seite nicht an einer Eskalation interessiert sei. Aber sind diese Terroranschläge und Raketenangriffe vom Wochenende nicht schon die Eskalation, die man vermeiden möchte?

Iron Dome in Aktion, gestern

 

Im Gazastreifen dachte man sich vielleicht, diese „Schwäche“ des Gegners auszunutzen. So näherten sich gestern Abend kurz vor Mitternacht fünf Terroristen dem Grenzzaun. Beobachter der israelischen Armee wurden auf sie aufmerksam und erkannten auch, dass mindestens einer von ihnen bewaffnet war. Um das Eindringen der Terroristen nach Israel zu verhindern, wurde von einem Hubschrauber und einem Panzer aus auf sie geschossen. Erst Stunden später wurde im Gazastreifen von drei Toten und einem Verletzten durch den israelischen Beschuß gesprochen.

Seit diesem Vorfall ist es wieder ruhig geworden. Die neue Woche beginnt mit der Sorge um das Wohl des schwerverletzten Opfers der Autoattacke und die Diskussion darüber, wie es nun weitergehen soll. In 30 Tagen finden die Wahlen statt. Das mag der Grund sein, dass man auf israelischer Seite nicht an einer weiteren Eskalation der Lage interessiert ist. Und genau das könnte nun von der Hamas und anderen Terrororganisationen ausgenutzt werden. So könnten auch in den nächsten Tagen ein paar Raketen auf die israelische Seite „tröpfeln“, wie der gelegentliche Abschuss einer einzigen Rakete hier bei uns genannt und dadurch verharmlost wird. Denn vor den Wahlen möchte man gerne Ruhe haben. Und dann?

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