Israel hat sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, im Krieg nicht nur zu fragen, wie der Feind besiegt werden kann, sondern auch, wie viel Rücksicht dabei auf die Zivilbevölkerung des Feindes genommen werden muss. Angriffe wurden verschoben, Ziele nicht angegriffen, Zivilisten gewarnt und Soldaten zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Dahinter stand ein moralischer Anspruch, auf den Israel zu Recht stolz sein kann. Doch der 7. Oktober zwingt uns, eine unbequeme Frage zu stellen: Wann wird Rücksicht zur Schwäche und wann beginnt ein Staat, für seine Moral mit dem Leben der eigenen Bürger und Soldaten zu bezahlen? Genau deshalb hat mich der umstrittene Dokumentarfilm „NAZA“ beschäftigt. Nicht weil ich seine These teile, Israel habe im Gazastreifen praktisch jede Rücksicht auf palästinensische Zivilisten aufgegeben. Sondern weil er mich zur entgegengesetzten Frage führt: Hat Israel vielleicht viel zu lange zu viel Rücksicht genommen? Nicht nur militärisch, sondern als strategisches Konzept: Hamas eindämmen statt vernichten, Ruhe erkaufen statt Abschreckung durchsetzen, Risiken für uns selbst akzeptieren, um Eskalationen zu vermeiden.
Jeder...
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