(JNS) „Wenn er seine Uniform anzieht, ziehe ich mein Superheldinnen-Kostüm an und verwandle mich in einen Oktopus mit vielen Armen“, erzählt Chaya, deren Mann Reservist bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) ist, im Gespräch mit JNS.
Ihr Mann dient in der 9. Brigade, auch bekannt als die Oded-Brigade – eine angesehene Infanterieeinheit, die aus Reservisten besteht, die während ihres Wehrdienstes in der Golani-Brigade waren.
Seit dem 7. Oktober 2023 gehört die Brigade konstant zu den Einheiten mit den meisten Reservistentagen. Ihr Hauptfokus liegt an der Nordfront. Auf dem Höhepunkt des Konflikts kämpfte die 9. Brigade mehrere Wochen lang im Libanon.
Chayas Mann war eigentlich für ein Jahr vom Reservistendienst befreit, nachdem er verletzt worden war. Doch mit dem Beginn des Gaza-Krieges, ausgelöst durch das Hamas-Massaker vom 7. Oktober, meldete er sich freiwillig zurück zum Dienst – diesmal in einer logistischen Funktion innerhalb der Kampfeinheit. „Anfangs dachten wir, er hilft nur kurz aus, aber er ist immer noch im Einsatz“, sagt Chaya.
Mit dem Ausbruch des aktuellen Kriegs gegen den Iran wurde ihm mitgeteilt, dass seine Dienstzeit um 40 Tage verlängert werde. Ihr neunjähriges Kind leidet an STXBP1-Enzephalopathie, einer seltenen genetisch bedingten neurologischen Störung.
„Zu Beginn des Gaza-Krieges konnte ich ihn noch heben und baden. Jetzt ist er zu groß. Was soll ich tun? Eine fremde Person bei uns einziehen lassen, die mir hilft, mein Kind zu versorgen?“
„Nur Frauen, die das Gleiche durchmachen, verstehen wirklich, was wir erleben“, sagt sie.
Einige Mitglieder der Brigade gründeten die Organisation „Oded Spirit“, die Soldaten und ihre Familien ganzjährig unterstützt. Die Programme reichen von psychologischer und emotionaler Begleitung über Hilfen für trauernde Familien bis hin zu Stipendien.
„Wenn wir anfangen, die Bedürfnisse der Familien zu verstehen, können wir sie gezielt unterstützen – sei es bei ihrem Geschäft oder durch Online-Lehrer, die den Kindern bei den Hausaufgaben helfen“, so Chaya.
Noa aus Yavne, deren Mann seit 2023 insgesamt 340 Tage in der 9. Brigade gedient hat, berichtet JNS, dass ihr jüngstes Kind – aktuell in der ersten Klasse – noch immer weder lesen noch schreiben könne.
„Egal, wie oft ich mit dem Lehrpersonal spreche – es gibt keine Fortschritte“, sagt sie.
Trotz des Stolzes auf ihren Mann, der das Land verteidigt, beschreibt Noa die Belastung, die das Leben als Ehefrau eines Reservisten mit sich bringt:
„Ich habe mental keine Zeit zur Erholung. Meine Kinder brauchen mich. Meine religiösen Freundinnen haben ihre Gemeinschaften um sich herum – hier in der Stadt sind wir ziemlich allein.“
„Ich arbeite freiberuflich im Bereich Grafikdesign und Webseitengestaltung. Seit Kriegsbeginn habe ich keinen einzigen Auftrag mehr angenommen. Für kreative Arbeit brauche ich Raum zum Denken. Alles, was die Einheit meines Mannes von mir wollte, habe ich erledigt. Aber ich habe seit dem 7. Oktober kein eigenes Geld mehr verdient“, berichtet sie.
„Es interessiert niemanden, dass mein Geschäft stillsteht. Es gibt keinerlei Entschädigung“, fügt sie hinzu.
Am schwersten sei, so Noa, dass die Kinder sich an die Abwesenheit ihres Vaters gewöhnt hätten. „Sie haben nun zwei Jahre ohne seine Präsenz hinter sich. Sie sind stolz auf ihn, verstehen aber nicht, warum ihr Papa dient – und andere Väter nicht.“
„Ich habe ihn gefragt: ‚Warum gehst du?‘ Er sagte: ‚Das ist ein Krieg, den ich nicht unseren Kindern überlassen will. Ich will ihn jetzt beenden, selbst wenn ich dabei verletzt werde, damit unser Sohn das nicht später machen muss.‘ Und offenbar denken alle Soldaten in seiner Einheit genauso“, sagt sie.
„Das ist eine einmalige Chance. Die IDF hat die Hisbollah ausgeschaltet. Hoffentlich wird unser Sohn Yanai, wenn er eingezogen wird, nicht mehr im Libanon kämpfen müssen“, fügt sie hinzu.
Michal, 33, ist Mutter von vier Kindern, das jüngste kam während des Krieges zur Welt. Ihr Mann ist derzeit zum vierten Mal als Reservist bei der 9. Brigade im Einsatz.
Gegenüber JNS betont sie, wie wichtig es sei, als Angehörige eines Reservisten staatlich anerkannt zu werden. „Wir sind praktisch unsichtbar, obwohl wir direkt betroffen sind – und das schmerzt“, sagt sie.
Michal arbeitet als pädagogische Beraterin an einer Schule in Gevaot in Gusch Etzion (Judäa). Die Doppelbelastung durch Beruf und Kinderbetreuung sei enorm.
„Wenn das alles vorbei ist, müssen wir unseren Alltag komplett neu aufbauen“, erklärt sie.
Lange Zeit sah Michal ihren Mann nur bei Beerdigungen.
„Unser Nachbar Yossi Hershkovitz wurde getötet. Die Trauerfeier war im Garten. Ich habe meinen Mann dort gesehen – danach musste er wieder zurück zur Basis.“
„Der Ehemann unserer Nichte wurde ermordet. Wieder trafen wir uns nur bei der Beerdigung. All diesen Schmerz zu verarbeiten und gleichzeitig eine starke Mutter zu sein – das ist eine unmenschliche Herausforderung“, sagt Michal.
„Wir leben in einer Gegend, in der es zu Beginn des Krieges kaum Schutzräume gab. Ich musste nicht nur meine Kinder versorgen, sondern auch für ihre Sicherheit sorgen – bei völliger Unsicherheit.“
Doch die Frauen können durch die Oded-Spirit-Gemeinschaft Unterstützung und Verständnis erfahren.
„Wir haben eine Gemeinschaft, die uns gehört. Wenn jemand eingezogen wird, stehen wir alle zusammen. Wenn etwas passiert, helfen wir einander“, sagt Chaya.
„Eine aus der Gruppe hatte Corona. Ihr Baby war krank, sie hatte bald eine Prüfung und konnte nicht für Schabbat kochen. Dank der Gemeinschaft konnten wir ihr helfen – mit Essen, mit Vorbereitungen. Ohne die Gruppe wäre das unmöglich gewesen“, erzählt sie.




