Palästinensische Fahnen auf dem Rabin-Platz

Um die 20.000 israelische Araber versammelten sich gestern auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv, um wie die Drusen eine Woche zuvor gegen das Nationalitätsgesetz zu demonstrieren. Doch statt zu zeigen, dass sie wirklich Teil der israelischen Gesellschaft sind, schwangen sie die palästinensische Fahne und forderten die Befreiung Palästinas.

(Foto: Tomer Neuberg/Flash90)

Nachdem sich vor einer Woche die Drusen zusammen mit vielen jüdischen Mitbürgern zu Tausenden auf dem Rabin-Platz versammelten, um gegen des umstrittene Nationalitätsgesetz zu demonstrieren, waren es gestern Abend die israelischen Araber, die dort gegen dieses Gesetz demonstrierten.

Doch während sich die Drusen mit dem Staat Israel identifizieren, in der Armee dienen und die Hatikva, die israelische Nationalhymne singen, und daher von vielen jüdischen Israelis bei der Demonstration unterstützt wurden, hatte die gestrige Demonstration der israelischen Araber einen ganz anderen Charakter. Der größte Teil der Israelis distanzierte sich von dem, was gestern in Tel Aviv geschehen war.

Was war geschehen? Man hätte erwartet, dass die arabischen Staatsbürger gestern gegen das Gesetz demonstrierten, weil auch sie sich, wie die Drusen, als ein Teil der israelischen Gesellschaft fühlen und sich durch das Gesetz als Bürger zweiter Klasse fühlen, so wie es die Drusen zum Ausdruck brachten. Man hätte erwartet, dass die israelischen Araber deutlich machen würden, dass auch sie ein Teil der israelischen Gesellschaft, ein Teil Israels, seien.

Doch stattdessen wurden während der Demonstration statt der israelischen Fahne zahlreiche palästinensische Fahnen gesehen. Auf dem Marsch der Demonstranten vom Rabin-Platz zum Platz vor dem Habima-Theater riefen viele Teilnehmer der Demonstration „Mit Blut und Feuer befreien wir Palästina!“ und schwenkten dabei die palästinensische Fahne.

”Mit Blut und Feuer befreien wir Palästina!”, gestern im Herzen Tel Avivs

Das Marschieren mit palästinensischen Fahnen im Herzen Tel Avivs und der Ruf nach der Befreiung Palästinas lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Die israelischen Araber fühlen sich nicht dem Staat Israel zugehörig, ganz im Gegenteil, sie sind gegen ihn, Sie rufen nach der Befreiung Palästinas, was gleichzeitig bedeutet, das Israel ihrer Ansicht nach gar kein Anrecht auf einen Staat hat, hier in „Palästina“, das befreit werden soll.

Was sollte diese Demonstration nun erreichen? Dass die Regierung begreift, dass sie einen Fehler gemacht hat, da auch die israelischen Araber ein Teil des Staates Israel ist, dass sie sich ihm verpflichtet fühlen und in ihm ihre Heimat sehen? Wenn das wirklich das Ziel dieser Demonstration gewesen sein soll, so so haben sie dieses Ziel gestern total verfehlt. Sie haben uns gezeigt, dass sie eben nicht zu Israel gehören, kein Teil der israelischen Gesellschaft sein wollen.

Unter den rund 20.000 Demonstranten gestern waren sicherlich auch einige israelische Araber, die sich tatsächlich als ein Teil des israelischen Staates sehen, vielleicht war es sogar die Mehrheit. Fairerweise sollte auch erwähnt werden, dass es arabische Israelis gibt, die in der Armee dienen, und immer mehr melden sich zum Dienst in der israelischen Polizei. Auch gibt es arabische Richter und sehr viele gute Ärzte in Israels Krankenhäusern. Doch was von der Demonstration gestern in Erinnerung bleibt, sind die palästinensischen Fahnen und der Ruf nach der „Befreiung Palästinas“.

Gestern hätten sich die israelischen Araber ins Bein geschossen, schrieb ein Journalist heute in der Zeitung Jediot Achronot. So sieht es aus. Viele werden heute ganz anders über unsere arabischen Mitbürger denken, als vor dem Schauspiel von gestern. Und das ist schade. Der Riss ist jetzt nur noch größer geworden.

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