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Keine Zeit für Gott, Gäste sind wichtiger

Wer würde ein Treffen mit dem Schöpfer abbrechen, um sich um Fremde zu kümmern? Unser Vorvater Abraham.

Abraham sitzt vor seinem Zelt. Bild erstellt mit KI
Abraham sitzt vor seinem Zelt. Bild erstellt mit KI

Stellen Sie sich folgende Szene aus unserem Wochenabschnitt Wajera vor: Drei Tage zuvor hatte Abraham eine Beschneidung an sich und den männlichen Mitgliedern seines Haushalts vorgenommen. Er selbst war zu dieser Zeit 99 Jahre alt. Jetzt sitzt der alte, frisch operierte Mann, die Wunde war noch lange nicht verheilt, am Eingang seines Zeltes und die Sonne glüht mit voller Wucht. Aber Abraham hat ein prophetisches Erlebnis (der Herr erschien ihm) und das ist das Höchste, das ein Mensch erreichen kann – könnte man denken.

Die Bibel lehrt jedoch etwas anderes, denn „er erhob seine Augen und schaute, siehe, da standen drei Männer ihm gegenüber. Und als er sie sah, eilte er ihnen entgegen vom Eingang seines Zeltes, beugte sich zur Erde nieder“.

Abraham lud die drei Gäste in sein Zelt ein, machte ihnen ein Festmahl und brach somit seine private Audienz mit dem Schöpfer ab. Unglaublich, oder?! Wer würde ein Treffen mit dem Schöpfer abbrechen, um sich um Fremde zu kümmern?

 

Er hatte recht

Erstaunlicherweise lehrt uns der Talmud, dass Abraham mit seinem Handeln tatsächlich richtig lag, denn „Hachnassas orchim (Gäste willkommen heißen) ist größer als die Erfahrung der göttlichen Gegenwart”, heißt es dort.

Wie lässt sich die Aussage des Talmuds verstehen? Wenn einem der Schöpfer des Universums, die unendliche, allmächtige Quelle der Existenz, erscheinen würde, würde selbst ein Atheist sagen, man solle die Chance nutzen! Es gibt keine größere Erfahrung als die Begegnung mit dem Göttlichen. Wie kann also die Aufnahme von Gästen das übertreffen?

Die Antwort ist jedoch klar: Noch besser als mit Gott zu sprechen ist es, mehr zu sein wie Er. Der wirkungsvollste Weg, Gott zu verstehen und sich mit ihm zu verbinden, besteht darin, ihm ähnlich zu werden. „So wie Gott barmherzig und mitfühlend ist, so sollt auch ihr barmherzig und mitfühlend sein“ (Talmud Shabbat 133b).

 

Gutes tun

Wenn man die Liebe des Allmächtigen für einen Menschen verstehen möchte, muss man versuchen, wie Er zu werden, und eine der wesentlichen Möglichkeiten, ihn nachzuahmen, besteht darin, Gutes zu tun und andere Menschen zu lieben. Ein Geber zu werden ist wirklich der einzige Weg, um zu verstehen, wer Gott ist und worum es im Leben geht, denn Gott ist der ultimative Geber, der seine Schöpfung versorgt, ohne etwas im Gegenzug zu wollen.

Wenn man sich nicht durch die Verinnerlichung der Eigenschaften Gottes verändert, wird man Gott niemals vollständig verstehen können. Er wird immer eine Abstraktion bleiben. Ein Beispiel: Eines der Kriterien für die Ernennung eines Richters zum Sanhedrin, einem jüdischen Gericht, das über Todesurteile entscheiden kann, ist, dass der Kandidat Vater von Kindern sein muss.

Der Rambam erklärt, dass dies notwendig ist, „um sicherzustellen, dass er barmherzig sein wird“. Er mag der größte Torah-Gelehrte der Welt sein, aber wenn er keine Kinder hat, kann er nicht als Richter fungieren, weil er die Realität von Gottes Mitgefühl für Seine Kinder nicht vollständig begreifen kann. Er kann ein Prophet sein, der mit dem Allmächtigen kommuniziert, aber er kann nicht über Kapitalverbrechen urteilen. Um wirklich Mitgefühl zu haben, muss man Vater sein; ebenso muss man, um Gott zu verstehen, mehr wie Er werden.

Wichtig ist hier der jüdische Ansatz, dass es nicht nur der gute Gedanke ist, der einem zum guten Menschen macht, sondern die gute Tat. So wie ein angehender Richter im Sanhedrin sicherlich viel über Kinder weiß, wird er es erst richtig wissen, wenn er selbst Kinder hat. Das Erlebnis zählt, nicht der Gedanke, das Wissen, oder die Theorie.

Kein Bla Bla

Eine weitere interessante Lehre in diesem Zusammenhang ist ein Detail, das oft übersehen wird. Abraham sagt zu den drei Gästen, „Man soll ein wenig Wasser bringen, und wascht eure Füße; und lasst euch nieder unter dem Baum, so will ich einen Bissen Brot bringen“.

Tatsächlich geschah jedoch etwas ganz anderes: „Und Abraham eilte in das Zelt zu Sarah und sprach: Nimm rasch drei Maß Feinmehl, knete sie und backe Brotfladen! Abraham aber lief zu den Rindern und holte ein zartes und gutes Kalb und gab es dem Knecht; der eilte und bereitete es zu. Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor.“

Abraham tat viel mehr, als er versprochen hatte!

Wir alle kennen Leute, die viel reden, aber am Ende nicht viel tun. Abraham war das Gegenteil und die Weisen des Talmuds ermahnen auf Basis dieser Geschichte: „Emor me’at ve’aseh harbeh – sage wenig und tue viel”.

Reden ist billig. Vorübergehend mag es den Anschein erwecken, dass man etwas tut, aber letztendlich ist man nur ein Schwätzer, und jeder wird das erkennen. Das Zeichen dafür, dass jemand es ernst meint, Gutes zu tun, ist, dass er wenig redet und viel tut. Man sollte nicht prahlen. Man sollte nicht viel versprechen. Man sollte einfach tun, was zu tun ist.

In diesem Sinne wünscht die Redaktion von Israel Heute allen Lesern einen ruhigen Schabbat, der Tag, an dem man Gott nachahmt, indem man eine Pause einlegt.

Schabbat Schalom!

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Keine Zeit für Gott, Gäste sind wichtiger”

  1. Jürgen Dold sagt:

    In 1 Mose 18,2 wird von drei Männern gesprochen:
    „Und er erhob seine Augen und schaute, siehe, da standen drei Männer ihm gegenüber. Und als er sie sah, eilte er ihnen entgegen vom Eingang seines Zeltes, beugte sich zur Erde nieder..“
    ~
    Und gleich in Vers 3 erkennt Abraham, dass einer von diesen drei Männern der Herr höchstpersönlich ist:
    „..und sprach: Mein Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so geh doch nicht vorüber an deinem Knecht!“
    ~
    Dies wird vom Herrn bestätigt, als er in Vers 14 spricht:
    „Sollte denn dem Herrn etwas zu wunderbar sein? Zur bestimmten Zeit will ich wieder zu dir kommen im nächsten Jahr, und Sarah wird einen Sohn haben!“
    ~
    In 1 Mo 1,19 kommen nur noch zwei Engel in Sodom an, der dritte Mann (der Herr) ist nicht mehr dabei:
    „Und die zwei Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot aber saß in Sodom unter dem Tor; und als er sie sah, stand er auf, ging ihnen entgegen und verneigte sich, das Angesicht zur Erde gewandt..“
    ~
    Für mich sieht das sehr danach aus, dass Abraham in dieser Situation zuerst dem Vater in einer Erscheinung am Eingang des Zeltes begegnet und gleich darauf dem Sohn in Menschengestalt. Der Messias, kommt hier mit zwei Engeln zu Besuch bei Abraham. Da Vater, Sohn und Heiliger Geist zwar drei Personen, doch eins als Gott sind, wurde für Abraham aus meiner Sicht nicht das Gespräch mit Gott abgebrochen, sondern Gott hat nur seine Person für das weitere Gespräch gewechselt.
    ~
    Es scheint vielmehr, dass Martha -die Schwester von Maria, die 42 Generationen später als Abraham gelebt hat- nach dem Motto „Emor me’at ve’aseh harbeh – sage wenig und tue viel” unterwegs war, bis ihr an einem Tag der Kragen geplatzt ist, weil Maria einfach andere Prioritäten setzte die Gemeinschaft mit dem Sohn höher achtete, als die Küchenarbeit und Unterstützung für Martha
    ~
    Steigen wir in diese Szene ein (Luk 10.38-42):
    38 Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus.
    39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu.
    40 Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: HERR, fragst du nicht darnach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie es auch angreife!
    41 Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe;
    42 eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.
    ~
    Die Beschreibung „Keine Zeit für Gott, Gäste sind wichtiger“ passt daher aus meiner Sicht mehr auf Martha und weniger auf Abraham.
    Sicherlich, wenn Gäste kommen, muss die Organisation der Bewirtung auch stehen. Doch wenn Gott die höchste Priorität im Leben eines Menschen hat, werden auch die übrigen Dinge an ihren richtigen Platz zur richtigen Zeit gestellt und dem Herrn gebührt allem voran trotzdem die Ehre, die ihm alleine zusteht.

    Schabbat Shalom!

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