Am Samstagabend versammelten sich Zehntausende Israelis auf dem zentralen Platz in Tel Aviv – dem heutigen Rabin-Platz – um des 30. Jahrestags der Ermordung von Ministerpräsident Yitzhak Rabin zu gedenken. Es war die erste offizielle Gedenkveranstaltung nach fünf Jahren Pause. Frühere Zeremonien waren wegen Bauarbeiten, den Einschränkungen während der Corona-Pandemie und den logistischen Herausforderungen der Kriegszeit ausgefallen.

Nach Angaben der Organisatoren nahmen rund 150.000 Menschen teil. Zu den Rednern gehörten Oppositionsführer Yair Lapid, der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot, die ehemalige Geisel Gadi Mozes, die frühere Außenministerin Tzipi Livni sowie weitere Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Während der Veranstaltung wurden Archivaufnahmen von Rabins letzter Rede gezeigt, gefolgt von einer Schweigeminute um 21:42 Uhr – dem Zeitpunkt seiner Ermordung am 4. November 1995. Mehrere bekannte israelische Künstler traten auf, der Abend endete mit dem Lied Schir laSchalom, das Rabin kurz vor seinem Tod gesungen hatte.
In ihren Ansprachen erinnerten die Redner an Rabins politische und militärische Laufbahn sowie an seine Rolle im Friedensprozess der 1990er-Jahre. Yair Lapid sagte, Rabin habe gelehrt, Verantwortung zu übernehmen und sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Gadi Eisenkot verwies auf die gesellschaftlichen Spannungen, die zur Tat geführt hatten, und sprach über die Bedeutung von Zusammenhalt und gegenseitigem Respekt. Yair Golan, Vorsitzender der Partei Die Demokraten, nannte Rabins Tod „eine Mahnung, politische Unterschiede nicht in Feindschaft umschlagen zu lassen“.

Yitzhak Rabin wurde am 1. März 1922 in Jerusalem geboren. Er trat 1941 in die Palmach-Einheit der Hagana ein und war während des Unabhängigkeitskrieges 1948 Kommandeur der Harel-Brigade. Von 1964 bis 1968 diente er als Generalstabschef der Israelischen Armee und leitete während des Sechstagekrieges die militärischen Operationen. Nach seiner Militärzeit wurde Rabin Diplomat und Politiker. Er war Israels Ministerpräsident von 1974 bis 1977 und erneut von 1992 bis 1995. In seiner zweiten Amtszeit unterzeichnete er die Oslo-Abkommen mit den Palästinensern und das Friedensabkommen mit Jordanien.
Am Abend des 4. November 1995 wurde Rabin am Ende einer Kundgebung auf dem damaligen Platz der Könige von Israel in Tel Aviv von einem rechtsextremen Israeli, Yigal Amir, erschossen. Der Platz wurde später in Rabin-Platz umbenannt. Die diesjährige Gedenkfeier war die erste offizielle Zeremonie seit 2019. In den vergangenen Jahren wurden aufgrund von Bauarbeiten, der Corona-Pandemie und der Sicherheitslage nur kleinere private Veranstaltungen abgehalten. Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Motto „Erinnern, vereinen, weiterführen“ und wurde von mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützt. Neben politischen Reden gab es auch musikalische Beiträge und Videoeinspielungen aus Rabins Leben.




