Kaum zu glauben, aber in zwei Tagen haben wir schon wieder Pessach. Die Zeit seit Purim ist wirklich sehr schnell vergangen. Wurden uns in den Bäckereien und auch auf den Märkten gerade noch eine enorme Vielzahl von Osnei Haman (Hamantaschen) angeboten, werden wir nun schon seit rund zwei Wochen von einer Unmenge an Chametz-freien Pessach-Keksen überflutet, darunter die traditionellen Kokus- und Erdnusskekse.

Die ersten Kekse, die ich schon vor einer Woche für die Feiertage gekauft hatte, sind jetzt, zwei Tage vor dem Sederabend, schon wieder weg. Dabei haben wir doch immer nur mal eben einen Keks genommen, im Glauben, dass es niemand bemerken wird. Gestern habe ich zwei neue Packungen gekauft.
Das Gute an der Zeit vor Pessach sind die Pessachferien, die vor einer Woche in den Schulen und zu Beginn dieser Woche auch für die Studenten begonnen haben. Die Verkehrsstaus sind erst einmal passé. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich meine Tochter morgens nicht mehr wecken muss, damit sie nicht den Zug nach Tel Aviv verpasst. Jetzt habe ich erst einmal etwas Ruhe. Allerdings sind die Tage vor Pessach auch recht stressig. Denn das ist die Zeit, die Wohnung „auf Vordermann“ zu bringen, schließlich soll zum Pessachabend alles sauber sein, besonders, was die Brotkrümel betrifft, die man beim Saubermachen in jeder Ecke findet. Wir sind jetzt nicht zu streng mit den Pessach-Vorschriften, aber dennoch haben wir noch viel Arbeit vor uns.
Endlich haben wir unseren normalen Alltag wieder, doch mit ihm haben wir auch leider wieder die alten Probleme. Wenn wir Pessach feiern, feiern wir den Auszug Israels aus der Sklaverei in die Freiheit, doch die letzten Wochen haben uns gezeigt, dass wir auch heute noch um unsere Freiheit und das Recht, zu existieren, kämpfen müssen. 14 Menschen wurden in den letzten drei Wochen von Terroristen ermordet. Vor knapp einer Woche schoss ein Terrorist in einer Bar in Tel Aviv wild um sich und tötete drei junge Israelis, weil sie Juden waren.

Wir befinden uns wieder in so einer „Notstands-Stimmung“. In den Medien werden die Geschichten der Opfer erzählt, gleichzeitig hören wir von den Aktionen der israelischen Sicherheitskräfte in palästinensischen Städten. Zahlreiche weitere geplante Anschläge sollen dabei vereitelt worden sein.
Und mitten in diesem Durcheinander leben wir unseren Alltag. Gestern war unsere Tochter zu einer Geburtstagsfeier in einem Lokal in Herzlia eingeladen. Der Gedanke, dass unsere Tochter abends in einem vollbesetzten Lokal sitzt, erfüllte mich mit Unbehagen. Die letzten Terrorattacken fanden immer nach Einbruch der Dunkelheit statt und die Stadt Herzlia könnte durchaus ein weiteres Ziel der Terroristen sein. Aber kann ich es meiner Tochter verbieten, sich mit ihren Freundinnen zu treffen? Und für wie lange soll ich mit dieser Angst leben? Nein, so kann man nicht leben und daher ist unsere Tochter zusammen mit ihrem Freund nach Herzlia gefahren.

Das Leben muss weitergehen, wir lassen uns nicht verängstigen, denn das ist genau das, was die Terroristen erreichen wollen. Wir wählen das Leben. Und so werden wir übermorgen am Sederabend zu Pessach mit der ganzen Familie am Festtagstisch sitzen und beim Lesen der Haggada den Auszug Israels aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit feiern und gleichzeitig der Opfer der Terroranschläge gedenken. Wir haben keine andere Wahl.




