Schneider Aviel

Langeweile? Fehlanzeige!

Jeden Monat eine neue Zeitschrift auf die Beine zu stellen, ist nicht leicht. Es ist nicht nur eine Herausforderung, sondern ebenso eine große Verantwortung.

Foto: Israel Heute

Wöchentlich sitzen wir als Redaktionsteam zusammen und zerbrechen uns den Kopf, worüber wir schreiben und berichten sollten. Ehrlich gesagt ist es auf politischer Ebene nicht gerade spannend. Der Friedensprozess ist seit Jahren festgefahren und kommt nicht in Gang. Der israelisch-palästinische Konflikt schlummerte vor sich hin und erwachte als weltweiter Konflikt zwischen dem Islam und den von ihm sogenannten Ungläubigen.

 

Seit Jahren ist Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu der Herr im Haus. Ein ernstzunehmender Rivale ist nicht in Sicht. Das Volk ist rechtsorientiert, Israels linksliberale Parteien sind eine Randgruppe. Da tut sich also nichts. Und dennoch erwartet man von Israel immer etwas Dramatisches und Faszinierendes. Israel und langweilige Nachrichten – das passt nicht zusammen.

 

Aus diesem Grund führen wir oft heiße Debatten in unserer Redaktion, in denen wir Themen aufgreifen oder aufschieben. Wenn ich mit Ryan, Tzvi, Michael, David, Dov, Netanel und den anderen Mitarbeitern zusammensitze, sind wir uns auch nicht immer über alles einig. Eine Beratung kann schon mal etwas lauter werden, aber auch lustig und manchmal spritzig. Dazu habe ich noch meine üblichen Parlamentssitzungen im Café, gleich im Nachbarhaus. Da treffe ich Avschalom und andere Kollegen. Uns schwebt vor, einen realen Blickwinkel zwischen Bibel und Politik zu beschreiben. Auf keinen Fall „missbrauchen“ wir biblische Texte oder Ideen, um alle möglichen politischen Ereignisse damit zu rechtfertigen.

 

So befassen wir uns seit längerer Zeit mit einem Thema, auf das wir schon lange aufmerksam geworden sind. Ich meine die Wende innerhalb evangelikaler und christlicher Gemeinden weltweit, besonders in den USA, aber auch in Europa. Wir sehen, dass immer mehr Christen, besonders die jüngere Generation, sich von Israel abwenden. An dem Artikel auf den Seiten 4 und 5 haben wir mehrere Wochen gearbeitet. In dieser Zeit haben wir festgestellt, dass Gemeindeleiter in den USA wie auch in Deutschland, sowie messianische Gemeindeleiter in Israel darüber nicht öffentlich sprechen wollen.

 

Ein anderes Thema ist die geistliche Kluft innerhalb der jüdischen Gesellschaft zwischen orthodoxen und säkularen Juden. Auch hier möchten wir vorsichtig und verantwortungsvoll sein, wollen Orthodoxe nicht schlecht machen, was in den israelischen Medien leider oft der Fall ist. Im Ausland kann das leicht falsch verstanden werden. Zudem beobachten wir, dass der gesellschaftliche Umgang in Israel heute das damalige Leben im Neuen Testament reflektiert, oder umgekehrt. Damit gewinnen wir einen tieferen Einblick in die jüdische Glaubenswelt und verstehen die politische Energie im Volk. In diesen Zusammenhang gehört auch das messianische Judentum in Israel. Diejenigen, die behaupten, dass messianische Juden verfolgt werden, sollten wissen, dass es Reformjuden nicht besser ergeht. Diese werden von orthodoxen Rabbinern ebenfalls nicht als koschere Juden betrachtet.

 

Das und vieles mehr liegt auf unserem Tisch. Glaubt mir, der geistliche Konflikt im Volk ist heute spannender als der politische. Gut, dass es zwischendurch guten Espresso gibt.

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