Schawuot ist eines der drei Pilgerfeste der Bibel.
Ursprünglich war es ein alter landwirtschaftlicher Feiertag, das Ernte- und Erstlingsfest, eine Zeit, in der die ersten Früchte der Ernte als Zeichen der Dankbarkeit für den Überfluss zum Tempel gebracht wurden. Im Laufe der Jahre hat der Feiertag zusätzliche Bedeutungen angenommen: Nach traditionellen Berechnungen ist es auch der Tag, an dem die Tora am Berg Sinai überreicht wurde.
Während Schawuot lesen wir traditionell das Buch Ruth. Dies ist keine Geschichte über Könige oder große Wunder, sondern eine sehr menschliche Geschichte über zwei Frauen, die fast alles verloren haben. Das Buch Ruth beginnt mit einem Mangel – Hungersnot im Land, Vertreibung aus der Heimat, Tod, Verlust. Den beiden Frauen, Naomi und Ruth, bleibt fast nichts mehr.
Ohne Männer, die sie in der antiken Welt beschützen könnten.
Ohne nennenswerten Besitz und ohne klare Zukunft.
Naomi kehrt nach Bethlehem zurück und spricht einen sehr schweren Satz: „Ich bin voll ausgezogen, und der Herr hat mich leer zurückkehren lassen.“
Es ist ein sehr menschlicher Moment, ein Moment, in dem sie sich umschaut und kein Zeichen von Fülle sieht. Weder draußen noch drinnen. Doch genau aus dieser Leere heraus beginnt die Erlösung zu wachsen. Es geschieht langsam.
Ohne große Wunder.
Ohne ein Meer, das sich teilt.
Ohne Feuer vom Himmel.
Die Fülle im Buch Ruth kommt nicht auf einmal, sondern beginnt mit einem kleinen Schritt der Treue und der Entscheidung, nicht zu verzweifeln. Ruth, die Fremde, bringt weder Geld noch Kraft mit. Sie bringt ein offenes Herz mit und die Bereitschaft, weiterzumachen, auch wenn der Weg unklar ist. Sie geht hinaus, um auf dem Feld ein paar Ähren aufzulesen; und aus dieser kleinen, alltäglichen Handlung entsteht schließlich das gesamte Haus Davids. Vielleicht ist dies eine der tiefgründigen Einsichten von Schawuot.
Wahrer Wohlstand beginnt nicht immer mit Überfluss; manchmal beginnt er gerade aus der Leere heraus. Aus verbrannter Erde und aus einer Situation, in der wir fast nichts haben, worauf wir uns stützen können. Denn Fülle ist nicht nur das, was wir haben. Fülle ist die Fähigkeit, weiterzumachen, auch wenn wir das Ergebnis noch nicht sehen. Zu glauben, dass selbst aus einer Zeit des Verlusts neues Leben wachsen kann. Das Buch Ruth erinnert uns daran, dass Felder nicht an einem Tag geerntet werden. Genauso wenig wie die Seele. Manchmal reicht ein einziges Büschel Weizen.
Eine ausgestreckte Hand.
Eine kleine Entscheidung, sich nicht vom Leben abzuschotten.
Und von da an kehrt der Überfluss langsam und allmählich zurück. Ruth und Noomi hatten das Privileg, dies zu erleben.
Frohe Feiertage.





Welches Getreide wächst auf dem Feld im Foto? Sieht aus wie Dinkel. Oder doch Weizen? Kann jemand Auskunft über den durchschnittlichen Ertrag geben?
Wo finde ich mehr Information über Landwirtschaft in Israel?