Im zweiten Teil von „Klug wie die Schlangen” geht es um die Notwendigkeit, unter bestimmten Umständen sogar sittenwidrig zu handeln, wie David, der auf der Flucht vor Saul bei den Philistern untertaucht. Die Bibel nennt David „sehr listig“ (1. Samuel 23). Dass er sich ein paar Monate lang mit Israels schlimmstem Feind zusammentat, war keine Farce, da er sogar bereit war, gegen Israel zu kämpfen (Kapitel 29). David wollte so sein eigenes Leben sowie das seiner Familie und seiner Männer retten (Kap. 21). Ob dies egoistisch ist, hängt von der Sicht des Betrachters ab.
Einem augenscheinlichen Verrat folgt hier die Zerstörung von gesuritischen, girsitischen und amalekitischen Städten, in denen David „weder Mann noch Weib“ am Leben ließ (Kap. 27). Ellicotts Kommentar sieht hierin „furchtbare Barbarei, für die es keine Entschuldigung gibt“. Solch eine Schlussfolgerung ist berechtigt, wenn Moral allein durch Sympathie mit den Opfern bestimmt wird. Aus dieser Sicht war Davids Vorgehen unvertretbar. Was aber, wenn sein Überlaufen und seine Barbarei einem höheren Interesse dienten, das eine vorübergehende Aussetzung der Moral rechtfertigte?
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