Der scheidende kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat Israel vorgeworfen, sich in die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien eingemischt zu haben. Er behauptete – ohne öffentlich Beweise vorzulegen –, dass israelische Akteure hinter der angeblichen Manipulation der Wahlsoftware des Landes stünden.
Die Anschuldigung erfolgte, nachdem der rechtsgerichtete Kandidat Abelardo de la Espriella den Sieg in der Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt für sich beansprucht hatte, nachdem er den linken Senator Iván Cepeda, Petros bevorzugten Nachfolger, knapp besiegt hatte. Reuters berichtete, dass De la Espriella im Wahlkampf auf eine harte Sicherheitspolitik, eine stärkere Wirtschaft und eine engere Annäherung an US-Präsident Donald Trump gesetzt habe.
Petro behauptete in einem Beitrag auf X, dass bei Servern, die mit dem kolumbianischen Nationalregister verbunden seien, Änderungen der IP-Adressen festgestellt worden seien, und erklärte, dies zeige, dass das Wahlsystem kompromittiert worden sei. Anschließend stellte er die noch brisantere Behauptung auf: „Die einzige Instanz weltweit, die zu einer solchen Operation fähig ist“, sei der Staat Israel.
Bislang wurden noch keine unabhängigen Beweise veröffentlicht, die diese Behauptung untermauern.
Der Vorwurf ist die jüngste Eskalation in Petros langjähriger Konfrontation mit Jerusalem. Seine Regierung brach wegen des Krieges im Gazastreifen die Beziehungen zu Israel ab, und Petro hat sich wiederholt in scharfen Worten gegen den jüdischen Staat geäußert. Anfang dieses Monats zog er Kritik auf sich, nachdem er als Reaktion auf einen Kommentar, der De la Espriella unterstützte, den Satz „Heil Hitler“ gepostet hatte.
De la Espriellas Sieg markiert nach Petros linker Präsidentschaft einen scharfen Rechtsruck für Kolumbien. The Guardian beschrieb den designierten Präsidenten als einen rechtsextremen politischen Außenseiter, während Reuters berichtete, dass die Wähler seine Versprechen unterstützten, die Kriminalität zu bekämpfen und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar gratulierte De la Espriella und erklärte, Israel hoffe auf einen Wiederaufbau der Beziehungen zu Bogotá. Auch US-Außenminister Marco Rubio begrüßte das Ergebnis und signalisierte damit die Bereitschaft Washingtons, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten.
Petro hat eine vollständige Neuauszählung und eine Überprüfung der Wahlsoftware gefordert. Doch der Sprung von angeblichen technischen Unregelmäßigkeiten zu einer israelischen Verschwörung wirft offensichtliche Fragen auf.
Es ist eine Sache, das Wahlergebnis anzufechten.
Es ist jedoch etwas ganz anderes, Israel zum Sündenbock für jede politische Niederlage zu machen.




