Verringerung und Fülle

Die Pandemie hat uns unser Inneres gezeigt, aber sehr schnell haben wir Ersatz gefunden, womit wir die Fülle erschöpfen.

Jerusalem Jaffa Straße Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

 Guten Morgen liebe Leser!

Die Gesetzgebung auf dem Berg Sinai war einer der wichtigsten Momente in der Geschichte des jüdischen Volkes. Die Kinder Israels bekamen die Zehn Gebote Gottes. Diese Gebote sind wie ein Wegweiser für die Menschheit, fangen damit an, welchem Gott man glauben und dienen muss und führen anschließend aus, wie man sein Leben führen soll. In den Zehn Geboten, die Gott uns vorschlägt, findet sich die gesamte Thora.

Nachdem das Volk die Gebote hatte, stieg Mose wieder auf den Berg, in den Nebel eintretend, in dem Gott war. Hier kann man nun die Frage stellen, warum die Zehn Gebote überhaupt nötig waren, wenn kurz darauf 613 Ge- und Verbote gegeben wurden? Die Zehn Gebote, die dem Menschen wie ein Vorspiel vor der Gesamt-Thora vorgelegt wurden, beleuchten das Geheimnis der Verringerung.

Ein orthodoxer Jude beim Einkaufen, vor Corona.

Die Gesellschaft damals und auch die Gesellschaft heute heiligt oft die Fülle. Ich erinnere ich mich, dass es, als ich Kind war, normale Tomaten gab. Heute gibt es zusätzlich Cherry-Tomaten, gelbe Tomaten, orange Tomaten, Schoko-Tomaten und noch mehr. Eine Sorte genügt uns nicht. Wir wollen mehr, schnell und billig. Ebenso können wir auf unser Leben zurückblicken. Wo waren wir noch nicht? Welchen Ausflug haben wir noch nicht unternommen? Was haben wir noch nie gegessen? Wir warten immer auf das Neue und auf das Nächste, bis…

Bis das Coronavirus vor der Tür stand. Die Pandemie bremste unser Leben. Das Virus hat sogar Berührungen mit anderen Menschen eingeschränkt, wenn nicht unmöglich gemacht. Unsere Freiheit wurde teilweise genommen, indem wir uns nicht weiter als 1000 Meter von unserer Wohnung entfernen durften. Auch andere Freiheiten wurden von einer Minute zur anderen begrenzt. Viele liebgewordene Gewohnheiten waren auf einmal eingeschränkt. Das hat uns auf uns selbst geworfen, wir fühlen uns allein und ein wenig verloren. Wie können wir ohne Fülle leben? Wie kommen wir mit der neuen Verringerung im Leben zurecht?

Die Pandemie bremste unser Leben. Leeres Einkaufszentrum in Ashdod.

Wenn ich mich heute auf die Zehn Gebote besinne, die Regeln für richtiges Leben, für wahren Gauben, saubere Sprache, Ruhetag, Ehrung der Eltern und des Nächsten, Wahrheit und Richtung, dann verstehe ich, dass sich alles in diesen zehn Vorschlägen Gottes befindet. Aber Verringerung ist uns schon immer schwergefallen. Die ausführlichen Gebote und Verbote erscheinen, um die verfeinerte Verringerung zu erweitern, damit wir diese besser verdauen, fühlen und verstehen können. Was schon den Sklaven in Ägypten und der Wüstengeneration schwer im Leben war, ist auch in unserer heutigen Gesellschaft schwer zu verkraften.

Corona hat uns kreativ werden lassen, Fußballtraining per Zoom.

Die Pandemie hat uns unser Inneres gezeigt, aber sehr schnell haben wir Ersatz gefunden, womit wir die Fülle erschöpfen. Anstatt in Läden einzukaufen, bestellen wir nun alles im Internet. Anstatt Menschen unmittelbar in die Augen zu sehen, haben wir Zoomkonferenzen. Empfangen wir da mehr Wärme und Liebe? Ich hoffe und bete, dass diese nicht einfache Zeit uns wieder mit dem Sinn, mit der Essenz des Lebens verbindet. Diese Essenz hilft uns, Verfeinerung und Reinheit in unserem Leben zu verstehen, die alle in den Zehn Geboten Gottes eingebettet sind.

 


Das Wetter für heute in Israel

Meistens sonnig. In den Bergen und im Landesinneren wird es heute etwas wärmer. Für die Jahreszeit zu warm. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 20 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 24 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 22 Grad, Eilat am Roten Meer 27 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,58  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 78  Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Die Redaktion von Israel Heute wünscht Ihnen einen angenehmen Sonntag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Jerusalem!

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