Der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa hat vor seiner Abreise zur UN-Generalversammlung in New York erklärt, dass die laufenden Sicherheitsgespräche mit Israel „in den kommenden Tagen“ zu einem formellen Abkommen führen könnten. Laut Reuters bezeichnete er ein solches Abkommen als „Notwendigkeit“ für die Stabilität der Region. Bedingung sei jedoch, dass Syriens Lufthoheit respektiert, die territoriale Integrität gewahrt und das Abkommen durch die Vereinten Nationen überwacht werde.
Am Mittwoch traf sich Israels Minister für Strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, in London mit dem syrischen Außenminister Asaad al-Shaibani sowie dem US-Sondergesandten für Syrien, Tom Barrack. In den fünfstündigen Gesprächen, die von Washington vermittelt wurden, legte die syrische Seite ihre Antwort auf einen israelischen Vorschlag für ein Sicherheitsabkommen vor. Nach Berichten des US-Portals Axios wurden dabei Fortschritte erzielt.
Die USA drängen nach Angaben von Reuters auf eine Einigung noch vor Beginn der Generaldebatte der 80. UN-Generalversammlung in New York. Al-Sharaa wies allerdings den Eindruck zurück, Washington übe Druck auf Damaskus aus – die Vereinigten Staaten seien lediglich Vermittler.
Streitpunkte: Hermon und Golanhöhen
Syrien verlangt ein Ende israelischer Luftangriffe sowie den Rückzug der IDF von syrischem Territorium. Nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 hatte Israel strategisch wichtige Stellungen, darunter den Hermon, übernommen. Jerusalem machte mehrfach deutlich, diese Positionen halten zu wollen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.
Al-Sharaa verwies auf das Abkommen zur Truppenentflechtung von 1974 nach dem Jom-Kippur-Krieg als mögliches Vorbild für eine neue Vereinbarung. Über die Zukunft der Golanhöhen, die von den USA unter Präsident Donald Trump als israelisches Staatsgebiet anerkannt wurden, wolle man derzeit jedoch nicht sprechen – das sei „eine große Sache“. Israel wiederum lehnt einen Verzicht auf die Golanhöhen kategorisch ab.
Rückschläge durch Gewalt im Süden Syriens
Der syrische Präsident räumte ein, dass eine Einigung bereits vor einigen Wochen greifbar nahe gewesen sei. Doch der Ausbruch schwerer Kämpfe in der südlichen Provinz Sweida habe die Gespräche unterbrochen. Dort waren im Juli Gefechte zwischen regimetreuen Einheiten, Drusen-Milizen und sunnitischen Beduinenstämmen in Gewalt gegen Zivilisten eskaliert. Israel griff ein, um die drusische Minderheit zu schützen, und plant weitere Hilfsmaßnahmen.
Tom Barrack, der US-Sondergesandte, bezeichnete die Bemühungen um eine Lösung in Sweida als „Weg zu Versöhnung und Gerechtigkeit“. Auch US-Außenminister Marco Rubio knüpfte daran an und sprach von einer Politik der „Friedenssicherung durch Stärke“, die den Nahen Osten in Richtung Stabilität führen solle.
.@POTUS’s vision of peace through strength continues to guide our policy in the Middle East. Encouraged to see progress on the Suwayda roadmap, which seeks to advance accountability, reconciliation, justice for victims of atrocities, and minority rights in Syria. https://t.co/mdpOad1cTl
— Secretary Marco Rubio (@SecRubio) September 17, 2025
Ob die Gespräche zwischen Jerusalem und Damaskus tatsächlich in ein Abkommen münden, bleibt offen. Doch erstmals seit Jahren scheint sich ein Fenster zu öffnen, in dem beide Seiten zumindest über gemeinsame Sicherheitsinteressen verhandeln.




