Trauertag

Die Fahnen sind auf Halbmast, das ganze Land gedenkt der Opfer der Tragödie von Meron. Werden wir jetzt endlich die Kluft zwischen nicht religiösen und orthodoxen Juden überbrücken können?

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Heute begrüße ich Sie ohne das sonst übliche Bild von mir an der Seite. Es passt einfach nicht.  Wir haben ein schweres und trauriges Wochenende hinter uns, an dem eigentlich fast nur von der schrecklichen Tragödie am Berg von Meron gesprochen wurde, sowohl in den Medien, als auch bei uns zu Hause.

Ich spürte diese mir leider nicht unbekannte Atmosphäre, die immer dann entsteht, wenn bei uns etwas passiert wie diese Katastrophe. Auch nach Terroranschlägen mit vielen Opfern ging Israel immer in diesen besonderen „Mood“, ich finde gerade kein anderes passendes Wort dafür. Es ist so, als würde uns eine dunkle Wolke begleiten, trotz des schönen sonnigen Wetters. Eine Wolke, die uns bedrückt und schwer auf unseren Herzen liegt. Ja, es ist eine bedrückende Stimmung.

Schon öfter hatte ich Ihnen geschrieben, dass unser Volk ausgerechnet in schweren Zeiten wieder zusammen findet, zusammenhält. Und auch nach dieser schrecklichen Katastrophe scheint es so zu sein. In den Medien werden und sie Geschichten der Opfer erzählt. Live Berichte aus den Krankenhäusern geben uns einen Überblick über den Zustand der Verletzten. Und in Tel Aviv versammeln sich die Menschen, religiöse und nicht religiöse, um Kerzen in Gedenken an die Opfer anzuzünden. Tausende Israelis spendeten am Wochenende Blut.

Das ganze Land ist in Trauer

Nun frage ich mich, ob sich jetzt vielleicht etwas ändern wird in der Beziehung zwischen den nicht religiösen und den orthodoxen Juden. Sie erinnern sich bestimmt an unsere Artikel über die Spaltung in unserem Volk und den Problemen zwischen den säkularen und den orthodoxen Juden. Es machte den Eindruck, als könnte man diese Kluft niemals überwinden. Ich verspürte von einigen Seiten sogar blanke Wut und Hass gegenüber dem orthodoxen Judentum. Und dann ereignete sich diese Katastrophe.

Jetzt sind wir wieder eine Einheit. Wir weinen zusammen mit den Familien der Opfer, wir trauern mit ihnen um den sinnlosen Tod von Familienvätern und Kindern, darunter Avrohom, Yedidya, Elazar, Shragi und Simcha.

Ich hoffe sehr, dass wir dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht wieder verlieren werden, damit die 45 Menschen nicht umsonst ihr Leben verloren haben.

Aber dann haben wir noch die Anti-Bibi-Bewegung, wie ich sie nenne. Gestern versammelten sie sich wieder in der Balfourstrasse in Jerusalem vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, um gegen Netanjahu zu demonstrieren. Auch dort wurde an die Opfer erinnert, aber ich verspürte dabei einen bitteren Beigeschmack, besonders beim Lesen einiger Schilder.

Gestern Abend vor dem Amtssitz von Netanjahu

Mein Blick fiel auf den lächelnden Mann, oben rechts, mit dem großen Schild in der Hand, auf dem geschrieben steht: „Das Volk Israel gedenkt der Opfer des Angeklagten und seiner Anhänger“.  Kann es tatsächlich sein, dass diese fürchterliche Tragödie ausgenutzt wird? Ich hoffe sehr, dass ich mich irre und einen falschen Eindruck von den Bildern der Demonstration bekommen habe.

Der heutige Tag wurde zu einem nationalen Trauertag erklärt. Die Fahnen auf Halbmast gesenkt. Nun wird nach den Schuldigen gesucht. Werden wir diesmal etwas lernen oder brauchen wir eine weitere Katastrophe?

Und jetzt trotz allem das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis teilweise bewölkt. Für die Jahreszeit weiter zu warm besonders in den Bergen und im Landesinneren. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 26 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 36 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um anderthalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209,155  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 35,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Sonntag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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