(JNS) Die mit den Vereinten Nationen verbundene Integrated Food Security Phase Classification (IPC) veröffentlichte am 22. August einen Bericht, in dem behauptet wurde, dass Gaza-Stadt seit der zweiten Julihälfte von einer Hungersnot erfasst sei – eine Behauptung, die seitdem von den Medien und politischen Kommentatoren nachgeplappert wurde. Fast sofort jedoch stellten diejenigen, die die tatsächlichen Daten prüften, gravierende Fehler fest – so sehr, dass das IPC am darauffolgenden Mittwochmorgen eine Klarstellung veröffentlichen musste. Ein Fehler war besonders offensichtlich: Die Daten zur Mangelernährungsrate, eines der drei Kriterien, die das IPC zur Erklärung einer Hungersnot heranzieht, waren falsch.
Um eine Hungersnot auszurufen, muss die Mangelernährungsrate normalerweise über 30 % liegen oder über 15 %, wenn Hilfsorganisationen den Oberarmumfang anstelle der Gewichts-für-Größe-Messung verwenden – wie dies in Gaza seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 geschieht. Im August behauptete das IPC, die Mangelernährungsrate sei von etwas mehr als 10 % in der ersten Julihälfte auf über 16 % in der zweiten Julihälfte in Gaza-Stadt hochgeschnellt. Der Bericht präsentierte dazu ein Diagramm, das auf Datentabellen beruhte.
Es gab zwei große Probleme. Erstens enthielten die Tabellen weniger als die Hälfte der Daten für Juli, die von Hilfsorganisationen – wie am 8. August öffentlich berichtet – bereitgestellt worden waren. Zweitens berechnete das IPC den Durchschnitt der Mangelernährungsrate für die erste Julihälfte auf Grundlage der unvollständigen Daten falsch. Mit diesen unvollständigen Daten hätte die Mangelernährungsrate für die erste Monatshälfte bei 16,7 % gelegen, wodurch sie in der zweiten Monatshälfte gesunken wäre – und nicht hochgeschnellt, wie das IPC behauptete. Die Analyse der Mangelernährung deutete bestenfalls darauf hin, dass das IPC äußerst schlampig gearbeitet hatte.
Um die Fehler auszubügeln, veröffentlichte das IPC am 30. August einen Nachtrag. Und genau dieser Nachtrag deutet darauf hin, dass das IPC absichtlich Daten erfunden hat, um seine Behauptungen zu stützen.
Das IPC stützt sich auf Daten, die vom Nutrition Cluster gesammelt werden, der die zahlreichen Hilfsorganisationen koordiniert, die vor Ort in Gaza Mangelernährungs-Screenings durchführen. Im Juli hatten sieben Hilfsorganisationen in Gaza-Stadt auf Mangelernährung getestet. Der Bericht vom 8. August veröffentlichte die Datensätze jeder dieser Organisationen mit Namen der Organisation, Ort und Datum der Untersuchungen, der Anzahl der untersuchten Kinder sowie der Mangelernährungsraten. Das IPC nahm diese Angaben auch in seinen ursprünglichen Bericht vom 22. August auf.
Der Nachtrag jedoch ignorierte die Daten vollständig und erfand neue, indem er die Ergebnisse aller sieben Organisationen in zwei Gruppen teilte – erste und zweite Julihälfte. Dabei ordnete er die Daten von zwei Organisationen – Juzoor und MDM-France – der ersten Julihälfte falsch zu. Durch diese Manipulation konnte das IPC näher an die Werte von rund 10 % und über 16 % herankommen, die es im Diagramm vom 22. August gezeigt hatte. Werden die Daten aber korrekt eingeordnet, ergeben sich Mangelernährungsraten von 12,3 % für die erste und 13,2 % für die zweite Julihälfte – beide unterhalb der Hungersnot-Schwelle.
Darüber hinaus verrechnete sich das IPC erneut. Die Raten, die der Nachtrag für die jeweilige Monatshälfte angab, ergaben zusammen nicht die Mangelernährungsrate, die der Nutrition Cluster für den ganzen Monat ausgewiesen hatte. Das lässt es so aussehen, als habe das IPC versucht, die bereits am 22. August präsentierten Daten nachträglich passend zu machen – und dabei alles nur noch mehr durcheinandergebracht.
Für das IPC war es entscheidend, die Rate über 15 % zu treiben, da es eines der drei Kriterien zur Ausrufung einer Hungersnot bereits beiseitegelegt hatte: die Sterberate aufgrund von Auszehrung. Da die Sterberate in Gaza bei Weitem nicht an dieser Schwelle liegt, die für die Erklärung einer Hungersnot erforderlich ist, und da das IPC befürchtete, dies könne die Hilfe verlangsamen, senkte es seine Standards im Bericht vom 22. August. Es erklärte, es gebe „plausible“ statt „solider“ Beweise für eine Hungersnot, da zwei der drei Kriterien – Mangelernährungsrate und Ernährungsunsicherheit – erfüllt seien.
Ohne das Hochdrücken der Mangelernährungsrate über 15 % jedoch hatte das IPC keinerlei Grundlage für die Erklärung einer Hungersnot in Gaza.
Als ich die Autoren dieses Berichts und die Vereinten Nationen kontaktierte, reagierten sie zunächst prompt auf meine Anfragen und schickten mir freundlich Links zum Nachtrag. Doch als sie mit den Fehlern im Nachtrag konfrontiert wurden, herrschte Schweigen.
Das ist äußerst bedauerlich, denn die sorgfältige Überwachung der Mangelernährung ist in Gaza von entscheidender Bedeutung. Schon vor dem Krieg lag die Mangelernährungsrate in Gaza bei 4 %, und Hilfsorganisationen haben es bemerkenswerterweise geschafft, diese Rate während des größten Teils des Krieges bei etwa 5 % zu halten. Aber dazu brauchen sie verlässliche Daten, um den Schwächsten zu helfen. Stattdessen hat das IPC durch die grobe Verfälschung der Daten seine eigene Glaubwürdigkeit beschädigt und seine Fähigkeit, seine entscheidende Mission zu erfüllen, kompromittiert.




