Pessach: Das Reinigungsfieber vor der Befreiung

In der Woche vor Pessach werden mehr Putzmittel verkauft als im gesamten übrigen Jahr zusammen.

von Anat Schneider | | Themen: Guten Morgen
Foto: Gershon Elinson/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Jedes Jahr feiert das Volk Israel mit dem Pessachfest die Befreiung aus dem ägyptischen Sklavenland. Aber bevor wir alle um die festliche Tafel sitzen, wird das Haus blitzblank geputzt. Das nimmt immer die Woche vor Pessach in Anspruch. Es ist ein fester Bestandteil der jüdischen Tradition. Daher nennen wir es auch Reinigungsfest.

Was in Israel in dieser Woche los ist, kann man als Wahnsinn bezeichnen. In dieser einen Woche werden mehr Putzmittel verkauft als im übrigen Jahr zusammen. Es wird in dieser Woche über kaum etwas anderes gesprochen als über den Hausputz. Es ähnelt einem Wettbewerb, wer denn wohl zu Pessach die sauberste Wohnung hat.

In Israels Supermärkten ist es vor den Feiertagen besonders voll

In dem Moschaw, wo wir leben, ist es in der Woche vor Pessach oft nicht leicht, eine Putzkraft zu finden. In dieser Woche kann eine Raumpflegerin sich aussuchen, wo sie arbeitet. Sie schaut sich zuerst das Haus an und teilt danach mit, ob sie den Auftrag annimmt. So ging es auch mir. Die Interessentin checkte Zimmer für Zimmer, Küche, Bad, Balkon und so weiter. Und dann hieß es abwarten, ob ich bei ihr mitarbeiten darf, mein eigenes Haus zu putzen. Es gibt hier im Land eine Redensart, dass es besser ist, sein Haus zu putzen, bevor die Putzfrau kommt. Und eine andere Redensart sagt: Wirf nie deine Putzfrau raus, bevor du eine neue hast!

Meine Putzfee Tamara, die üblicherweise alle zwei Wochen unser Haus reinigt, musste ausgerechnet in dieser Woche in Quarantäne. Mein Mann hält das für eine Ausrede. Sie hat vielleicht dieses Jahr keine Lust, Häuser zu putzen. Aber wer weiß. Und so zerbreche ich mir den Kopf, wer in dieser Woche mein Haus putzen könnte. Pessach rückt näher, und das macht mich schon unruhig. Diesmal wollte ich mich auf niemanden verlassen, obwohl mir am Dienstag eine Putzfrau hochheilig versprochen wurde.

Reinigungsmittel sind zu Pessach besonders begehrt

Mir blieb nichts anderes übrig, als die Familie zur Hausreinigung heranzuziehen. Mit „Familie“ meine ich Aviel und Elad. Unser Jüngster lebt noch zu Hause, er ist gerade fertig mit der Armee. Ich habe den beiden erklärt, dass wir diesmal allein putzen müssen. Ich sah förmlich, wie mein Mann sofort ins Schwitzen kam. An dem Morgen, an dem ich die Operation Reinigung starten wollte, erklärte mir Aviel, dass er heute unbedingt laufen müsse. Und unser Sohn hatte woanders genächtigt und war zu müde.

Also fing ich allein an. Die Tradition saugte mich mit aller Gewalt in die Reinigung. Irgendwann kam mein Mann schwitzend nach Hause. Ich hatte den Eindruck, dass er länger laufen war als üblich. Na, sagte ich, bist du heute den Marathon gelaufen? Ausgerechnet heute? Er sagte: „Nein Schatz, nur zwölf Kilometer. Aber komischerweise war ich langsamer als sonst. Weißt du – der Bauch.“ Nun, es kann sein, dass ich im Stress der Reinigung mein Zeitgefühl verloren habe. Auf einmal wachte der Kleine auf und bat um Ruhe. Er war sauer, dass wir schon mit dem Putzen angefangen haben, denn seiner Meinung nach war Mittag abgemacht, und er wollte dabei helfen. Das stimmt zwar, aber ich wollte nicht so lange warten.

Schließlich hat Aviel mitgeholfen. Als wir noch Studenten waren, haben Aviel und ich gemeinsam Wohnungen in Jerusalem gereinigt. Er macht genau das, was ich ihm beim Putzen zutraue, nämlich die eher leichten Dinge. Aber er putzt. Auch Elad ist schließlich aufgestanden und reinigte wie ein Jecke sein Zimmer. Zu Pessach muss alles rein sein. Diesmal wird das Haus wieder voll. Unsere Mütter sind bei uns und Verwandte, knapp dreißig Leute am Tisch. Was für eine Freude! Auch wenn wie immer vor Pessach ein staubiger Regen unsere Fenster wieder dreckig macht, ist es mir egal. Tradition ist Tradition. Pessach ist ein Fest der Befreiung und der Erlösung. Dazu gehört auch das Reinigungsfieber.


Nach dem Putzen kommt die Befreiung

 

Am nächsten Donnerstagabend, den 25. März, treffen wir uns um 19:00 Uhr deutscher Zeit per Zoom. Aviel und ich wollen Sie kurz vor Pessach persönlich begrüßen, denn Sie alle sind uns wichtig. Mal sehen, wer bis dahin die Wahlen gewinnen wird. Wir freuen uns und laden alle unsere Mitglieder ein,  zum Pessachfest zusammen mit uns das Glas zu erheben.

 


Das Wetter für heute in Israel

Meistens bewölkt, aber für die Jahreszeit ungewöhnlich heiß. In den meisten Regionen können ein paar Regentropfen fallen, im Norden kann es neben vereinzelten Regenschauern auch zu Gewittern kommen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 27 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 24 Grad, Tiberias am See Genezareth 27 Grad, am Toten Meer 30 Grad, Beersheva 32 Grad, Eilat am Roten Meer 34 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,205  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen noch 40,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Die Redaktion von Israel Heute wünscht allen Lesern einen wunderbaren Montag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Jerusalem!

 

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