Wir leben in einer Zeit, in der jeder alles sieht und trotzdem jeder etwas anderes sieht. Dieselben Bilder aus Gaza, dieselben Demonstrationen in Tel Aviv, dieselben Ereignisse in Judäa und Samaria, dieselben politischen Entscheidungen in Jerusalem – und dennoch entstehen daraus vollkommen unterschiedliche Wirklichkeiten. Für den einen ist ein Soldat ein Verteidiger, für den anderen ein Besatzer. Für den einen ist eine Demonstration Ausdruck lebendiger Demokratie, für den anderen eine Gefahr für den Staat. Für den einen ist eine militärische Operation notwendig, für den anderen unverhältnismäßig. Wir streiten deshalb längst nicht mehr nur darüber, was geschehen soll, sondern darüber, was wir überhaupt sehen.
Das ist vielleicht eines der größten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit. Wir besitzen mehr Bilder, Nachrichten und Informationen als jede Generation vor uns, aber nicht unbedingt einen klareren Blick. Algorithmen zeigen uns, was zu unseren Überzeugungen passt. Politik zeigt uns die Bilder, die ihre Botschaft bestätigen. Medien wählen Ausschnitte aus einer viel größeren Wirklichkeit. Und wir selbst sehen häufig genau das, was wir...
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