Tacheles mit Aviel – War der 7. Oktober ein Wunder?

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Der geplante Überfall ins Gelobte Land soll schiefgelaufen sein.

von Aviel Schneider | | Themen: Iran, Hamas, Hisbollah, Gazastreifen, Tacheles mit Aviel
Spuren der Zerstörung durch Hamas-Terroristen, die am 7. Oktober 2023 in den Kibbutz Be'eri nahe der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen eindrangen, im Süden Israels, 20. Dezember 2023. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Kann es sein, dass am 7. Oktober ein Wunder geschah und ein eigentlich geplanter Mehrfrontenangriff aus dem Gazastreifen, dem Libanon und Syrien scheiterte? In Gesprächen höre ich immer öfter, dass Gott Israel vor einer viel größeren Tragödie bewahrt hat. Ähnliches hört man auch in den Medien.

Geplant war ein Dreierangriff, Hamas im Süden, Hisbollah im Norden, mit ballistischer Rückendeckung und Raketen aus dem Iran. Die jüdischen Siedlungen in den Grenzgebieten sollten erobert werden und ballistische Präzisionsraketen aus dem Iran strategische Ziele wie Kraftwerke und Luftwaffenstützpunkte in Israel anvisieren. Der Angriffsplan scheiterte, weil das Hamas-Regime im Gazastreifen nicht mit seinen Partnern kooperierte. Sie informierten ihre Kriegspartner Hisbollah und iranische Revolutionsgarde nicht über die „Stunde Null“ am frühen Schabbatmorgen. Als die Hamas im Süden im Alleingang einmarschierte, griff Washington innerhalb weniger Stunden ein und warnte die Hisbollah und Teheran vor weiteren Angriffen auf Israel.

„Es war ein wahres Wunder. Hätte die Hisbollah Israel am 7. Oktober gleichzeitig mit der Hamas im Süden angegriffen, wären wir heute nicht hier“. Das sagte vor wenigen Tagen der pensionierte IDF-General Yitzhak Brick, der in Israel so etwas wie ein Orakel geworden ist. Leider wurde er zu spät als solcher erkannt, um die Schrecken des 7. Oktober zu verhindern. Aber die militärische und politische Führung hört jetzt auf ihn, und er hat viel über die Zukunft der israelischen Armee zu sagen. „Während die Hamas in die südlichen Siedlungen rund um den Gazastreifen eindrang, hätte die Hisbollah gleichzeitig mit 10.000 gut ausgebildeten Kommando-Terroristen aus dem Libanon in Obergaliläa eindringen und israelische Siedlungen angreifen können. Sie hätten Galiläa gesäubert, die israelischen Militärbasen im Norden eingenommen und die Menschen in den Siedlungen massakriert wie im Süden“.

Archivbild – Yitzhak Brick. Foto: Yonatan Sindel/Flash90 

In den letzten Jahren hat Brick davor gewarnt, dass die Hamas etwas Großes plane, und sogar Elemente der Bodeninvasion und der Besetzung israelischer Städte am 7. Oktober mit erstaunlichen Details vorhergesagt. Für General Brick ist ein Wunder geschehen. Diese Meinung wird heute von immer mehr Menschen im Volk geteilt, obwohl Israel schwer geschlagen wurde, sehr schwer. Aber wenn wir alle angegriffen worden wären, dann wäre es noch schlimmer oder sogar das Ende Israels gewesen.

Siehe: Einer warnte vor dem Massaker, aber keiner hörte ihm zu

Der palästinensische Journalist Mohammed Daraghmeh, der diesen Plan veröffentlicht hat, ist eine außergewöhnliche und vertrauliche Informationsquelle, zumal er sehr gute Beziehungen zur Hamas und zur Palästinensischen Autonomiebehörde unterhält. Seine Analysen und Kommentare veröffentlicht er normalerweise auf saudischen Webseiten. Sein Kommentar zum gescheiterten Mehrfrontenangriff bestätigt frühere Berichte, wonach das Ayatollah-Regime in Teheran verärgert über die Hamas-Führung ist, die den Krieg nicht wie vereinbart begonnen hat. Mehr als tausend palästinensische Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen wurden dafür in den vergangenen zwei Jahren im Iran ausgebildet. Und jetzt ist alles wegen eines Egotrips der Hamas-Führer den Bach heruntergegangen. Quellen wie Dr. Mordechai Kedar und andere Experten berichten, dass dies einer der Gründe ist, warum der Iran und die Hisbollah sich aus dem Krieg heraushalten und die Hamas verwundet auf dem Schlachtfeld zurücklassen. Vielleicht kann man das wirklich als Wunder bezeichnen.

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Nach Daraghmehs Informationen war zwischen der Hamas, der Hisbollah und der iranischen Revolutionsgarde ein detaillierter Angriffsplan gegen Israel vereinbart worden, der am 7. Oktober bei Sonnenaufgang beginnen sollte. Dieser Angriff an allen Grenzen Israels, mit Ausnahme der jordanischen Landgrenze, sollte zu einem militärischen Sieg gegen Israel führen und Israel aus dem biblischen Kernland Judäa und Samaria vertreiben. Doch aus irgendeinem Grund handelte die Hamas nicht weise und teilte ihren Angriffsbefehl weder den Iranern noch der Hisbollah mit, obwohl der Plan zwischen den drei Kriegsparteien ausführlich besprochen worden war. Genauso wie wir von dem Angriff im Süden überrascht wurden, wären wir dreimal mehr überrascht, wenn Israel an allen Grenzen überrascht worden wäre.

Krieg auf niedriger Flamme im Norden – Eine israelische Artillerieeinheit feuert Granaten in Richtung Libanon in der Nähe der israelischen Grenze zum Libanon, Nordisrael, 15. Januar 2024. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Der Plan sah vor, dass das Radwan-Kommando der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon die israelischen Siedlungen in Obergaliläa angreift und die Hamas in die Kibbuzim im Süden um den Gazastreifen eindringt. Gleichzeitig sollten weitere schiitische Milizen von Syrien aus in die Siedlungen auf den Golanhöhen eindringen. Dieser Mehrfrontenangriff sollte Israel in Panik versetzen und durch massiven Raketenbeschuss strategischer Ziele im Zentrum des Landes (nicht unbedingt Bevölkerungskonzentrationen) lähmen.

Was den gesamten Kriegsplan der Feinde Israels am 7. Oktober vereitelte, so der palästinensische Journalist, war das blitzschnelle Eingreifen von US-Präsident Joe Biden, der schon am nächsten Tag die schiitische „Achse der Bösen“ vor einem Angriff auf Israel warnte. Außerdem schickte Washington seine Flugzeugträger und Kriegsflotten in den Indischen Ozean und ins östliche Mittelmeer gegenüber der libanesischen Küste. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Hisbollah und der Iran verstanden haben, dass Amerika sofort eingreifen würde, wenn Israel tatsächlich wie geplant von allen Seiten angegriffen würde. Deshalb habe die Hisbollah ihren Kampfkurs gegenüber Israel geändert und greife Israel nur noch begrenzt an.

Nicht nur das, Daraghmeh schreibt in seinem Bericht auch von einem zehnjährigen Waffenstillstandsabkommen, das die Hamas Israel für die Freilassung aller Geiseln angeboten habe. Doch es war zu spät, Israel entschied sich für die Vernichtung des gesamten Hamas-Regimes und gegen Verhandlungen und Kompromisse. Diesen Vorschlag machten Hamas-Chef Yahya Sinwar und seine Kollegen, als sie erkannten, dass die Hisbollah und die Iraner sich dem ursprünglichen Angriffsplan nicht anschließen würden. Um sich selbst zu retten, boten sie Israel diesen Vorschlag in den ersten Kriegstagen an. Doch Jerusalem lehnte jegliche Verhandlungen mit dem Hamas-Regime ab.

Israel entschied sich für die Vernichtung des gesamten Hamas-Regimes. IDF-Soldaten der Givati-Brigade in Beit Lahia, im nördlichen Gazastreifen, 28. Dezember 2023. Archivbild: Yonatan Sindel/Flash90

Israel muss dringend umdenken. Dazu muss Israel unbedingt seine Rüstungsindustrie im eigenen Land ausbauen und vom Iran lernen, der in seinen großen Wüsten alle möglichen Waffen produziert. 60 Prozent Israels sind Wüste und Israel muss sich dringend umorientieren und unabhängiger von ausländischen Waffen- und Raketenlieferanten werden. Israel hat in diesem Krieg auch verstanden, wie wichtig Bodentruppen und Spezialeinheiten sind. Nur mit Technologie kann Israel keinen Krieg gewinnen, das haben wir jetzt im Süden deutlich gesehen. Israel muss aus diesem Wunder lernen und sein gesamtes strategisches System umbauen, um den nächsten Krieg zu überleben. Man spricht vom Sommer, dann soll es weitergehen. In der Zwischenzeit haben wir eine taktische Pause. Die Reservisten werden bis Ende Januar entlassen, aber alle verstehen, dass der Krieg noch lange nicht vorbei ist. So kann es nicht weitergehen, so kann man in diesem Land nicht leben. Hunderttausende Israelis im Süden und im Norden mussten aus den Grenzgebieten evakuiert werden. Bis wann? Das ist die Frage. Ohne absolute Sicherheit wird niemand zurückkehren. Und diese Sicherheit fehlt noch im Land, und jeder, der hier lebt, weiß das. Wenn also am 7. Oktober ein Wunder geschehen ist, dann können wir alle nur Gott danken, dass ein größerer Angriff vereitelt wurde. Wenn Israel von diesem Wunder profitieren will, dann müssen wir uns dringend auf den nächsten Krieg vorbereiten, und zwar so schnell wie möglich. Sonst war das Wunder vom 7. Oktober umsonst.