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Israel Heute Morgen

Wir scheinen nicht viel aus den Verkehrsunfällen zu lernen. Auch in der vergangenen Nacht und am frühen Morgen sind zwei Menschen tödlich verunglückt. Eine App, die Verkehrssünder während ihrer Tat ertappt, soll die Zahl der Unfälle verringern. Das Wetter: Erst zu warm, danach wieder zu kalt.

Guten Morgen liebe Leser!

Es ist noch ein wenig wärmer geworden. Das spürte ich sofort, als ich aus dem Auto gestiegen war und mit meinem Gang zur Redaktion begann. Ja, ich bin schon wieder mit dem Auto gekommen. Seitdem unsere Tochter ihren Kurs in der Armee beendet und ihren regulären Dienst begonnen hat, kommt sie zur Zeit jeden Tag nachhause. Wir sind jetzt also wieder etwas mehr Familie am Abend, was sehr schön ist. Allerdings muss sie morgens schon sehr früh aus dem Haus, so dass wir jeden Morgen schon um 6 Uhr aus dem Haus gehen. Ich bringe sie dann zum Bahnhof und dann fällt es mir schwer, zu parken und einen Bus zu nehmen, wo ich doch schon so richtig im Schwung bin mit dem Auto. Nach nur etwa 25 Minuten Fahrt war ich dann schon hier in Jerusalem. Das ist sehr bequem. lohnt sich wirtschaftlich aber überhaupt nicht. Für die kommende Woche habe ich mir fest vorgenommen, auf die Bequemlichkeit zu verzichten und den Bus zu nehmen. Ich werde dann eben ein wenig später im Büro erscheinen. Ist gar nicht so tragisch, dafür kann man sich im Bus noch ausruhen oder in Ruhe die aktuellen Nachrichten lesen.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt bis bewölkt mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen. Für die Jahreszeit zu warm. In den Bergen im Norden wehen starke östliche Winde. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 16 Grad, Tel Aviv 22 Grad, Haifa 20 Grad, Tiberias am See Genezareth 23 Grad, am Toten Meer 26 Grad, Eilat am Roten Meer 25 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere zweieinhalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei -213.815 m unter dem Meeresspiegel.

In der Nacht zum Shabbat kommt übrigens der Winter wieder zurück. Dann sollen die Temperaturen wieder nach unten gehen, im Norden und im Zentrum des Landes wird es wieder regnen und donnern, auf dem Hermon wird neuer Schneefall erwartet. Dieses Wochenende bleibt man also lieber zuhause, stärt uns überhaupt nicht.

Gestern Abend wurde in den Nachrichten ausführlich von dem tragischen Unfall berichtet, bei dem zwei junge Soldaten ums Leben kamen, nachdem ein arabischer Lastwagenfahrer in eine Kolonne von drei Jeeps der Armee hineingefahren war und einen der Jeeps regelrecht überrollt hatte. Der Fahrer ist weiter in Untersuchungshaft. Es wurde berichtete, dass er nicht weniger als 115 Verkehrsdelikte auf seinem Konto habe. Ein Serientäter also. Man geht allerdings weiter davon aus, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Die Jeeps sollen sehr langsam gefahren sein, da sie am Straßenrand halten wollten, wegen einer Panne bei einem der Fahrzeuge. Der Lastwagenfahrer hat das irgendwie nicht mitbekommen und ist weiter mit voller Geschwindigkeit in die Kolonne der Jeeps reingedonnert. Gestern sind die beiden Soldaten beerdigt worden.

Leider scheinen diese schrecklichen Unfälle uns nicht sonderlich abzuschrecken. In der vergangenen Nacht gab es zwei weitere Verkehrstote. Ein 40 Jahre alter Mann aus Rishon LeZion ist mit einem Laster zusammengestoßen, er war sofort tot. Bei Nazareth kam ein 18-jähriger Jugendlicher ums Leben nachdem sich sein Auto überschlagen hatte. Er hatte die Kontrolle verloren, wahrscheinlich ist er viel zu schnell gefahren. Ich kann das nicht verstehen. Wir sollten unser Leben viel mehr schätzen, als es so sinnlos zu gefährden.

Allein auf der Straße. Das Auto des 18-jährigen (Foto: Pressesprecher israelische Polizei)

Seit einiger Zeit gibt es eine Initiative der Behörde für die Sicherheit im Straßenverkehr mit dem Namen „Shomrey HaDerech“, übersetzt: „Die Hüter der Straße“. Ziel ist es, die Verkehrssünder auf frischer Tat zu ertappen und zu bestrafen. Dafür werden die Bürger gebraucht. Es wurde eine Applikation für das Handy entwickelt, die während der Fahrt mithilfe der Kamera des Handys das Geschehen auf der Straße aufnimmt. Dafür wird das Handy an der Windschutzscheibe angebracht. Wenn der Fahrer ein Verkehrsdelikt sieht, kann er später die Videoaufnahme mithilfe der Applikation direkt an die Polizei weiterleiten. Das läuft alles anonym ab. Die Verkehrssünder wissen nicht, wer sie gefilmt hat.

Hüter der Straße. Die App filmt die Verkehrssünder in Echtzeit.

Jeder Bürger kann sich als freiwilliger Helfer melden und mitmachen. Es gibt allerdings eine Bedingung: man darf keine Verkehrsdelikte haben und verpflichtet sich, selber immer den Vorschriften nach zu fahren. Die App misst auch die Geschwindigkeit des Autos, so dass es nicht gut wäre , einen anderen Verkehrssünder anzukreiden, wenn man selber zu schnell gefahren ist, als die Aufnahme entstand. Im Radio wird für diese Initiative geworben. Die Fahrer wissen also mittlerweile, dass ihre Verkehrsdelikte nicht unerkannt bleiben. Vielleicht ist gerade das Auto neben ihnen ein „Hüter der Straße“?

Auch ich habe nich als Straßenhüter beworben und wurde vor kurzer Zeit, nach Überprüfen meiner Vergangenheit im Straßenverkehr, angenommen. Jetzt muss ich mir nur noch einen passenden Halter für mein Handy besorgen. Ich kann Ihnen sagen, nur heute hätte ich schon mindestens zwei Fahrer melden können. Ich hoffe, dass wir Israelis lernen werden, unser Leben mehr zu schätzen, anstatt es tagtäglich von neuem auf der Straße zu riskieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen jetzt einen angenehmen und sicheren Donnerstag. Fahren Sie vorsichtigt und schauen Sie lieber dreimal in alle Richtungen, bevor Sie eine Straße überqueren. Es lohnt sich. Ganz sicher. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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Patrick Callahan

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