Israel Heute Morgen – Alle lieben Fußball

Fast alle lieben Fußball. Das ist haben sogar die israelischen Sicherheitskräfte bemerkt. Seit Beginn der Fußball-WM in Russland ist es viel ruhiger geworden. Doch kaum gab es einen Tag ohne Spiele, ging es am Grenzzaun wieder los. Vielleicht können wir daraus etwas lernen.

von | | Themen: Guten Morgen

Guten Morgen liebe Leser!

Ich mag die Sommerferien, auch wenn ich selbst keine Ferien habe. Auch wenn ich mal etwas später von zuhause los fahre, brauche ich mir in den kommenden zwei Monaten keine Sorgen darüber zu machen, in einen Stau zu geraten. Die Straßen sind einfach frei, Auch meine Fahrt nachhause am Nachmittag ging zügig voran. Nach weniger als 30 Minuten war ich bereits zuhause. Es scheint eben doch eine stattliche Zahl an Arbeitnehmern zu geben, die jetzt Urlaub genommen haben. Auf unserem Ben Gurion Flughafen geht es jetzt nämlich alles andere als ruhig zu, wie ich in den Nachrichten gehört hatte. Es ist heutzutage sehr billig, ins Ausland zu fliegen. Daher kann ich jetzt die relativ leeren Straßen genießen. Und auch das Wetter ist zur Zeit einfach perfekt. Morgens noch etwas köhl und mittags nicht zu heiß. Das darf gerne so bleiben.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis wolkig mit einem weiteren leichten Anstieg der Temperaturen in den Bergen und im Landesinneren. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 31 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 38 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um anderthalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.685 m unter dem Meeresspiegel.

Und dann ist da noch die Fußball-WM, die noch bis zum 15. Juli in Russland stattfindet. Neben tollen Spielen mit vielen Überraschung scheint die WM auch einen guten Einfluß auf das Geschehen hier bei uns in Israel zu haben. Denn seit Beginn der WM ist es irgendwie ruhiger geworden. Ich habe ewig nichts von einem Terroranschlag, einer Messerattacke oder ähnliches gehört. Das mag jetzt irgendwie verrückt klingen. Was hat Fußball mit der Lage hier bei uns zu tun, mag man sich fragen. Scheint es aber zu haben. Denn seit Beginn der WM gab es bisher nur einen Tag, an dem keine Spiele stattgefunden haben, das war der letzte Freitag. Und an diesem Tag gab kamen plötzlich wieder um die 2000 Bewohner des Gazastreifens an den Grenzzaun, um zu protestieren und den Zaun zu durchdringen. Leider sind dabei zwei Menschen ums Leben gekommen. An den zwei Freitagen davor, kamen nur ein paar hundert Menschen an den Grenzzaun. Auch Demonstrationen gab es kaum.

Lieber Fußball gucken als an den Grenzzaun gehen. “Public Viewing” in Gaza

Bei uns in den Medien wurde schon darüber gesprochen, ob man nicht immer irgendein Fußballturnier veranstalten sollte, damit es ruhig bleibt. Das war natürlich nicht ernst gemeint. Dennoch ist es schon interessant, wie es der Fußball schafft, sich positiv auf den Menschen auszuwirken. Oder ist es gar nicht nur der Fußball. Vielleicht machen viele der Araber in Gazastreifen bei den Unruhen am Grenzzaun einfach nur mit, weil ihnen langweilig ist? Denn kaum jemand findet dort einen Arbeitsplatz, die Lebensbedingungen sind größtenteils schlecht, Strom gibt es nur für einige Stunden am Tag, wegen des Streits mit der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah unter Mahmud Abbas, die eigentlich schon seit langem die Kontrolle über den Gazastreifen hätte bekommen sollen. Die Hamas gibt ihr Geld lieber für den Terror aus, anstatt sich um ihre Bürger zu kümmern. Natürlich gibt es auch in Gaza Ausnahmen, auch jetzt gibt es dort reiche Menschen, Einkaufszentren und Luxushotels. Aber eben nur für einen kleinen Teil. Und wegen dieser Lage kommt die Fußball-WM wohl gerade rechtzeitig, eine willkommene Abwechslung. Vielleicht sollte uns das zu denken geben. Denn so wie jetzt kann es nicht weitergehen, das weiß man sicher auch auf unserer Seite, der israelischen.

Kurze Pause. Ein Fußballspiel während der Demonstrationen am Grenzzaun im Gazastreifen (Foto: Abed Rahim Khalib/Flash90)

Ich muss mich jetzt wieder an einen israelisch-deutschen Kinofilm erinnern, der die Sache mit dem Fußball und den israelisch-palästinensischen Konflikt noch weiter entwickelt. Ich hatte Ihnen schon vor etwas mehr als einem Jahr davon erzählt. In dem Film „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“ geht es um ein Fußballspiel zwischen Israel und Palästina, das den Konflikt ein für alle Mal lösen soll. Wer das Spiel gewinnt, bekommt das Land. Eine amüsante Idee. Trainer der israelischen Nationalmannschaft ist in dem Film ein Deutscher, der nun die Verantwortung für das Schicksal des jüdischen Volkes hat. Ich habe den Film leider immer noch nicht gesehen, weiß also nicht, wer das Spiel gewonnen hat.

“Bei Abpfiff Frieden, Trailer zum Film

Aber Spaß beiseite. So komisch es aussehen mag, der Fußball hat einen positiven Einfluß auf die Lage hier bei uns. Das war auch während des Gazakriegs im Sommer 2014 so. Ich erinnere mich noch an das Finale zwischen Deutschland und Argentinien, kaum war Halbzeit, gab es einen Raketenalarm. In der 2. Halbzeit war dann bis nach der Siegerehrung wieder Ruhe, danach ging es weiter.

Wir sollten versuchen, vielleicht etwas daraus zu lernen, die Situation in den Griff zu bekommen. Wir alle sind Menschen, wir brauchen nur etwas, das uns beschäftigt, uns fesselt, uns Spaß macht, irgendetwas. Und das muß gefunden werden. Was die Lösung sein wird? keine Ahnung.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen und friedlichen Montag und einen guten STart in die neue Arbeitswoche. Heute gibt es wieder zwei Fußballspiele zu sehen. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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