US-Vizepräsident J.D. Vance trat in Jerusalem ohne große Worte vor die Presse – sachlich, aber mit auffallend viel Hoffnung in der Stimme. Er sei „sehr optimistisch“, dass der von den USA vermittelte Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen halten könne. Was sich in den vergangenen Tagen gezeigt habe, gebe ihm „großen Grund zur Zuversicht“.
Der Waffenstillstand war nach erneuten Angriffen der Hamas auf israelische Soldaten und anschließenden Luftschlägen Israels erst am Vortag wieder in Kraft getreten. Doch Vance wollte nicht über Zweifel sprechen, sondern über die Chance, dass dieser fragile Moment der Beginn von etwas Größerem sein könnte. „Wenn wir es richtig machen“, sagte er, „kann das ein Dominoeffekt sein, der Frieden in die ganze Region bringt.“
Gleichzeitig dämpfte er Erwartungen. Niemand könne mit „hundertprozentiger Sicherheit“ versprechen, dass das Abkommen funktioniere. „Aber schwierige Dinge gelingen nicht, wenn man sie nur dann angeht, wenn alles sicher ist – sie gelingen, wenn man es trotzdem versucht“, sagte Vance. Er sprach von einem Prozess, der ständige Aufmerksamkeit, diplomatischen Druck und „permanente Anstrengung“ verlange.
We have made incredible progress in our efforts toward peace in the Middle East.
With the world’s prayers, God’s providence, and the excellent team President Trump has assembled, we will get the job done. pic.twitter.com/5s5sIABX0q
— JD Vance (@JDVance) October 21, 2025
Der Besuch war nach seinen Worten seit Monaten geplant und keine spontane Reaktion auf die jüngsten Ereignisse. Er wolle „sehen, wie die Dinge laufen“ und sich persönlich ein Bild vor Ort machen. Im Mittelpunkt stehe dabei vor allem eines: das Schicksal der Geiseln.
Die Vereinbarung mit der Hamas verpflichtet die Terrororganisation, alle Geiseln freizugeben – lebend wie tot. Hamas behauptet, keine lebenden Geiseln mehr zu halten, hat aber mehrere Leichname noch nicht übergeben. „Wir sprechen von Menschen, die unter tausenden Tonnen Beton begraben liegen“, sagte Vance. Ihre Familien hätten ein Recht auf Gewissheit und eine würdige Beerdigung.
Auch die Entwaffnung der Hamas ist Teil des Abkommens, doch Vance vermied es bewusst, einen Zeitplan zu nennen. Zu unvorhersehbar sei die Lage: In einem Teil des Gazastreifens sei es verhältnismäßig ruhig, nur wenige Kilometer weiter hochgefährlich. Um von einem dauerhaften Frieden sprechen zu können, müsse sich die sichere Zone Schritt für Schritt ausweiten. Eine internationale Sicherheitskraft solle dabei helfen – existiere aber bisher nur in der Planung.
Klar machte der Vizepräsident: Amerikanische Soldaten werden nicht am Boden in Gaza eingesetzt. „Was wir tun können, ist koordinieren, vermitteln, unterstützen.“ Israel werde am Ende entscheiden, welche internationalen Kräfte beteiligt sind. Auch zur Rolle der Türkei äußerte sich Vance zurückhaltend: Trotz israelischer Vorbehalte könne Ankara „eine konstruktive Rolle spielen“ – wenn Israel dem zustimme.
Wie Gaza nach dem Krieg regiert wird, bleibt offen. Vance sprach von einer „flexiblen Struktur“, die erst entstehen könne, wenn Sicherheit gewährleistet sei. „Jetzt geht es nicht darum, perfekte Pläne vorzulegen, sondern darum, einen Anfang zu machen.“
Zum Schluss sprach Vance über die Haltung der Beteiligten: Niemand könne auf diesen Konflikt zurückblicken, ohne Schmerz oder Widerspruch zu empfinden. „Aber der einzige Weg zum Frieden ist, nach vorn zu schauen. Und ich erlebe hier viele Menschen, die genau dazu bereit sind.“




