Als ich heute Morgen die Nachricht las, dass US-Präsident Donald Trump die angekündigten Angriffe auf den Iran kurzfristig abgesagt hat, war ich ehrlich gesagt nicht überrascht. Schon gestern Abend hatte ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse genau in diese Richtung entwickeln könnten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump einen militärischen Schlag öffentlich ankündigt – und ihn dann im letzten Moment wieder absagt. In den vergangenen Monaten war dieses Muster bereits mehrfach zu beobachten. Zunächst folgen scharfe Drohungen, anschließend wird ein möglicher Angriff öffentlich in Aussicht gestellt, und kurz bevor es ernst wird, eröffnet sich plötzlich doch wieder ein diplomatischer Weg.
Auch diesmal folgte auf die militärischen Drohungen überraschend die diplomatische Wende.
Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die Vereinigten Staaten hätten geplante Angriffe gegen den Iran ausgesetzt, nachdem bei den Gesprächen über eine mögliche Einigung Fortschritte erzielt worden seien. Nach seinen Angaben seien die „Grundzüge eines Abkommens“ vereinbart worden. Außerdem schrieb er, der Iran sowie weitere Staaten des Nahen Ostens hätten Washington gebeten, die Angriffe vorerst auszusetzen, um den Verhandlungen eine Chance zu geben.
“The U.S.A. is locked and loaded and ready to go against the Islamic Republic of Iran, at levels of Military Terror, Strength, and Power not seen since World War II. Despite this, we have just been asked by Iran, and other Middle Eastern Countries, to hold off any attack in that… pic.twitter.com/Ylmlm06j3E
— The White House (@WhiteHouse) August 2, 2026
Unabhängig bestätigt sind diese Aussagen bislang allerdings nicht. Weder aus Teheran noch aus Jerusalem gab es zunächst eine offizielle Bestätigung von Trumps Darstellung. Besonders aufmerksam verfolgt wird in Israel seine Aussage, auch Israel werde während der laufenden Gespräche auf weitere Angriffe verzichten. Eine entsprechende Erklärung der israelischen Regierung lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Nach außen sprach in den vergangenen Tagen vieles für eine weitere militärische Eskalation. Die Vereinigten Staaten setzten ihre Angriffe auf iranische Ziele fort, Trump drohte wiederholt mit neuen Schlägen, und auch in Israel wartete man gespannt auf seine Entscheidung. Trotzdem ließ mich das Gefühl nicht los, dass er sich die Möglichkeit einer diplomatischen Wende bis zuletzt offenhalten würde.
Ob die nun angekündigte Wende tatsächlich den Beginn eines neuen diplomatischen Prozesses markiert oder lediglich eine weitere Episode in Trumps Verhandlungsstil ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
Ich frage mich allerdings, ob genau dieses Wechselspiel Teil seiner Strategie ist.
Vielleicht war genau das von Anfang an Teil seines Kalküls. Wer einen möglichen Militärschlag öffentlich ankündigt, setzt den Gegner unter maximalen Druck – politisch, militärisch und psychologisch. Gleichzeitig hält er sich die Möglichkeit offen, im letzten Moment doch den diplomatischen Weg einzuschlagen. Sollte der Gegner darauf eingehen, kann er den Verhandlungserfolg als eigenen Erfolg verkaufen. Tut er es nicht, bleibt die militärische Option bestehen.
Ob das tatsächlich Trumps Strategie ist, wissen vermutlich nur wenige Menschen im Weißen Haus. Der Eindruck drängt sich jedoch auf, dass die öffentliche Ankündigung eines möglichen Militärschlags für ihn längst zu einem festen Bestandteil seiner Verhandlungstaktik geworden ist.
Noch ist völlig offen, ob aus Trumps Ankündigung tatsächlich eine Einigung entsteht oder ob die militärische Eskalation lediglich aufgeschoben wurde. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Iran zu echten Zugeständnissen bereit ist – oder ob Washington und Jerusalem schon bald wieder vor derselben Entscheidung stehen wie noch vor wenigen Stunden.
Eines hat Donald Trump jedenfalls erneut geschafft: Freund und Feind gleichermaßen im Ungewissen zu lassen. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke – oder zumindest die Strategie, mit der er seine Gegner immer wieder überrascht.




