Im Schatten der endlosen und zunehmenden Proteste im Land wurde heute früh das Amtsenthebungsgesetz in zweiter und dritter Lesung angenommen. Jetzt wird es noch schwieriger, einen Ministerpräsidenten in Israel amtsunfähig zu erklären. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass ein Ministerpräsident nur dann für amtsunfähig erklärt werden kann, wenn er körperlich oder geistig nicht in der Lage ist, sein Amt als Israels Ministerpräsident auszuüben. Oder der Ministerpräsident selbst sieht sich als unfähig, oder sollte sich der Ministerpräsident weigern, die Entscheidung dem Kabinett vorzulegen, so darf die Knesset entscheiden, wobei mindestens 90 von 120 Knesset Abgeordneten für die Amtsenthebung stimmen müssen. In den Reihen der rechten Regierungskoalition ist man mit der Entscheidung mehr als zufrieden, nun ist der Oberste Gerichtshof nicht mehr in der Lage Benjamin Netanjahu aus seinem Amt zu entheben.
„Die Israel Beteinu Partei wird eine Petition beim Obersten Gerichtshof einreichen, um das Amtsenthebungsgesetz für ungültig zu erklären. Wir werden nicht zulassen, dass der Staat Israel zu einer Monarchie der Familie Netanjahu wird“, tweetete Parteichef Avigdor Lieberman heute Morgen. Auch Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte die Verabschiedung des Gesetzes in einem Tweet: „Wie Diebe in der Nacht hat die Koalition soeben ein obszönes und korruptes Personalgesetz gegen ein unbegründetes Gerücht über die Amtsenthebung verabschiedet. Israels Bürgerinnen und Bürger werden – kurz vor den Feiertagen, während die Lebenshaltungskosten immer teurer werden – einmal mehr feststellen, dass Netanjahu sich nur um sich selbst kümmert.“
Für die Gegner ist das Amtsenthebungsgesetz ein beschämendes Gesetz, dessen einziger Zweck darin besteht, rechtlich zu verhindern, dass Netanjahu für amtsunfähig erklärt wird. „Das ist alles, was die Koalition und diese Regierung mit dem persönlich geschneiderten Gesetz für Benjamin Netanjahu und seinem Staatsstreich tut“, so die Parteichefin der Arbeiterpartei, Merav Michaeli, ebenfalls in einem Tweet!
Israels rechte Wähler sehen dies jedoch anders und sagen, dass das Amtsenthebungsgesetz unbedingt nötig war, damit Israels linkes Rechtssystem nicht in der Lage ist, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seines Amtes zu entheben, wenn sie ihn nicht bei Wahlen besiegen können. Dies war besonders den orthodoxen Knessetparteien wichtig, denn sie wissen, dass sie nur mit Benjamin Netanjahu ein langes Leben in der Koalition haben. Eine mögliche Amtsenthebung schwirrte immer in der Luft und machte ihnen wie auch anderen Koalitionsverbündeten ernsthafte Sorgen.
Bisher war dies in der Macht der Rechtsberaterin der Regierung, die einen Regierungschef aus dem Amt entheben konnte. Sollte sich herausstellen, dass das Verhalten des Ministerpräsidenten eine ordnungsgemäße Durchführung der Gerichtsverfahren gegen ihn nicht zulässt, war sie berechtigt, eine vorübergehende Amtsenthebung des Ministerpräsidenten anzukündigen. Dies hat die Regierungskoalition mit dem neuen Gesetzesentwurf neutralisiert und das verärgert natürlich die Gegner im Land.
Wenige Stunden danach hat die „Bewegung für Qualitätsregierung“ bereits heute eine Petition gegen das Amtsenthebungsgesetz vor dem Obersten Gerichtshof in Jerusalem eingereicht. Die Bewegung fordert, dass der Oberste Gerichtshof eine einstweilige Verfügung gegen das Gesetz bis zum Ende der Anhörung zum Einspruch erlässt. Und was passiert, wenn der Oberste Gerichtshof diesen Gesetzesentwurf dieser Forderung nachkommt?





Die Justizreform muss dringend umgesetzt werden, damit die Justiz nicht weiterhin machen kann, was sie will. Sonst kann die Justiz ein demokratisch erlassenes Gesetz, wie das zur Verhinderung einer Amtsenthebung, einfach wieder rückgängig machen, weil es den Justiz-Bossen nicht ins Programm passt. Somit wird Israel nie eine echte Demokratie werden, wenn die Justiz weiterhin machen kann, was sie will.
Ein paar Elite-Führer, die Einfluss auf die Justiz haben, können sich die obersten Richter somit kaufen und die Politik dorthin lenken, wo sie diese haben möchten. Da die linksgerichteten Proteste von reichen Elite-Bossen bereits finanziert werden, sieht man deutlich dass bestimmte Personen in Israel und auch im Ausland, sich keine Justizreform wünschen, da sie sonst die Politik in Israel durch die Justiz nicht mehr so beeinflussen können, wie bisher. Diese Elite hat somit einiges zu verlieren. Die Bürger Israels haben durch die Justizreform ein Recht darauf, dass ihre Interessen gewahrt werden, nicht die von ein paar superreichen Wirtschaftsbossen, Ärzten, Akademikern, Geschäftsführern, usw. Der kleine Mann, der die Regierungsvertreter wählen geht, hat ein Recht darauf, endlich gehört zu werden und auf Verbesserungen, die der Allgemeinheit nützen, nicht nur ein paar wenigen, einflussreichen Mächtigen.