Zu einer Zeit, als Hitler versuchte, uns Schaden zuzufügen, gab es einen Deutschen, der kam, um uns zu segnen!
Der Holocaust-Überlebende Werner Simonson floh kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland, um später Pfarrer der anglikanischen Kirche von England zu werden.
Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er von den Nazis aus seinem Richteramt entlassen und musste jahrelang die Trennung von seiner nichtjüdischen Frau und seinem Sohn ertragen, bevor die Familie nach dem Krieg wieder vereint wurde.
Wie John Wesley, der als Kind aus einem brennenden Pfarrhaus gerettet wurde, war auch Werner „ein aus dem Feuer gerissenes Holzscheit“. Während einer Schlacht gegen Frankreich im Ersten Weltkrieg stand er kurz vor seiner Hinrichtung, nachdem er und seine Kameraden zu Unrecht beschuldigt worden waren, auf französische Kriegsgefangene geschossen zu haben. Doch gerade noch rechtzeitig berichtete einer dieser Gefangenen dem Erschießungskommando, wie freundlich Werner ihn behandelt und sogar seine Essensrationen mit ihm geteilt hatte.
So wurde der deutsche Soldat verschont, verbrachte jedoch die nächsten fünf Jahre in französischer Gefangenschaft. Seine Zeit als Kriegsgefangener endete erst 1920, nachdem er bei der Beseitigung von Kriegsschäden in Nordfrankreich eingesetzt worden war.
Als er schließlich freigelassen wurde, kam er gewissermaßen „vom Regen in die Traufe“, denn Deutschland war nach seiner schmählichen Niederlage in Verzweiflung und Spaltung versunken.
Dennoch stieg Werner rasch zum Richter an einem Obergericht auf, bevor ihn die Nazis aus seinem Amt entließen, als sie seine jüdische Herkunft entdeckten. Dass er für Deutschland gekämpft und für seine Tapferkeit das begehrte Eiserne Kreuz erhalten hatte, zählte nichts mehr.
Der zunehmende Druck durch die ständige Angst vor einer Verhaftung führte schließlich zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch. Doch als er an der Konfirmation seiner Nichte in einer lutherischen Kirche teilnahm und sich am Ende seiner Kräfte fühlte, war es, als würde der Prediger direkt in seine verzweifelte Lage hineinsprechen. Er öffnete sein Herz für Christus und fand neues Leben und neue Hoffnung. „In der völligen Dunkelheit, die mein Leben umhüllt hatte, sah ich ein neues Licht“, erinnerte er sich.
Er schloss sich der Bekennenden Kirche an, die sich der antisemitischen Politik der Nazis widersetzte, und erhielt den Rat, aus Deutschland zu fliehen. Dies gelang ihm mit Hilfe des Bischofs von Chichester, Dr. George Bell. Werners Frau Leonie und sein Sohn Jürgen blieben zurück, konnten ihm jedoch nach dem Krieg folgen.
Da er Deutscher war, wurde er zunächst zusammen mit anderen auf der Isle of Man interniert, wo er andere Juden zum Glauben an Christus führte. Doch dann erreichten ihn tragische Nachrichten: Er erfuhr vom Tod seines Vaters, von der Ermordung seiner Mutter in einem Konzentrationslager und davon, dass seine Schwester Ilse in Auschwitz vergast worden war.
Werner sprach kaum Englisch, als er nach Großbritannien kam, erregte jedoch großes Interesse, als er in der St.-Pauls-Kathedrale zum Geistlichen ordiniert wurde – zu einer Zeit, als sich Großbritannien mitten im Krieg mit seinem Heimatland befand.
Später wurde ihm angeboten, sein früheres Richteramt in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland wieder zu übernehmen. Außerdem sollte er eine Pension für die Stelle erhalten, aus der ihn die Nazis zuvor entlassen hatten. Doch er lehnte das großzügige Angebot ab.
„Ich konnte den Dienst im geistlichen Amt Gottes nicht gegen den Dienst bei der Anwendung von Menschen gemachten Gesetzen eintauschen. Dieses Angebot anzunehmen, hätte bedeutet, Gottes Berufung an mich aufzugeben, und das konnte ich nicht tun.“
Doch dieser bescheidene und zurückhaltende Mann sollte in den folgenden Jahren einen bedeutenden Einfluss ausüben, als er in drei verschiedenen Londoner Kirchengemeinden das Evangelium verkündete. Schließlich kam er an die St.-Luke’s-Kirche in Hampstead, wo er von 1956 bis 1965 noch mehr jüdischen Menschen half, ihren Messias zu erkennen.
Bis fast zu seinem letzten Atemzug im Jahr 1991 verkündete er leidenschaftlich Christus. Er wurde 101 Jahre alt.
Charles Gardner ist Autor von Israel the Chosen, erhältlich bei Amazon; Peace in Jerusalem, erhältlich bei olivepresspublisher.com; To the Jew First, A Nation Reborn und King of the Jews, alle erhältlich bei Christian Publications International.




