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Wenn die Legende einer Zerstörung wahr wird

Die Zerstörung des jüdischen Tempels wurde erst durch den Streit innerhalb Israels ermöglicht. Stehen wir heute vor einer Wiederholung?

Wird sich Israel wieder selbst zerstören?
Wird sich Israel wieder selbst zerstören? Foto: Tomer Neuberg/FLASH90

„Wenn wir nicht einen Weg finden, um gemeinsam zu leben, dann werden wir gemeinsam sterben“, dies betonte vor etwa zwei Jahren der israelische Filmregisseur Gidi Dar im Gespräch über seinen neuen Film „Die Legende einer Zerstörung“. In seinem Zeichentrickfilm (93 Minuten) beschreibt Dar die jüdische Revolte gegen das römische Reich in Eretz Israel, was in einem jüdischen Bürgerkrieg endete und letztendlich zur Zerstörung des jüdischen Tempels führte.

Nun sieht Gidi Dar das Szenario seines Zeichentrickfilms Live vor Augen. Als besorgter Bürger im Land wandte sich Dar an verschiedene führende Rabbiner in der zionistischen Siedlerbewegung, darunter einige, die zum rechtsextremen Flügel der Bewegung zählen, wie die Rabbiner Schmuel Elijahu, Josua Schapiro, Tamir Granot, Eliakim Levanon, Simeon Cohen und Jakob Madan. Alle bestehen auf die volle Umsetzung der Justizreformen. Aber nachdem der Filmregisseur mit ihnen zusammentraf und ihnen die ernste Situation und Gefahr vorlegte, haben sie sich bereit erklärt der anderen Seite zu zuhören. „Wir werden uns mit jedem unterhalten, der die Legitimierung der jetzigen Regierungskoalition akzeptiert, ohne Vorbedingungen zum Dialog“, schrieben diese und andere Rabbiner. Auch wenn sie sich zu nichts verpflichtet haben, so geben sie zu, für eine breite Akzeptanz im Volk zu streben. Wenn man die israelischen Medien aufmerksam liest, ist deutlich eine wahre Angst im Volk vor dem jüdischen Selbstzerstörungsprinzip zu spüren. Dies muss verhindert werden.

Nicht nur das, auch der Bürgermeister von Modiin, Haim Bibas, und einer der stärksten Schlüsselfiguren in der Likud-Fraktion hat mit 70 Bürgermeistern und Bezirksvorsitzenden ein Schreiben an Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und Israels Staatspräsidenten Itzchak Herzog unterschrieben. Demnach „soll eine breite Akzeptanz im Volk erzielt werden“. Zu den Unterzeichnern zählen mehrere Likudmitglieder, die alle die Gefahr sehen, wenn die jetzige Regierung ohne Absprache eine Justizrevolution durchsetzt. Darüber hinaus ist die Mehrheit der rechten Likudwähler ebenso gegen den Prozess der Rechtsrevolution von Benjamin Netanjahu. „Die dramatische Wende im Rechtssystem, im Gesetz und der Regierung, auf dem der Staat Israel aufgewachsen ist, darf nur in Absprache gemacht werden. Jeder andere Weg zerstört die gesellschaftliche Infrastruktur auf der das jüdisch-demokratische Israel fundiert“, so das Statement der besorgten Bürgermeister.

Linke Israelis protestieren am 18. Februar 2023 in Tel Aviv gegen die derzeitige israelische Regierung und ihre geplante Justizreform.
Linke Israelis protestieren am 18. Februar 2023 in Tel Aviv gegen die derzeitige israelische Regierung und ihre geplante Justizreform.

Gemäß einer Umfrage (N12) sind 45% der Likudwähler der Meinung, dass Netanjahu den Prozess der Justizreformen stoppen und einen Kompromiss mit der Opposition suchen soll. 17% sagen das gleiche, aber bestehen darauf, dass die Proteste zuerst enden müssen. Nur 28% der rechten Likudwähler sagen, „mit Vollgas weitermachen“.

Zudem melden sich auch immer mehr rechtsorientierte Politiker und Leiter des Sicherheitsapparats wie ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes, Yossi Cohen, der ehemalige Chef des Sicherheitsdienstes Schin Bet, Joram Cohen, der ehemalige Polizeichef, Roni Alshich, und General Jakov Amidror, die mit dem Ablauf von Netanjahus Regierung nicht übereinstimmen. Sie rufen zum dringenden Dialog auf und nehmen zum Teil auch an den Protesten teil, wie Cohen in Jerusalem und Alshich in Tel Aviv. Die Stimmen auf der religiösen und rechten Ebene gegen Netanjahus Rechtsputsch werden immer lauter.

Der ehemalige Direktor des Shin Bet, Yoram Cohen, spricht am 18. Februar 2023 in Jerusalem
Der ehemalige Direktor des Shin Bet, Yoram Cohen, spricht am 18. Februar 2023 in Jerusalem

Aus dem Ausland warnte das Diasporajudentum Israels Regierung: „Der Prozess der Rechtsreformen soll sofort eingefroren werden“. Das konservative Judentum hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dringend aufgerufen den Prozess zu stoppen und Gespräche unter Aufsicht des israelischen Präsidenten Itzchak Herzog zu führen: „Die Schwächung des israelischen Justizsystems, das über Jahrzehnte mit Recht globalen Status und Prestige gewonnen hat, wird mit den Rechtsreformen dieses Ansehen verlieren“. Zudem hat auch der Dachverband aller jüdischen Frauenorganisationen der Welt gewarnt, dass unter den neuen Gesetzen die „Frauenrechte in Israel in Gefahr sind“.

Wir leben heute im Zeichentrickfilm einer neuen Zerstörung in Israel. Das sind keine Zornpredigen wie wir von den Propheten kennen. Nein, die Gefahr steht deutlich auf der Mauer geschrieben und deswegen mischen sich die Menschen aus allen Teilen im jüdischen Volk ein und wollen einen Dialog schaffen. Das ist keine Legende einer Zerstörung, sondern eine Realität. Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine faszinierende und turbulente Reise, die politische, geistliche und gesellschaftliche Fragen unseres Lebens im Land treffend aufwirft. Wie und was ist eine jüdische Identität? Wer hat mehr Recht?  Im Zeichentrickfilm von Gidi Dar stürzt sich das Volk Israel in einen blutigen Bruderkrieg und endet letztendlich mit der Zerstörung des jüdischen Tempels. Das will man diesmal im Land verhindern, aber dafür muss jeder auch Kompromisse machen, sein Ego ignorieren und mit seinem Nächsten reden.

 

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Patrick Callahan

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3 Kommentare zu “Wenn die Legende einer Zerstörung wahr wird”

  1. marie.luise.notar sagt:

    Um das Ego ernsthaft ignorieren zu können und mit seinem Nächsten reden zu können, ohne diverse Eskalationen—dazu braucht es Jesus: ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh.15)..und der WEG mit Jesus hat auch System und das Ego ernsthaft ignorieren ist ein Lernprozess.

  2. hdfuerst sagt:

    Es gibt offensichtlich viele Israelis, die zu sehr Wert auf die Vorstellungen der heute säkularen Welt legen. Sie haben noch nicht verinnerlicht, was Gott will; er will ein Volk haben, das sich nicht nach der atheistischen Welt richtet, sondern nach Gottes Willen.

  3. Serubabel Zadok sagt:

    Die Justizreform muss vollkommen und rasch durchgeführt werden. Es ist höchste Zeit, dass die Demokratie wieder die Oberhand in Israel gewinnt und die Justizdiktatur beendet wird. Demokratische Beschlüsse können dann wieder umgesetzt werden, ohne von einer Justizmonarchie gestoppt zu werden. Die Zeit der linken Diktatur im Land ist vorbei. Jetzt gelten wieder die Interessen des einfachen Bürgers im Land und nicht mehr die einer einzelnen Elite.

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