Israels christlicher Kibbutz

In den Ausläufern des Karmel-Gebirges, in der Nähe von Sichron Jaakov, liegt ein christlicher Kibbutz, dessen Einwohner versuchen, wie zu Zeiten der frühen Kirche zu leben.

von David Lazarus | | Themen: Christen
Foto: Creative Commons

Bei meinem letzten Besuch dieser besonderen christlich-zionistischen Gemeinde, in der die Mädchen ihre Haare zum Dutt aufstecken und lange Röcke und langärmelige Blusen tragen, wurde ich nicht nur an die Amish, sondern auch an gewisse orthodoxe jüdische Gemeinden erinnert. Sie haben keinen Fernseher, gehen nicht ins Kino und besitzen persönlich auch kein Land. Ihre Mahlzeiten nehmen sie gemeinsam ein. Sie erhalten etwas Geld für ihre Arbeit in der Gemeinde.

 

Das Haus Gottes

Der Kibbutz nennt sich Beth El, Haus Gottes, und wurde 1963 von Emma Berger gegründet. Die Deutsche hatte in Israel eine „göttliche Heilung“ erfahren. Bergers charismatische Führungspersönlichkeit zog viele Christen aus Deutschland an, die bereit waren, nach Israel zu ziehen und dort auf die Rückkehr des Messias zu warten.

In der Bäckerei der Gemeinde begrüßt mich eine hübsche junge Frau. Mit einem sanften Lächeln erzählt sie mir, wie sie vor 20 Jahren mit ihrer Familie hierherkam, als sie neun Jahre alt war: „Meine Familie antwortete auf die Worte Jesu: Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!“ Sie ist erstaunt, als ich, ein israelischer Jude, offen über meinen Glauben an Jesus spreche. In den 20 Jahren habe sie nie einen jüdischen oder arabischen Gläubigen kennengelernt. „Wir sind etwas verschlossen“, erklärt sie, ist aber sichtlich stolz, als sie sagt, dass die Jungs ihres Dorfes in der Armee dienen, wenn sie 18 werden.

Heute zählen etwa 800 Mitglieder zur Gemeinde. Die Kinder besuchen die Schule im Kibbutz, die mit dem Kindergarten beginnt und bis zur 12. Klasse läuft. Die Absolventen erhalten eine höhere Ausbildung und können danach in den Unternehmen des Kibbutzes arbeiten. Neue Mitglieder geben ihren gesamten Besitz an die Gemeinde. Sollte ein Mitglied den Kibbutz verlassen, wird sein ehemaliger Besitz nicht zurückgegeben. Sollte sich die Gemeinde auflösen, fällt ihr gesamter Besitz dem Staat Israel zu.

 

Dem Staat Israel verpflichtet

Im Zusammenhang mit seiner Verpflichtung zu Israel hat der Kibbutz Beth El 1977 ein Unternehmen gegründet, das Belüftungs- und Luftfiltersysteme herstellt, die Schutz gegen nicht-konventionelle Waffen bieten. Die Systeme belüften Schutzräume in Krankenhäusern, Schulen, Regierungsgebäuden und Militäranlagen, aber auch Rettungswagen. Nach dem Golfkrieg von 1992 wuchs das Unternehmen exponentiell. Beth El Industries ist mit über 600 Angestellten der größte Arbeitgeber der Zichron-Yaakov-Region.

Im Interview mit der Zeitung Haaretz sagte Geschäftsführer Albrecht Fuchs: „Wir sind christliche Zionisten, die sich zum Dank an das Volk Israel verpflichtet fühlen. Wir glauben, dass unsere Erlösung aus dem auserwählten Volk kommt. Was Beth El hier tut, soll dem Aufbau des Landes helfen, nicht unsere Taschen füllen. Wir kommen aus reichen Ländern, uns fehlt es an nichts.“

Anfangs fürchteten die Nachbarn, dass Beth El missionieren wolle. Es wurden Demonstrationen gegen Beth El organisiert. Heute ist die Gemeinde jedoch akzeptiert, besonders weil sie so vielen Israelis Arbeit gibt. Beth El könnte auch der Name einer jüdischen Firma sein. So kommt es, dass die christliche Gemeinschaft nicht auffällt, was anscheinend auch ihr eigener Wunsch ist.

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