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Tiefe Krise als Wendepunkt für Wachstum

Existentielles Ringen und der Tora-Abschnitt „Va’yetzei“ (Erstes Buch Mose 28-32)

Jakob
Symbolbild: Saar Yaacov/GPO

Die tiefen Krisen in unserem Leben erweisen sich oft als die Momente, in denen wir auf die tiefe Wahrheit stoßen; Momente, in denen wir Stärken entdecken, die uns in unserer Bestimmung voranbringen.

Genau so war es bei Jakob.

Was genau war so besonders an Jakob, dass Gott ihn bei dem neuen Namen „Jisrael“ nannte und die Israeliten bis heute seinen Namen tragen?

Wenn wir die Geschichten von Jakob lesen, werden wir Zeuge der prägenden Begegnungen, die er mit Gott hatte. Diese Begegnungen fanden statt, als Jakob auf seinen Reisen war. Die erste Begegnung fand statt, als er einsam war und Angst vor der Zukunft hatte, die ihn erwartete, als er vor seinem Bruder ins Ungewisse floh. Und dann auf der Rückreise auf dem entgegengesetzten Weg zurück nach Kanaan, als sein Herz erneut von der Angst erfüllt war, seinem Bruder Esau zu begegnen.

Gerade in diesen Momenten der Angst erlebte Jakob die stärksten geistlichen Begegnungen. Wir neigen dazu, zu denken, dass mächtige geistliche Begegnungen stattfinden, wenn ein Mensch sie anstrebt, indem er fastet und intensiv betet oder an verschiedenen geistlichen Konferenzen teilnimmt usw. Aber nicht so bei Jakob. Die zitternde Begegnung war Jakob und vielen biblischen Helden vertraut.

Manchmal entdecken wir gerade dann, wenn wir uns völlig einsam fühlen, dass wir nicht allein sind.

Gerade auf dem Höhepunkt des Schreckens und der Angst, gerade auf dem Höhepunkt des Gefühls des Versagens, der Ablehnung oder des Verlassenseins, wird uns plötzlich eine unerklärliche Hilfe zuteil, eine Begegnung mit Gott, die uns das Leben und den Glauben zurückgibt. Wir sehen einige unserer Vorfahren, die um den Tod baten, und genau dann schenkte Gott ihnen eine erbauliche und einzigartige Erfahrung. Gerade in den schwierigen Momenten ruhte der Geist Gottes auf ihnen.

Das war bei Mose der Fall, als er zu Gott rief: „Und so du also mit mir tun willst, so töte mich lieber, habe ich anders Gnade vor deinen Augen gefunden, daß ich mein Unglück nicht mehr ansehen muß!“ (4. Mose 11:15)

In diesem Moment segnete Gott ihn mit einem erhebenden Erlebnis und legte seinen Geist auf 70 Älteste. Das geschah auch dem Propheten Elia. Er bat darum, unter dem Rotem Busch zu sterben, und dann schickte Gott ihn auf den Berg Sinai, wo er sich ihm mit einer leisen Stimme offenbarte. Gott erschien sowohl dem Propheten Jeremia als auch König David in Zeiten der Bedrängnis und stellte ihren Glauben wieder her. Das kann auch bei uns der Fall sein. Ich erinnere mich an schwierige Tage, als ich eine schwere Krise durchmachte, begleitet von Gefühlen tiefer Ablehnung und Verlassenheit. Da spürte ich die Hand Gottes, die sich ausstreckte, um mich zu retten, eine Hand, die mich zu Handlungen bewegte, deren Segen ich bis heute sehe.

Jakobs zwei Begegnungen mit Gott liefern uns auch lehrreiche Metaphern für unser geistliches Leben. Jakobs erste Begegnung war ein Traum mit einer Leiter. Manchmal erleben wir unser Leben als Aufstieg auf einer Leiter.

Der Glaube als Leiter – Schritt für Schritt, Tag für Tag.

Und je mehr wir lernen, desto mehr spüren wir, dass wir dem Himmel ein Stückchen näherkommen, dass es uns gelingt, alltägliche Kleinigkeiten wie Streit, Kämpfe, Gefühle der Beleidigung oder Rache zu überwinden. Und je höher wir auf der Leiter steigen, desto tiefer gelingt es uns, die Komplexität des Menschen zu verstehen. Das andere Paradigma ist Jakobs zweite Begegnung mit Gott am Fluss Jabok, das Ringen, das Kämpfen.

Der Glaube als existenzieller Kampf um Leben und Tod, als Ringen.

So sieht unser geistliches Leben aus, wenn wir mit Zweifeln und Zögern konfrontiert sind. Vor allem dann, wenn die Angst mit ins Spiel kommt und wir uns schlechter fühlen, als uns lieb ist, wenn wir das Gefühl haben, dass wir vielleicht auch in den Augen Gottes weniger wert sind. Eine solche Erfahrung kann uns hinken lassen, so wie Jakob nach seinem Kampf, nach seinem Ringen mit Gott, hinkte. Gleichzeitig erhalten wir durch eine solche Erfahrung eine Kraft, von der wir nicht wussten, dass sie existiert.

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Patrick Callahan

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