Jordanien will von der Post-Netanjahu-Ära in Israel profitieren

Jordanier sagen gegenüber Israel Heute, dass sie auch Naftali Bennett misstrauen, aber wissen, dass er nicht als unabhängiger Entscheidungsträger regiert

von Rami Dabbas | | Themen: Jordanien
Foto: Flash90

Israels Wirtschaftsministerin Orna Barbivai und der jordanische Minister für Industrie und Handel, Yousef Alshamali, haben sich vor ein paar Tagen in Jordanien getroffen, um über die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Nachbarländern zu beraten. Es war das erste Treffen dieser Art seit einem Jahrzehnt und findet zu einer Zeit statt, in der Israel die Beziehungen zu Jordanien, die während der langen Amtszeit des früheren Premierministers Benjamin Netanjahu etwas angespannt waren, unbedingt erhalten und ausbauen möchte.

Während des Treffens erörterten die Minister die Erneuerung des Handelsabkommens zwischen den beiden Ländern, die gegenseitige Anerkennung von Normen, den Ausbau des Tourismus und vieles mehr.

Außerdem unterzeichneten sie ein Abkommen, das die Obergrenzen für Produkte, die Jordanien in die Palästinensische Autonomiebehörde exportieren darf, in Zukunft erweitern wird. Israel erkennt die Bedeutung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Haschemitischen Königreich als ein strategisches Ziel an, das für die regionale Stabilität wichtig ist.

Die Ministerin für Wirtschaft und Industrie, Orna Barbivai (Jesch Atid) kommentierte: „Die zwischen der israelischen Regierung und Jordanien vereinbarten Handelsvorteile sind eine wichtige Dimension bei der Stärkung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Vertiefung der zivilen und wirtschaftlichen Beziehungen trägt zu den bilateralen Beziehungen, zur nationalen Sicherheit und zum Schutz der längsten und ruhigsten Grenze Israels bei.“

Der jordanische Minister für Industrie und Handel, Yousef Alshamali, konzentrierte sich auf den palästinensischen Aspekt und wies darauf hin, dass durch das neue Abkommen etwa 425 neue Produkte im Wert von 730 Millionen Dollar jährlich in die Palästinensischen Autonomiegebiete eingeführt werden können, ohne dass Israel Zölle oder Steuern erhebt.

„Die neuen Handelsvereinbarungen sind ein neuer Impuls für den Aufbau langfristiger Kooperationsbeziehungen zwischen Vertretern des Privatsektors in Jordanien und Palästina“, so Alshamali.

Alshamali (links) und Barbivai diese Woche in Amman.

Jordanische Reaktionen

Israel Heute hat mit Lorance Awwad gesprochen, dem Leiter der Watan Association for Human Rights in Amman. Seine Reaktion auf dieses Abkommen: „Israel und Jordanien haben mehr gemeinsam als uns trennt, daher freue ich mich über dieses Abkommen und die verstärkte Zusammenarbeit“.

Abdullah Sawalha, ein politischer Analyst und Direktor des Zentrums für israelische Studien und Forschung in Amman, fügte hinzu: „Dies ist eine neue Ära nach den langen Streitigkeiten in den Tagen der Netanjahu-Regierung.“

Gleichzeitig ist Sawalha, wie viele Jordanier, jedoch misstrauisch gegenüber dem neuen israelischen Premierminister Naftali Bennett, der ein religiöser jüdischer Nationalist ist und noch weiter rechts steht als Netanjahu.

„Wir sollten nicht auf den derzeitigen israelischen Premierminister setzen“, betonte Sawalha. „Seine Haltung zum israelisch-palästinensischen Konflikt und seine Ablehnung einer Zwei-Staaten-Lösung sind problematisch. Außerdem hat er nur eine begrenzte Unterstützerbasis in Israel und ist nur durch außergewöhnliche Umstände und nicht durch einen stabilen politischen Prozess zum Premierminister geworden.“

Bennett, fügte Sawalha hinzu, sei kein unabhängiger Entscheidungsträger, wie es Netanjahu war. Darin sieht er eine Chance. „Die neue israelische Regierung ist politisch und ideologisch nicht homogen. Es gibt viele Unterschiede und Widersprüche, und das ist eine Chance für Jordanien, um Gewinne zu erzielen“, erklärte Sawalha.

Der Oppositionsaktivist Anwar Majali erinnerte daran, dass die meisten Menschen in Jordanien einen palästinensischen Hintergrund haben und keine weitere Normalisierung zwischen den beiden Ländern wünschen. Wir alle wissen jedoch, dass die arabischen Regierungen nicht den Willen des Volkes repräsentieren, sodass solche Abkommen nicht überraschend sind, solange es diese Regierungen gibt“, erklärte er etwas bedrohlich.

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