Wer die Geschichte Israels studiert, entdeckt ein beunruhigend konstantes Muster: Immer wieder erheben sich Weltmächte mit absolutem Machtanspruch, und immer wieder stoßen sie an dasselbe kleine Volk, das sich totalitärer Ordnung widersetzt. Sie alle kamen mit dem Anspruch, Geschichte endgültig zu beherrschen. Und alle scheiterten an Israel. Nicht, weil Israel stärker gewesen wäre, sondern weil seine Existenz auf etwas gründet, das kein Imperium kontrollieren kann, auf Verheißung, nicht auf Gewalt. Auf einem Bund, nicht auf Macht. Das wirkt bis heute fort. Wer den Nahostkonflikt verstehen will, muss tiefer schauen als auf Schlagzeilen, Raketen und Frontlinien. Der Anteil der Juden an der Weltbevölkerung beträgt nur rund 0,2 Prozent. Und das erweckt immer wieder die Frage, warum so ein winziges Volk mehr Schlagzeilen macht als große Nationen. Zudem war das jüdische Volk im Laufe der Geschichte immer wieder ein Hindernis für Reiche und Imperien, die es besiegen oder aus der Welt tilgen wollten. Die göttliche Erwählung Israels war und ist bis heute wie ein Spiegel für die Menschheit, ein Spiegel, der Ungerechtigkeiten und moralische Mängel sichtbar macht, die man lieber bei sich...
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Israel ist als Stein des Anstoßes geschaffen, an dem viele zerschellen. An der Israelfrage zeigt sich auch, ob ein Christ wirklich gläubig ist und wie seine wahre Haltung zu Gott ist. Dazu hat das Bundesvolk Gottes aus meiner Sicht noch eine weitere wichtige Funktion, es ist nämlich der Protagonist der Heilsgeschichte.
Denn so wie ein Roman eine Hauptfigur als Träger der Handlung braucht, so braucht auch Gottes Heilsgeschichte ein Volk als Protagonist, an dem er seine Vorgehensweisen mit allen Völkern in einer Erzählung mit innerem Zusammenhang aufzeigen kann. Denn viele Handlungsweisen an Israel hat er auch an anderen Völkern angewandt, nur wurde das dann nicht mit Gottes Wissen dokumentiert, d.h. es sind hinterher keine Schriften aufgetaucht, die die Geschehnisse aus Gottes Sicht mit seinen Absichten und Hintergedanken bei seinen Entscheidungen nacherzählt hätten. (Siehe z.B. Amos 9,7: „Habe ich nicht Israel aus dem Lande Ägypten heraufgeführt, und die Philister aus Kaphtor und die Aramäer aus Kir?“)
Für uns heißt das, dass die Erlösung mit Israel sichtbar begonnen hat, d.h. dass Israel das erste Volk ist, dessen Schicksal gewendet wird, was wir inform der Sammlung der Juden in ihrem Land live beobachten können. Das war der Beginn der Wendung des Schicksals des Volks der Juden. Es hat also längst begonnen und im Moment vergeht kein Tag, an dem in den Nachrichten nicht irgendetwas passiert, was eine biblische oder islamische Prophezeiung erfüllt.
Leider lassen sich aber anhand der Propezeiungen der Bibel keine zukünftigen Ereignisse vorhersagen. Man kann nur umgekehrt den Geschehnissen, die bereits stattfinden, die entsprechenden Bibelverse zuordnen. Das reicht aber für den damit intendierten Zweck auch aus, denn zuletzt dient das alles uns Menschen zur Gotteserkenntnis, d.h. dass wir gläubig werden und wieder zu Gott umkehren. Denn wenn sich alles erfüllt hat, wird die Welt voll von Gotteserkenntnis sein, so wie das Meer mit Wasser voll ist. An den Juden kommen also viele Völker zum Glauben, denn um Israel drehen sie die meisten Verheißungen.