Jad Vashem Austellung Miriam Alster/Flash90
Israel

Viele halten neuen Holocaust für möglich

43 Prozent der Israelis rechnen damit, dass das jüdische Volk es noch einmal mit dem Versuch zu tun bekommt, vernichtet zu werden.

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von Yossi Aloni

Diese Umfrage wurde im Jahr 2019 durchgeführt, aber die Zahlen sind heute wahrscheinlich noch höher, da der Antisemitismus inmitten der Corona-Pandemie steigt, für die eine beunruhigende Anzahl von Menschen Israel und die Juden verantwortlich macht.

Nur 12 Prozent meinen, dass man „nie wieder“ etwas dem Holocaust der Nazis Vergleichbares sehen werde. Die Umfrage wurde von Shem VeNer durchgeführt, einer israelischen Organisation, die „eine Kerze für jeden Namen“ der im Holocaust Umgekommenen anzünden möchte. Befragt wurden 243 Männer und 258 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren.

Mehr als jeder Zweite meinte, Israel tue nicht genug, um die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Über 40 Prozent sagten, in 50 Jahren, wenn es keine Holocaust-Überlebenden mehr gebe, würden nur noch sehr wenige der Nazi-Kampagne gedenken. Diejenigen, die der Meinung sind, dass sich der Holocaust wiederholen könnte, glauben, dass der einzige Weg, um eine solche Katastrophe zu verhindern, ein direktes Eingreifen des Staates Israel wäre.

Jad Vashem

Jad Vashem (Esther Rubyan/Flash90)

Interessanterweise meint die ältere Generation (über 50), von denen einige zur Zeit des Holocaustes schon geboren waren, eher, dass so etwas nie wieder passieren könnte (16 Prozent), während bei den Befragten von 18 bis 20 Jahren nur 5 Prozent es für undenkbar halten, dass ein neuer Holocaust aufkommt.

Seit einiger Zeit ist sich Israel bewusst, dass das Bewusstsein für den Holocaust sowohl im jüdischen Staat als auch im Ausland schwindet. Mit der Zeit und den weniger werdenden Überlebenden unter uns verblasst die persönliche Verbindung zu denen, die die Vernichtungslager durchgemacht haben. Tatsächlich neigen sogar Nachkommen von Holocaust-Überlebenden dazu, zu vergessen. Die Umfrage ergab, dass 10 Prozent derjenigen, deren Großeltern die Todeslager überlebten, nicht mehr den Holocaust-Gedenktag begehen. Diese Leere füllen Holocaustleugner, deren Zahl immer mehr zunimmt.

Nora Siperman, Geschäftsführerin von Shem VeNer, sagte, das Ergebnis der Umfrage „stärkt nur unsere Entschlossenheit bei der Arbeit, die wir zur Erhaltung der Erinnerung an die Opfer des Holocaust erbringen. Die Daten zeigen, dass die betroffenen Personen vergessen werden, selbst wenn die Erinnerung an den Holocaust erhalten bleibt. Es gibt niemanden, der ihre Geschichten weiter erzählen kann.“ Siperman und andere warnen, dies werde dazu führen, dass der Holocaust kaum mehr als eine historische Fußnote sein wird. Um diesem traurigen Phänomen entgegenzuwirken, bietet Shem VeNer Gedenkkerzen an, zu denen Etiketten gehören, die an einzelne Opfer erinnern. Israelis sollten sich damit an den Holocaust und seine individuellen Opfer erinnern. „Dies macht es viel bedeutungsvoller und persönlicher“, erklärte Siperman.

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