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Die Behauptung, Israel könne „jederzeit zum Philadelphi-Korridor zurückkehren“, ist haltlos

Israel hat bisher 150 Terror-Schmuggeltunnel versiegelt; auf Ägypten kann man sich nicht verlassen, um neuen Schmuggel zu verhindern, sagen Beobachter gegenüber JNS.

Philadelphi
Ein drei Meter hoher Tunnel, der am 4. August 2024 von der IDF im Philadelphi-Korridor entdeckt wurde. Foto: IDF.

In den letzten Tagen hat sich herausgestellt, dass die israelischen Streitkräfte bisher 150 Schmuggeltunnel unter der Philadelphi-Route im Sektor Rafah im Gazastreifen aufgedeckt und versiegelt haben, und die Frage, wer dieses kritische Gebiet kontrollieren wird, ist zu einem zentralen Knackpunkt bei den Geiselverhandlungen mit der Hamas in Kairo geworden.

Das Ausmaß des aufgedeckten Tunnelnetzes stellt einen bedeutenden Erfolg bei der Terrorismusbekämpfung dar und verdeutlicht gleichzeitig, warum Israel mit einem Rückzug aus diesem strategischen Korridor vorsichtig sein sollte, so Beobachter in Israel gegenüber JNS.

Laut Brigadegeneral a.D. Yossi Kuperwasser, ehemaliger Leiter der Forschungs- und Bewertungsabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes und leitender Wissenschaftler am Misgav-Institut für nationale Sicherheit und zionistische Strategie, würde ein Rückzug Israels zu einem Wiederaufleben des Waffenschmuggels von Ägypten nach Gaza führen.

„Die Tatsache, dass es so viele Tunnel unter dem Korridor gibt, macht deutlich, dass der Waffenschmuggel von Ägypten nach Gaza wieder zunehmen wird“, erklärte er. „Warum beharrt die Hamas so sehr auf diesem Korridor, wenn nichts passieren soll?“

Kuperwasser wies auch darauf hin, es habe sich als unrealistische Hoffnung erwiesen, dass Ägypten diese Schmuggelaktivitäten verhindern kann.

„Es ist offensichtlich, dass Israel sich nicht auf die Ägypter verlassen kann. Sie haben versprochen und angeblich gehandelt, um diese Schmuggelaktivitäten zu verhindern, aber in der Praxis sieht man die riesigen Mengen an Waffen, die die Hamas hat. Warum sollte sich das ändern?“

Siehe: Tacheles mit Aviel – Philadelphi-Grenzkorridor oder Geiseln?

Kuperwasser argumentierte, das ägyptische Interesse bleibe dasselbe – zu vermeiden, dass es als Gegner des „palästinensischen Widerstands“ wahrgenommen wird.

„Sie können es sich nicht leisten, diesen Schmuggel wirklich zu bekämpfen“, erklärte er. Solange die palästinensischen Schmuggelaktivitäten andauerten, bleibe Israel von Ägypten abhängig, und diese Abhängigkeit könne von Kairo ausgenutzt werden.

„Solange die Palästinenser Israel angreifen, braucht Israel die Ägypter mehr“, bemerkte er. „Es gibt offenbar auch den Aspekt der Leute, die mit dieser Aktivität Geld verdient haben“, fügte Kuperwasser hinzu. „Eine Menge Geld ist im Spiel.“

Kuperwasser warnte auch vor der Vorstellung, ausländische oder palästinensische Kräfte könnten künftige Schmuggeloperationen wirksam verhindern.

„Wir haben all diese Tricks bereits ausprobiert; sie haben nie funktioniert“, erklärte er und betonte, der Waffenfluss nach Gaza werde wiederaufgenommen, sobald Israel sich aus dem Philadelphi-Korridor zurückzieht. „In einem künftigen Abkommen wird es keine Klausel geben, in der sich die Hamas verpflichtet, keine Waffen aus Ägypten zu schmuggeln. Wir hingegen werden durch eine ausdrückliche Klausel in dem Abkommen daran gehindert werden“, fügte er hinzu.

Kuperwasser betonte, eine israelische Rückkehr in den Korridor sei nach einem Abzug aufgrund des politischen Drucks nahezu unmöglich.

„Es wird immer politische Bedingungen geben, die uns an einer Rückkehr hindern werden. Israel wird vielleicht zurückkehren wollen, aber es wird nicht können. Es wird amerikanischen Druck geben. Die Ägypter werden sagen, auf keinen Fall. Die Iraner werden drohen, uns anzugreifen, wenn wir zurückkehren“, sagte er.

Daher, so Kuperwasser, sei die israelische Militärpräsenz entlang des Philadelphi-Korridors unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Hamas und andere Terrororganisationen in Gaza nicht in der Lage sind, ihre massive Terrorinfrastruktur in Gaza wieder aufzubauen.

Er betonte, dass Israel eine unterirdische Gegentunnelsperre ähnlich der an der Grenze zwischen Israel und Gaza errichten und eine militärische Präsenz in dem Gebiet aufrechterhalten müsse, um deren Wirksamkeit zu gewährleisten.

Professor Kobi Michael, leitender Wissenschaftler am Institut für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv und am Misgav-Institut für nationale Sicherheit und zionistische Strategie, betonte, dass die Kontrolle über den Korridor gleichbedeutend mit der Kontrolle über den Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ist.

„Der Grenzübergang Rafah diente als Hauptplattform für den Waffenschmuggel in den Gazastreifen, und Ägypten hat dabei ein Auge zugedrückt“, erklärte er.

Den Korridor und den Grenzübergang aufzugeben, bevor für Israel transparente Überwachungs- und Kontrollmechanismen eingerichtet sind, bedeutet, die Kontrolle über den Korridor und den Grenzübergang in Zukunft zu verlieren, warnte er.

Diese Kontrolle könne durch die Schaffung einer militärischen Präsenz am Rafah-Übergang oder durch den Aufbau eines sorgfältigen Sensor- und Überwachungssystems, das Israel zugänglich ist und ihm operative Bewegungsfreiheit ermöglicht, erreicht werden, argumentierte Michael.

Auch die von israelischen Verteidigungsvertretern häufig geäußerte Ansicht, Israel könne bei Bedarf leicht in den Korridor zurückkehren, wies Michael als haltlos zurück. Er verwies auf die Erfahrungen nach dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005: „Wir konnten es nach dem Rückzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 nicht tun, und wir werden es auch nach dem Rückzug von dort nicht tun können – oder es wird zumindest sehr schwierig sein“, erklärte er.

„Israel würde sich erheblichem internationalen und amerikanischen Druck sowie ägyptischem Druck ausgesetzt sehen, einschließlich der Drohung, das Friedensabkommen zu kündigen.

Michael betonte, Israel müsse sich mit den Vereinigten Staaten und Ägypten über die direkte israelische Kontrolle über den Philadelphi-Korridor und den Rafah-Übergang verständigen, bis eine Sperre ähnlich der an der Grenze zum Gazastreifen fertiggestellt sei und der Rafah-Übergang von einem palästinensischen Element betrieben werde, das „nicht der Hamas“ angehöre und unter „internationaler Aufsicht steht, die für Israel völlig transparent ist.“

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Patrick Callahan

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