Warum die israelische Armee leere Stellungen angreift

Ein israelischer Offizier erklärt die Gründe.

Warum die israelische Armee leere Stellungen angreift
Abed Rahim Khatib/Flash90

Es ist fast immer das gleiche Spiel. Aus dem Gazastreifen werden Raketen auf israelische Städte geschossen und einige Stunden später reagiert die israelische Armee mit Angriffen auf leere Stellungen der Hamas im Gazastreifen. Danach ist es dann erst einmal wieder still. Eine sogenannte weitere Runde ist beendet.

Viele fragen sich nun, warum die israelische Armee nicht härter gegen die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen vorgeht, um diese Bedrohung für die Bürger Israels ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Schließlich habe die israelische Armee doch die Mittel dazu, um für Ruhe zu sorgen. Warum also diese Zurückhaltung?

Oberstleutnant Yoav Schneider hat in einem Gespräch mit dem Nachrichtenportal Ynet erklärt, weshalb die Armee wartet, bis die Hamas-Terroristen ihre Stellungen verlassen haben, und erst dann das Feuer auf die leeren Stellungen eröffnet. „Wenn wir den Anweisungen für das Eröffnen des Feuers folgen würden, hätten wir jeden Tag zwischen 10 und 20 Tote“, sagte er.

Schon länger ist das die Vorgehensweise der israelischen Armee. Man wartet, bis die Stellungen geräumt sind, und erst dann greift man an. Die Tatsache, dass bei dem letzten Vorfall, dem Raketenbeschuss auf Sderot am Wochenende, ein Araber ums Leben kam, sei eine Ausnahme gewesen. „Ziel dieser Vorgehensweise ist es, den Terroristen klarzumachen, das wir nicht mit dem Geschehen, dem Beschuss oder dem Infiltrationsversuch einverstanden sind“, erklärte der Oberstleutnant. Man wolle aber andererseits die Situation nicht in einen Krieg eskalieren lassen, sagte er weiter. Keine der Seiten sei daran interessiert.

Trotz allem sei es den Soldaten erlaubt, das Feuer auf Terroristen zu eröffnen, auch wenn diese nicht zuerst geschossen hätten. Schneider erinnert an einen Vorfall im August, wo ein Soldat mit seinem Panzer das Feuer auf eine Gruppe von Terroristen eröffnete, die dabei war, den Grenzzaun zu durchdringen. In Fällen wie diesen würde auf den Feind geschossen werden, erklärte Schneider weiter. Die Behauptung von Kritikern, wonach die Soldaten in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt seien, weist Schneider zurück. Vor Untersuchungen von Fällen, bei denen Terroristen erschossen wurden, würde er sich nicht fürchten. „Bei jedem Zwischenfall versucht man zu verstehen, ob es sich um einen bewaffneten Terroristen handelt oder um einen unbewaffneten Menschen, der den Grenzzaun nur überschreitet, um Arbeit zu finden oder die Nacht im Gefängnis zu verbringen“, sagte Schneider.

Die Mission der Armee bestünde darin, das Land Israel und seine Bewohner zu schützen. Daher müsse jeder Soldat dazu bereit sein, einen Terroristen zu töten, wenn es eine Situation gibt, die eine Gefahr darstelle. „Ich erwarte von einem Soldaten, dass er nicht um Erlaubnis fragt, sondern auf den Terroristen schießt“, sagte der Offizier weiter. Danach würde man den Vorfall untersuchen.

In den meisten Fällen handele es sich um versuchte Infiltrationen oder Raketenabschüsse. In diesen Fällen würde man die bereits verlassenen Positionen der Terroristen angreifen, um zu verstehen zu geben, dass man den Beschuss nicht duldet. Die Soldaten müssten dieses Gleichgewicht verstehen.

Sollten sie also wieder einmal von israelischen Angriffen auf verlassene Stellungen der Hamas nach einem Raketenbeschuss aus den Gazastreifen lesen, wissen Sie nun, warum die israelische Armee lieber auf leere Gebäude schießt.

Das Foto zeigt die Überreste eines Postens der Hamas, der von der israelischen Armee angegriffen wurde, als er unbesetzt war.

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