Heute gegen Mittag teilte mir der Sprecher der Holy Land Kirchen in Jerusalem mit, dass erneut jüdische Siedler in eine Kirche eingebrochen sind und dort randaliert haben. „Ein jüdischer Extremist vandalierte die Statue des gegeißelten Retters in der Geißelungskapelle auf der ersten Station auf der berühmten Via Dolorosa in Jerusalem. Willkommen im neuen christenhassenden Israel, ermutigt und unterstützt von der neuen Regierung.“ So in etwa seine Worte.


Die Geißelungskapelle liegt im muslimischen Viertel der Jerusalemer Altstadt an der Via Dolorosa und bildet zusammen mit der Verurteilungskapelle im selben Hof gegenüber die zweite Station des Kreuzweges Jesu. Wenn Juden eine Kirche oder einen christlichen Friedhof verwüsten, wie vor einem Monat auf dem Zionsberg, wird in Eilmeldungen von jüdischen Extremisten gesprochen und sofort der Staat Israel beschuldigt. Dies geschieht mit christlichem Enthusiasmus, um der jüdischen Regierung im Heiligen Land wieder einmal „Nu Nu“ zu sagen.
What the captured perpetrator says here is unfortunately thought by far too many in Jerusalem and Israel up to some members of the current government!@ProtectingHLC @GerRepRamallah @GerAmbTLV @IsraelinHolySee @TaniaBRafaeli @Volker_Beck pic.twitter.com/Kfgx7uMAub
— Pater Nikodemus Schnabel (@PaterNikodemus) February 2, 2023
Aber von den Auseinandersetzungen mit den muslimischen Nachbarn in der Altstadt von Jerusalem oder in Bethlehem erzählen die arabische Christen nichts. Und wir alle wissen, dass im Land und besonders in Jerusalem und Bethlehem palästinensische Christen oft von ihren muslimischen Brüdern und Schwestern schikaniert oder sogar angegriffen werden. Streitigkeiten mit Muslimen werden von Christen vertuscht, Streitigkeiten mit Juden gerne lautstark an die Öffentlichkeit getragen. Die orthodoxen Kirchen in Jerusalem wissen sehr wohl, dass das Leben unter jüdischer Herrschaft in Jerusalem um ein Vielfaches angenehmer ist und wirkliche Religionsfreiheit bietet.
Dafür muss man nur mit den Schäfchen der Kirchen sprechen, mit arabische Christen am Neuen Tor und im christlichen Viertel der Altstadt Jerusalems. Mit wem man auch immer zusammensitzt und ab und zu einen Kaffee trinkt in der Schachar Hachadasch-Straße am Neuen Tor. Unter israelischer Herrschaft genießen sie Freiheit und Sicherheit. Auch wenn nicht alles perfekt ist. Aber das geben auch die Juden im Land zu. Die meisten sind zufrieden mit dem, was man israelische Besatzung nennt. „Meine Eltern bevorzugen die israelische Besatzung in Jerusalem, als die offizielle Freiheit unter Jordanien“, sagte mir George vor etwa zwei Wochen. „Moslems haben Christen immer schlechter behandelt als Juden und dies habe ich von meinen Eltern gehört. Sie haben beide Zeiten und Herrschaften miterlebt.“
Die Kirchen im Heiligen Land stehen unter Druck, vor allem von ihren muslimischen Geschwistern und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Deshalb twittern Kirchensprecher schnell und gerne, wenn Juden etwas Böses tun.
Und die Palästinensische Autonomiebehörde hört das natürlich gerne. „Wir verdammen diese Aggression der Besatzungsregierung und ihrer jüdischen Siedlerextremisten.“ Und zum Schluss fleht dieselbe Meldung um „Hilfe von der internationalen Gemeinschaft, die Palästinenser vor der israelischen Herrschaft im Land zu beschützen“. Leider spielen die orthodoxen Kirchen jedes Mal der muslimischen Autonomiebehörde in die Hände.





Nicht jeder, wo „Christ“ drauf steht, da ist auch Christ drin.