Der Verlust staatlicher Funktionsfähigkeit im Gazastreifen, zunehmende Isolation in Judäa und Samaria und der wachsende Druck regionaler Regierungen, insbesondere im Libanon, lassen ein geopolitisches Machtvakuum entstehen. Gleichzeitig vollzieht sich in der arabischen Welt eine vorsichtige Verschiebung: Während einige Regierungen, wie in Beirut, klarere Grenzen für palästinensische Bewaffnung und Terror ziehen, halten sich andere auffällig zurück – was auf eine nachlassende Bereitschaft hindeutet, den bewaffneten Arm der Hamas politisch oder logistisch zu stützen. Auch die internationale Bühne reagiert zunehmend skeptisch auf die Taktik der Hamas, humanitäre Hilfe zu instrumentalisieren und Geiseln als politisches Faustpfand einzusetzen. Die Terrorgruppe ist an ihrem Tiefpunkt, und selbst die eigene Bevölkerung murrt im Gazastreifen. Inwiefern wird die Hamas tatsächlich kapitulieren und Israels 58 übrige Geiseln freilassen?
Die arabische Tageszeitung Asharq Al-Awsat berichtete, dass „sich die Hamas derzeit in einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte befinde – möglicherweise der schwersten seit ihrer Gründung im Jahr 1987“. Quellen innerhalb der Organisation erklärten, die massive israelische Reaktion auf den Angriff vom 7. Oktober und die hohen Verluste für den Gazastreifen hätten die Hamas in eine umfassende Systemkrise gestürzt: wirtschaftlich, administrativ, politisch und innerorganisatorisch.
Lokale Quellen im Gazastreifen berichten, die Hamas sei nicht in der Lage, Gehälter an ihre Mitarbeiter zu zahlen. In den vergangenen vier Monaten sei den Angestellten des zivilen Apparats lediglich ein einziges Gehalt ausgezahlt worden – in Höhe von etwa 900 Schekel –, was zu erheblichem öffentlichen Unmut geführt habe. Haushaltsmittel für Ministerien und Versorgungsdienste seien fast vollständig eingefroren, viele Notfallkomitees arbeiteten nicht mehr. Auch der sogenannte militärische Arm der Hamas, die Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden, zahle seit mindestens drei Monaten keine Löhne mehr an ihre Kämpfer und sei nicht in der Lage, Ausrüstung zu beschaffen.
Familien von Getöteten, Verletzten und Vermissten, die traditionell finanzielle Unterstützung von der Hamas erhielten, bekämen aktuell keinerlei Hilfe. Laut denselben Quellen herrsche innerhalb der Regierungsstrukturen der Hamas ein völliges Machtvakuum. Versuche, die lokalen Regierungsbehörden im Gazastreifen neu zu organisieren, würden durch gezielte Angriffe der israelischen Armee systematisch vereitelt. Abgesehen von einem weitgehend geschwächten militärischen Führungsapparat – insbesondere im Norden und Süden des Streifens – funktioniere die Organisation kaum noch als Regierungsinstanz.

Aber in Israel befürchtet man, dass die Hamas nicht auf alle israelischen Trumpfkarten verzichten wird – also nicht alle Geiseln freilassen wird. „Die Hamas wird nicht alle Entführten auf einmal zurückbringen. Sie wird ein Spiel spielen, aber sie wird immer einige Entführte in ihrer Hand behalten“, sagte gestern ein hochrangiger Armeeoffizier gegenüber dem Sicherheitsexperten und Journalisten Yossi Yehoshua. „Was die Hamas zur Entscheidung bringt, ist Israels militärischer Druck – und dieser hat bisher alle übrigen israelischen Geiseln zurückgebracht.“
Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen die Hamas entweder breite öffentliche Unterstützung oder zumindest eine abschreckende Kontrolle gegenüber Kritik genoss, ist nun der öffentliche Zorn offen wie nie. Palästinenser würden Hamas-Terroristen nicht nur verbal, sondern teils auch körperlich angreifen – ein Phänomen, das es seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 nicht gegeben habe.
Auch im biblischen Kernland Judäa und Samaria befindet sich die Hamas laut israelischen Sicherheitskreisen in einer schweren Krise. Weitreichende Verhaftungen durch israelische Streitkräfte und durch die Palästinensische Autonomiebehörde hätten bewaffnete Terrorzellen zerschlagen, Finanzquellen ausgetrocknet und zu einem operativen Stillstand geführt. In der Bevölkerung wächst die Sorge, dass Israel das militärische Modell aus dem Gazastreifen auf Gebiete in Judäa und Samaria übertragen könnte – insbesondere in Dschenin und Tulkarem –, was die Distanz zur Hamas weiter vergrößert.
Auch im Libanon, wo die Hamas in den letzten Jahren relativ frei agieren konnte, sei der Einfluss der Organisation seit der Waffenruhe im November stark geschwächt. Die neue libanesische Regierung strebe eine Einschränkung der Aktivitäten bewaffneter palästinensischer Terrorgruppen an und sende der Hamas klare Botschaften, dass keine terroristischen Operationen von libanesischem Boden mehr geduldet werden.
Parallel dazu verschärft sich die humanitäre Krise im Gazastreifen weiter. Die geplante neue US-Hilfslieferung, die heute starten sollte, wurde verschoben – aus logistischen Gründen aufseiten des verantwortlichen US-Unternehmens. Bis auf Weiteres werde die Verteilung der Hilfsgüter auf bisherige Weise fortgeführt, begleitet von großer Sorge, dass sich die Hamas der Lieferungen bemächtigt.

Diese Sorge scheint durch neue Berichte bestätigt: Hamas-Terroristen hätten vorgestern Nacht am Übergang Kerem Schalom Hilfstransporte gestoppt, deren Ladung geraubt und bewusst nur einen LKW zurückgelassen, um eine filmreife Massenpanik zu erzeugen. Laut palästinensischen Quellen seien die meisten Laster im Raum Khan Yunis geplündert worden.
Diese Aktionen fügten sich ein in eine gezielte Propagandakampagne der Hamas in den vergangenen Wochen. Ziel sei es, internationalen Druck auf Israel zur Beendigung der Kämpfe auszuüben – ohne die zentrale Bedingung Israels zu erfüllen: die Freilassung der Geiseln. Teil der Kampagne sei die öffentliche Beschuldigung Israels, die Bevölkerung Gazas systematisch auszuhungern, während bewaffnete Hamas-Anhänger gewaltsam Hilfsgüter rauben.
Nach Einschätzung interner Hamas-Quellen könnte die Organisation nach Ende der Kampfhandlungen wiederaufgebaut werden. Doch der Weg dahin werde lang, schleppend und vollständig abhängig von politischen und regionalen Faktoren sein, die derzeit völlig ungewiss sind. Israel muss ein für alle Mal die Hamas vernichten – unter anderem, um allen anderen Feinden zu zeigen, dass es sich nicht lohnt, Israel anzugreifen. Und dazwischen muss Israel mit Taktik und Weisheit seine Geschwister aus der Gefangenschaft befreien.





Der Vergleich zu den Orks ist nicht an den Haaren herbeigezogen, wenn man das Bild betrachtet…