„Und ihr sollt im ganzen Lande eurer Besitzung die Wiedereinlösung des Landes zulassen – וּבְכֹל אֶרֶץ אֲחֻזַּתְכֶם גְּאֻלָּה תִּתְּנוּ לָאָרֶץ“. Mit diesem Vers aus der Wochenlesung möchte ich mich an diesem Schabbat befassen. „Und der HERR redete zu Mose auf dem Berge Sinai und…“ Hier geht es um mehr als Mathematik oder ein privates Immobiliengeschäft, hier geht es um die Erlösung des Landes Israel. Die zionistische Idee von der biblischen Erlösung des von Gott verheißenen Landes fundiert auf diesem kleinen Satz.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Der biblische Abschnitt beschreibt, wie jemand, der sein Grundstück verkauft, dieses Land vom Käufer auslösen kann. Der Gesamtpreis für das verkaufte Land wird durch die Zahl der Jahre zwischen Kauf und dem nächsten Jubeljahr (50 Jahre) geteilt. Denn dann wird das Land selbstverständlich dem Ureigentümer zurückgegeben (auch: Erlassjahr; siehe 3.Mose 25,13). Preise werden pro Jahr festgelegt, damit der ehemalige Eigentümer dem Käufer die Summe zurückbezahlen kann. Eine Person, die ihr Vermögen verloren hat und deshalb ihr Land verkauft hat, fordert die Verwandten auf, das Eigentum ihrer Vorfahren zu lösen und es der Familie zurückzugeben. Und wenn die Person keinen Verwandten hat, der sein Land zurückkaufen kann, wird ihr befohlen, sich anzustrengen und sich finanziell zu bemühen, um das Land selbst zurückzukaufen. Und wenn die Person keine Verwandten hat und auch kein Geld, bleibt das Grundstück bis zum Jubiläumsjahr im Besitz des Käufers und soll dann an seinen ursprünglichen Eigentümer zurückgehen. Hört sich mathematisch an, aber da steht mehr dahinter als nur ein privates Immobiliengeschäft. Diese Verse sollen nicht nur als ein privates Gebot gelehrt werden, sondern in erster Linie als nationales Gebot für das Land Israel.
Das Land Israel wurde von fremden Völkern eingenommen und ruft uns dazu auf, das Land zu erlösen und seine Freilassung zu fordern. Jeder Generation wird befohlen, das biblische Land, das Gott seinem Volk verheißen hat, von Fremden zu erlösen. Wie sagte der Prophet Jeremia zur künftigen Rückkehr aus der Gefangenschaft und Erneuerung Israels: „Denn ich will dir Genesung bringen und dich von deinen Wunden heilen, spricht der HERR, weil sie dich eine Verstoßene nennen und sagen: Das ist Zion, nach der niemand fragt!“ (Jeremia 30,17) Dies war viele Jahrhunderte lang der Fall, als das jüdische Volk Israel im Exil war oder wie es andere nennen, im Nationalschlaf lag und nichts unternahm, um das Land zu erlösen. Bis Israel aufwachte und auferstanden sind. Mit der Wiedergeburt Israels wurde auch das Land erlöst.
Aus diesen Versen leiteten die jüdischen Pioniere der Neuzeit die Idee der „Erlösung des Landes“ ab. Im 19. Jahrhundert, gegen Ende der osmanischen Zeit, begannen Juden, für viel Geld Land von Familien zu kaufen, die relativ kurze Zeit zuvor die Grundstücke von den Türken gekauft hatten. 1807 kaufte der spanische Rabbi Haim Rahamim Bajayo Land in Hebron von Auswanderern aus Spanien und knapp 30 Jahre später kaufte Israel Back aus der Ukraine den Berg Meron in Galiläa. Back (auch: Nissan Beck) war Verleger, einflussreiche Persönlichkeit in Eretz Israel und führte den hebräischen Buchdruck nach etwa 200 Jahren Pause im Land wieder ein.
1839 kaufte die jüdische Familie Abu aus Algier Land in Galiläa und 1842 erlöste die sephardische Gemeinde in Jaffa das Land am Ufer des Flusses Ayalon. Ihr kennt heute die Ayalon-Straße in Tel Aviv. Im Jahr 1855 kaufte Montefiore die Grundstücke von Mishkenot Sheananim, dem ersten Viertel außerhalb der Mauern der Altstadt von Jerusalem. David Yelin kaufte 1860 die ursprünglichen Grundstücke zurück und 1865 wurden die Ländereien des sogenannten Mahana Yisrael-Viertels außerhalb der Jerusalemer Altstadt mithilfe von Spenden aus den jüdischen Gemeinden in Marokko gekauft. Und so haben Juden nacheinander Grundstücke und größere Ländereien zurückgekauft.
Mit anderen Worten, Juden haben nicht nur das Land eingenommen und erobert, sondern noch vor der jüdischen Staatsgründung 1948 stufenmäßig das von Gott verheißene Land in Puzzleteilen zurückgekauft, natürlich nicht alles, aber viel. Im 19. Jahrhundert begannen Juden, im gesamten osmanischen Land Grundstücke und Immobilien zu erwerben, um den kollektiven Gebietsbesitz der jüdischen Siedlung in Eretz Israel zu erweitern. Jüdische Großunternehmen und private jüdische Käufer leiteten diese Bemühungen im Rahmen zahlreicher, zeitlich begrenzter Transaktionen, die auch nach der Errichtung des britischen Mandatsgebiets im Land im Jahr 1918 fortgesetzt wurden. Der größte dieser Deals waren die Käufe der jüdischen Familie Sursock aus Griechenland, was in den 1930er Jahren zum Erwerb des Jesreel-Tals und der Bucht von Haifa führte. Im April 1945 wiesen die Statistiken der britischen Verwaltung aus, dass jüdische Käufer rechtmäßiges Eigentum an etwa 5,67 Prozent der gesamten Mandatsfläche hatten, während 46 % im staatlichen Besitz waren. Bis Ende 1947 stieg der jüdische Besitz auf 6,6 Prozent. Mit der Staatsgründung Israels ist diese Landerlösung zum Ende gekommen und seitdem kämpft das Volk um dieses Land. Nun bezahlt Israel mit Blut, um in diesem Land zu existieren. Israels Existenz muss täglich erlöst werden.




