Einer warnte vor dem Massaker, aber keiner hörte ihm zu

Am Montag hat sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu mit dem ehemaligen General Itzhak Brik im Militärhauptquartier in Tel Aviv getroffen. Er wollte von Brik persönlich hören, was dessen Position sei, wie man den Krieg führen könne.

von Aviel Schneider | | Themen: Gazastreifen, Hamas
Die Verwüstung durch Hamas-Kämpfer im Kibbutz Be'eri nahe der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen im Süden Israels am 14. Oktober 2023. Foto: Omer Fichman/Flash90

Itzhak Brik ist wahrscheinlich der einzige General, der jahrelang vor exakt diesem Horrorszenario gewarnt hat. Eine Bodeninvasion im Gazastreifen ist nicht die einzige Option. Bezüglich der Raketenangriffe aus dem Norden, muss sich Israel auf einen Mehrfrontenkrieg vorbereiten. Brik warnte unter anderem vor Problemen mit der Kompetenz der Bodentruppen und stellte klar, dass die Bodeninvasion kein zwingender Schritt sein muss. Aber gemäß Brick muss Israel dringend seine „Hard Disc wechseln“, spricht Grundlegendes verändern.

General Brik hat jahrelang vor den Schreckensszenarien gewarnt, die wir alle seit dem schwarzen Schabbatmorgen im Süden Israels live gesehen haben. Doch im Sicherheitssystem und in der politischen Staatsführung wurden seine strategischen Auslegungen nicht wahrgenommen, man betrachtete Itzhak Brik gar als Illusionisten.

„Es kann zu einem Massaker kommen, der Staat Israel hat die Gefahr noch nicht erkannt“, hatte Brick gewarnt. „Wir haben im Volk das Gefühl, dass alles großartig ist und kein Risiko besteht, aber der Öffentlichkeit wird nicht gesagt, dass sich Mächte (Hamas) vorbereiten. Das sind ausgerüstete, ausgebildete Kämpfer, die werden zu Fuß die Grenze überqueren und unsere Siedlungen im Süden angreifen und besetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist sehr groß. Hamas wird Siedlungen erobern, Granaten in Bunker und Schutzräume werfen und ein Massaker anrichten. Die Bürger, du und ich, müssen die Siedlungen verteidigen, denn die Armee wird nicht da sein.“ Brick hat diese Worte bereits vor Monaten geäußert, aber keiner wollte ihm zuhören. Nach dem Massaker im Süden haben jetzt alle ein Ohr für General Brick, selbst Bibi.

Premierminister Benjamin Netanjahu und Brik haben sich über die Fortsetzung des Krieges gegen die Terrororganisationen im Gazastreifen ausgesprochen, wie auch über die Entwicklungen an der libanesischen Grenze. Der General machte Netanjahu klar, dass seine Position darin bestehe, den chirurgischen Krieg fortzusetzen, die Streitkräfte zu teilen und durch eine hermetische Belagerung des Gazastreifens und durch die palästinensische Zivilbevölkerung eine Lösung zu finden. Seine Ansicht steht im Gegensatz zur taktischen Einstellung des Militärstabs, der davon ausgeht, dass ohne israelischen Bodeneinmarsch kein Erfolg im Gazastreifen möglich sei.

Itzhak Brik, Archivbild: Yonatan Sindel/Flash90

Brik warnte davor, dass sich die israelischen Streitkräfte in eine Luftwaffenarmee verwandelt haben und kritisierte die Führung in Tel Aviv für ihre Sensibilität gegenüber menschlichen Verlusten vor Ort. „Die heutige Situation der Landstreitkräfte ist tragisch, sie sind nicht kriegsbereit. Die Notvorräte stehen nicht bereit, die Übungen wurden eingestellt, und die Bataillone haben seit Jahren nicht mehr trainiert. Es gibt auch keine Ausbildung und Schulung an den Waffen, und die Armee ist nicht in der Lage, einen Angriff auszuführen. Der ehemalige Ombudsmann fügte hinzu, dass Technologie allein nicht ausreicht, um Kriege zu gewinnen. „Die Wahrheit ist, dass vom Oberkommando und durch den Sprecher der Armee eine imaginäre Realität geschaffen wurde. Außerdem haben die Soldaten in den letzten Jahren ihre Motivation und ihren Kampfgeist verloren, viele sind nicht bereit, in den Kampf zu ziehen.“

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff in Gaza-Stadt auf, 13. Oktober 2023. Foto: Atia Mohammed/Flash90

„Wer es gänzlich vermeiden will, auf dem Schlachtfeld zu verlieren, verliert völlig die Abschreckung der Armee und die Fähigkeit, den Krieg zu gewinnen. Diese Art des Denkens und des Managements der Sicherheitsebenen wird letztendlich zu schwereren Verlusten im Krieg führen“, sagte Brik im Mai zum Fernsehkanal 12.

Brik fügte hinzu, dass Israels Landarmee und das Reservesystem ständig ignoriert worden seien: „Wir haben die Fähigkeit zum Kampf zwischen den Armeen verloren und wurden zu einer eindimensionalen Luftwaffenarmee, die allein keinen Krieg gewinnen kann.“ Seiner Ansicht nach sind Israels Bodentruppen nicht kriegsbereit. Die Warnung folgt auf eine Reihe von Umfragen, die zeigen, dass ein großer Teil der israelischen Bürger den Glauben an die Zukunft ihres Landes verloren hat. Dies war besonders im Laufe des letzten Jahres zu beobachten, als sich das Volk bezüglich seiner politischen und rechtlichen Richtung uneinig war.

„In meiner Funktion als General habe ich mehr als 1.400 Einheiten besucht und mit Zehntausenden von Kommandeuren und Soldaten gesprochen, drei- bis viermal pro Woche, vier Stunden in jeder Einheit. Ich kenne die Armee vor Ort besser als jeder andere in den israelischen Streitkräften“, sagte Brik bereits vor Jahren. „Ich habe Soldaten gesehen, die sich nicht um ihre Waffen kümmern, bevor sie den Stützpunkt verlassen. Keine Armee der Welt verhält sich so. Die Soldaten haben ihre Smartphones überall dabei. Befehle werden über WhatsApp-Gruppen verschickt. Diese Telefone werden vom Feind ausfindig gemacht.“

Israelische Soldaten in einem Mobilisierungsgebiet nahe der israelischen Grenze zum Libanon, Nordisrael, 15. Oktober 2023. Foto: David Cohen/Flash90

Nicht nur das, auch sollen Befehle per E-Mail verschickt und dann gelöscht worden sein, sodass keine Folgemaßnahmen möglich sind. „Unser System hat jegliche Kontrolle verloren. Sind wir verrückt geworden? Ich kann nachts nicht schlafen. Unsere Bodentruppen und unser Panzerkorps sind nicht kriegsbereit“, warnte Brik kontinuierlich.

„Was ich Ihnen hier präsentiere, werden Sie von den obersten IDF-Führungskräften nicht hören. Viele der Kommandeure wissen nicht nur von nichts Bescheid, sondern selbst diejenigen, die Bescheid wissen, haben Angst, sich zu äußern, um nicht bestraft zu werden“, schrieb er und forderte die Mitglieder des Knessetausschusses für Sicherheit und Außenpolitik auf, mit Berufssoldaten im Einsatz und vor Ort zu sprechen. „Lassen Sie sich von ihnen zeigen, was vor sich geht, teilen Sie mit ihnen ihre Probleme und Schwierigkeiten. Es werden nicht die Divisions-, Brigade- und Bataillonskommandeure sein, von denen Sie etwas über die Realität erfahren, die im Feld herrscht. Sie sollten es von denen lernen, für die es die Routine ihres Lebens ist… Ihre Aussagen sind die Wahrheit.“

Israels gesamter Sicherheitsapparat ist gescheitert und hat sich zu sehr auf Technologie vermischt mit Hochmut verlassen. Aber das ist immer so in der Geschichte, oft werden diejenigen als Irren bezeichnet, die mit der Herde nicht im Chor singen, wie General Brik, der die Gefahr von unten sah.

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