Nur Mut!

Wir sind umgeben von “einer großen Wolke von Zeugen” (Hebr. 12,1)

Nur Mut!
Mila Aviv/FLASH90     

Christen kämpfen heute an mehreren Fronten – nicht nur mit Covid, sondern auch gegen zunehmende Versuche, sie mundtot zu machen. Mut ist das große Bedürfnis der Stunde.

Ein bestes Beispiel dafür ist Hatun Tash, die kürzlich in London von der Polizei abgeführt und zum Schweigen gebracht wurde, als sie öffentlich in der sogenannten „Speaker’s Corner“ eine Rede gehalten hatte. Die Evangelistin führt regelmäßig heiße Debatten mit Muslimen über Widersprüche im Koran. Die Dinge hatten sich offenbar so zugespitzt, dass die Polizei sie vom ikonischen Schauplatz der Redefreiheit im Hyde Park wegbegleitete – angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit. Letztendlich jedoch ist mit dem Verbot ihrer Kritik am Islam jetzt wohl diesem historischen Platz in England, der seit 1872 als Bastion der Meinungsfreiheit gilt, die Scharia auferlegt.

Tim Dieppe, Sprecher der Wahlkampfgruppe Christian Concern, erklärte: “Sie handelten, um den Islam vor Kritik zu schützen… Diejenigen, die die Drohungen aussprachen, hätten entfernt werden müssen, nicht Hatun. Das Ergebnis war, dass eine christliche Predigerin am Ort der Wiege der Meinungsfreiheit von der Polizei zum Schweigen gebracht wurde.“

Hatun ist gewarnt worden, dass sie verhaftet wird, wenn sie zurückkehrt. Welche Entscheidung sie auch trifft, sie wird sich des Wortes Gottes an Josua bewusst sein, als er die Israeliten ins Gelobte Land führen wollte: “Seid stark und mutig. Habt keine Angst; lasst euch nicht entmutigen, denn der Herr, euer Gott, wird bei euch sein, wohin ihr auch geht”. (Josua 1,9)

Dies ist besonders angebracht, da wir momentan das jährliche Laubhüttenfest feiern und dabei an das Wunder von Gottes Versorgung und Gegenwart in der Wüste denken, das sich jetzt im jüdischen Messias erfüllt hat, der seinen Jüngern versprochen hatte, bis zum Ende des Zeitalters bei ihnen zu sein. (Mt 28,20)

Apropos Mut: Unter denen, die den Juden während des Holocaust halfen, war eine bemerkenswerte und höchst unkonventionelle Nonne, die auch schon mal das ein oder andre Bier trank. Sie wurde als Mutter Maria bekannt und lebte in Paris, wohin sie zuvor aus dem revolutionären Russland geflohen war, und wo sie ein Heim für die Armen leitete.

Die Nonne war zweimal verheiratet und zweimal geschieden. Sie widmete ihr Leben der Aufgabe, allen eine “Mutter” zu sein, nachdem sie ihre einzige Tochter durch Meningitis verloren hatte. Als die Nazis die französische Hauptstadt übernahmen, konzentrierten Maria und ihr Sohn Jurij zusammen mit einem Priester namens Pater Dimitri ihre Bemühungen auf die Rettung der Juden. Als Adolf Eichmann allen Juden befahl, einen gelben Stern zu tragen, forderte sie: “Wenn wir wahre Christen wären, würden wir alle den Stern tragen”. Als einmal ein Pastor zu Besuch war, der mit der der Bewegung sympathisierte, die das Evangelium von allen nicht-arischen Elementen gereinigt sehen wollte, konfrontierte sie ihn: “Wie können Sie gleichzeitig Christ und Nazi sein?”

Als ein Gestapo-Offizier ihre 80-jährige Mutter Sophia verspottete, weil diese Maria dazu erzogen hatte, Juden zu helfen, antwortete die alte Dame: “Meine Tochter ist eine echte Christin… Für sie gibt es weder Griechen noch Juden. (Gal 3:28) Und als derselbe Offizier Pater Dimitri ins Gesicht schlug, weil dieser es gewagt hatte, davon zu sprechen, Juden aus christlicher Pflicht heraus zu helfen, hob der Priester sein Brustkreuz und fragte den Nazi: “Dieser Jude hier; kennen Sie ihn?

Diesmal wurde er zu Boden geschlagen. Später tröstete der Priester den jungen Jurij, während er sich weiteren Hohnreden gegenübersah, und sagte, dass Christus größeren Spott ertrug. Beide kamen im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben.

Mutter Maria wurde nach Ravensbruck verlegt, wo sie, nachdem sie außerordentliche Charakterstärke gezeigt hatte, indem sie junge Frauen mit ihrem immer fröhlichen Gemüt getröstet hatte, nur wenige Wochen vor der Befreiung unter entsetzlichen Bedingungen ums Leben kam. Kann man den Deutschen das alles verzeihen?

Nun, es gibt einen wesentlichen Aspekt des Mutes, der oft von Christen dargestellt wird, die durch die Hand anderer gelitten haben – und das ist die Kraft zur Vergebung.

Die niederländische Christin Corrie ten Boom überlebte Ravensbruck, wo ihre geliebte Schwester Betsie auf tragische Weise ums Leben kam. Und als sie nur zwei Jahre später, 1947, vor einer Kirche in München von Vergebung sprach, bat eine der Wachen, die sie so schrecklich misshandelt hatten, sie um Vergebung. Der ehemalige KZ-Wächter war Christ geworden und wusste, dass seine Sünden vergeben waren, wollte es aber von ihr persönlich hören.

Das erforderte großen Mut. Es war das Schwerste, was sie je tun musste. Aber sie wusste, dass wir ohne Vergebung einfach nicht weitermachen können – weder in dieser Welt noch in der nächsten.

“Denn ich musste es tun – das wusste ich”, sagte sie im November 1972. “Die Botschaft, dass Gott vergibt, hat eine Vorbedingung: dass wir denen vergeben, die uns verletzt haben. Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt”, sagt Jesus, “so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben”. (Mt 6,15)”

Ich schließe mit dem Zeugnis von Louis Zamperini, einem olympischen Athleten, der nach dem Absturz seines Flugzeugs im Zweiten Weltkrieg 47 Tage auf See überlebt hatte und dann von den Japanern gefoltert wurde. Zu Hause in Amerika hatte man schon geglaubt, er sei ums Leben gekommen. Doch schließlich konnte er als Held zurück in sein Land kehren.

Er litt jedoch schrecklich unter PTSD (posttraumatische Belastungsstörung) mit wiederkehrenden Alpträumen von seiner Folter, für die er Rache nehmen wollte. Seine Frau war im Begriff, sich von ihm scheiden zu lassen, da es so schwierig wurde, mit ihm zu leben. 1949 überredete sie ihn, den Evangelisten Billy Graham in Los Angeles zu hören. Er übergab sein Leben Jesus und löste sein Versprechen ein, das er gegeben hatte, als sein Leben auf See bedroht war, nämlich dass er ihm dienen würde, wenn Gott ihn rettet.

Louis war völlig verwandelt, als er schließlich mit einem weichen Herzen nach Tokio reiste, um seine früheren Entführer zu treffen – nicht, um Rache zu üben, sondern um sie zu umarmen und ihnen zu vergeben, so wie Jesus ihm vergeben hatte.

Ich glaube, uns Christen steht eine Zeit bevor, in der wir vermehrt Druck verspüren. Das erfordert neben der Bereitschaft, unseren Verfolgern zu verzeihen, auch den entsprechenden Mut. Wir müssen mit der vollen Rüstung Gottes bekleidet werden, “denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschenden, gegen die Mächte dieser dunklen Welt und gegen die geistigen Kräfte des Bösen in den himmlischen Reichen”. (Eph 6,12)

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