Israels Regierung greift hart durch, um Christen zu schützen

Vertreter der Koalition sagen, das Anspucken von Christen sei verwerflich, die Verhaftung der Täter aber ungerechtfertigt.

von Ryan Jones | | Themen: Christen
Israelische Polizisten trennen orthodoxe Juden und Christen in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Isaac Herzog haben sich am Dienstag für den Vorfall entschuldigt, bei dem orthodoxe Juden gegen die Anwesenheit von Christen in Jerusalem während des Laubhüttenfestes Sukkot protestiert hatten.

Mitglieder der Koalition sagen jedoch, Bibi sei zu weit gegangen, um die christliche Welt zu besänftigen.

 

Erhöhte Spannungen

Da Sukkot eines der drei biblischen Wallfahrtsfeste ist, nimmt die Zahl der religiösen Juden in Jerusalem zu dieser Jahreszeit zu. Und viele von ihnen sind nicht glücklich darüber, ihre heilige Stadt mit denen zu teilen, die sie als „Missionare“ betrachten.

In der Pais-Arena in Jerusalem versammelten sich am Dienstagabend mehrere Dutzend orthodoxe jüdische Demonstranten vor der Internationalen Christlichen Botschaft, die das jährliche Laubhüttenfest feierte.

Sie trugen Plakate mit der Aufschrift: „Eure Absichten sind entlarvt! Hört auf, euch zu verstellen!“

Diese Strömung unter den orthodoxen Juden glaubt, dass der christliche Zionismus ein trojanisches Pferd ist, eine neue, freundlichere Taktik, um die Juden zum Christentum zu „bekehren“, nachdem jahrhundertelange kirchliche Verfolgung ihre Wirkung verfehlt hat.

Der Sprecher der Christlichen Botschaft, David Parsons, gab eine Erklärung ab:

„Wir müssen die Ersten sein, die zugeben, dass es eine viel längere und schmerzliche Geschichte christlicher Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Volk gibt. Aber glücklicherweise hat sich die Haltung der Christen gegenüber der Nation und dem Volk Israel in unserer Zeit grundlegend geändert. Die überwältigende Mehrheit der Israelis, denen wir begegnen, weiß das und hat uns zu Sukkot wieder herzlich in Jerusalem willkommen geheißen. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir die Freude dieses einzigartigen biblischen Festes mit unseren jüdischen Freunden teilen können, und wir werden uns nicht davon abbringen lassen, Israel zu lieben und zu unterstützen“.

Zuvor hatten mehrere orthodoxe Juden auf dem Weg zu den Sukkot-Gebeten in der Jerusalemer Altstadt auf den Boden gespuckt, als sie an einer Gruppe christlicher Pilger vorbeikamen, die ein großes Holzkreuz trugen.

Der Vorfall wurde gefilmt und von Gegnern Israels im Internet begeistert als „Beweis“ für den Hass der Juden auf die Christen verbreitet.

Die Einzeltat wurde von führenden israelischen Politikern scharf verurteilt.

Dutzende orthodoxe Juden halten Schilder mit der Aufschrift : „Eure Absichten sind entlarvt! Hört auf, euch zu verstellen!“, während eines Protests vor einer Veranstaltung der Christlichen Botschaft zum Laubhüttenfest in der Pais Arena in Jerusalem am 3. Oktober 2023 (Chaim Goldberg/FLASH90).

 

Null Toleranz

Nach dem Spuckvorfall in Jerusalem gab Netanjahu folgende Erklärung ab:

„Israel ist voll und ganz dem Schutz des heiligen Rechts auf freie Religionsausübung und Pilgerreisen zu den heiligen Stätten aller Religionen verpflichtet. Ich verurteile auf das Schärfste jeden Versuch, Gläubigen Schaden zuzufügen, und wir werden unverzüglich Maßnahmen gegen solche Handlungen ergreifen.

„Beleidigendes Verhalten gegenüber Gläubigen ist eine Entweihung und kann nicht hingenommen werden. Wir werden null Toleranz zeigen, wenn Gläubigen Schaden zugefügt wird“.

Staatspräsident Herzog bekräftigte diese Haltung in einer Videoansprache vor der Versammlung der Christlichen Botschaft:

„Wir werden darauf bestehen, alle Religionsgemeinschaften, die das wunderbare menschliche Mosaik unseres Landes ausmachen, zu schützen und jede Stätte, jeden religiösen Führer und jeden Menschen vor abscheulichen Äußerungen des Hasses und der Intoleranz zu bewahren.

„Diese Verpflichtung gehört zum Kern dessen, was wir als jüdischer und demokratischer Staat sind. Und wir werden dabei niemals Kompromisse eingehen.“

 

Täter verhaftet

Für einige überraschend reagierte die Regierung mit der Verhaftung von fünf orthodoxen Juden, die verdächtigt werden, an dem Spuckvorfall gegen Christen beteiligt gewesen zu sein.

Polizeibeamte erklärten, die Verdächtigen würden wegen Körperverletzung angeklagt, obwohl frühere Versuche, sie wegen Spuckens zu verurteilen, mit der Begründung abgewiesen worden waren, die Tat erfülle nicht die Kriterien eines gewalttätigen Angriffs.

Der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, betonte unterdessen, dass die ganze unglückliche Episode übertrieben sei.

Das Bespucken christlicher Pilger „verdient jede Verurteilung. Es sollte gestoppt werden. [Aber es ist kein Verbrechen. Wir müssen mit Anweisungen und Aufklärung dagegen vorgehen. Nicht alles rechtfertigt eine Verhaftung“, sagte Ben-Gvir am Mittwochmorgen im Armeeradio.

Die harte Reaktion sei ein weiterer Versuch, die religiöse Rechte in Israel als bigotte Kriminelle zu diffamieren.

Der prominente rechte Knessetabgeordnete Simcha Rothman wies darauf hin, dass es an Jom Kippur mehr als ein Dutzend Fälle gegeben habe, in denen jüdische Gottesdienste gestört und orthodoxe Gläubige belästigt worden seien, ohne dass es zu Verhaftungen gekommen sei.

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3 Antworten zu “Israels Regierung greift hart durch, um Christen zu schützen”

  1. Andrew Manner sagt:

    Kindergartenmentalität auf beiden Seiten.
    …“
    Ist denn gar kein Weiser unter euch, auch nicht einer, der zwischen Bruder und Bruder richten könnte?  Sondern ein Bruder rechtet mit dem andern, und das vor Ungläubigen!  Es ist schon schlimm genug, dass ihr miteinander rechtet. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?  Sondern ihr tut Unrecht und übervorteilt, und das unter Brüdern!  Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden?
    …“

  2. Jörg Rene Rodegra sagt:

    Wenn Religion zum Volkssport wird….
    Jesus, als Jude im damaligen Palästina, wurde auch angespuckt! Er hat Gott darum gebeten, den Menschen, die ihn drangsaliert und getötet haben, diese Sünden nicht zuzurechnen. Zudem war ER unschuldig! Er wurde somit ohne Grund gedemütigt und getötet….

    ER ist der WEG, die WAHRHEIT und das LEBEN, auch für die Juden, den ER ist ihr Sohn und ihr König!!!

    Wenn die Juden geistig erwachen (oder von den Toten auferstehen), dann stehen sie im Licht Gottes, da gibt es keine Schatten, dann werden sie Gott erkennen. Geistig sind sie derzeit jungfräulich, sie haben halt viele Traditionen, jedoch keine wirkliche Erkenntnis.
    Shalom

  3. Melki Tekin sagt:

    Als ich von „Bespucken an christlicher Pilger“ las, fürchte ich von eine Plage und es wurde tatsächlich am 7. Oktober passiert. Lasst uns dem Allmächtigen Gott fürchten! Es geht nicht um Christ oder Jude zu sein. Es geht nur um Gutes zu tun in dem Land!

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