Israel Heute Morgen

Eigentlich beginne ich meinen morgendlichen Bericht immer mit dem Wetter. Aber heute fällt es mir etwas schwer. Ein paar Worte und Gedanken zu dem gestrigen Anschlag in Har Adar, der guten Nachbarschaft und Freundschaft mit Abu Gosh, wie aus einem netten Arbeiter ein Terrorist wird und natürlich das Wetter für heute in Israel.

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Guten Morgen liebe Leser!

Eigentlich beginne ich meinen morgendlichen Bericht immer mit dem Wetter. Aber heute fällt es mir etwas schwer. Es ist der erste Morgen nach dem Terroranschlag in Har Adar, bei dem drei Israelis getötet wurden. Es ist ein trauriger Morgen, die Zeitungen beschäftigen sich auf den ersten Seiten fast nur mit dem Anschlag und dem tragischen Ausgang, mit den Geschichten der Opfer.

Von rechts nach links: Israel Hayom: „Mein Held, ich habe die Liebe meines Lebens verloren“ – Maariv: Sicherheitsdienst empfiehlt: Keine Annullierung der Arbeitserlaubnis – Jediot Achronot: Salli, mein Held – Zwei vom selben Berg (unten)

Interessant ist, dass die Zeitung Maariv sich auf der Titelseite bereits mit den möglichen Folgen des Anschlags beschäftigt, während die anderen beiden Zeitungen auf ihren Titelseiten noch sehr emotionell von den Beerdigungen und der Trauer berichten.

Gestern Abend berichteten auch alle drei großen Fernsehsender fast ausschließlich vom gestrigen Anschlag. Dieser wird nicht nur wegen des tragischen Ergebnisses besonders intensiv behandelt, sondern auch, weil er sich an einem Ort ereignet hatte, wo es bis jetzt noch nie einen Terroranschlag gegeben hatte. Har Adar und die Umgebung war das Vorzeigemodell der Koexistenz, des Zusammenlebens. Das zeigt schon die Tatsache, dass einer der getöteten Wachmänner ein Araber aus dem benachbarten Dorf Abu Gosh stammte. Abu Gosh war schon bei der Staatsgründung auf der Seite Israels. Es war das einzige Dorf, das sich für ein Leben in dem neugegründeten Staat entschieden hatte. Daher wurde es im Unabhängigkeitskrieg von den israelfeindlichen Arabern der Kollaboration mit Israel beschuldigt. Die Freundschaft mit Abu Gosh hält auch heute an. Darüber werde ich Ihnen mal in einem späteren Artikel erzählen. Seit gestern verbindet nun auch die gemeinsame Trauer das Dorf Abu Gosh und den Ort Har Adar.

Auf meinem Rückweg nach Modiin hörte ich gestern im Radio Gespräche mit Bewohnern von Har Adar, unter anderem sprach dort auch eine ehemalige Arbeitskollegin von mir aus meiner Zeit am Fernsehen. Sie wohnt in Har Adar und hat den Terroristen, so wie viele andere Bewohner des Ortes, persönlich gekannt. Er hatte früher für den Landkreis gearbeitet und auch danach wurde er oft zu Arbeiten von den Bewohnern eingeladen. Jahrelang hätte man sich gekannt. Man habe sich auch sehr persönlich unterhalten, sich nach dem gegenseitigen Wohlbefinden erkundigt. So war auch der Streit des Terroristen mit seiner nach Jordanien geflohenen Frau kein Geheimnis.

Sharon Wexler, verantwortlich für den Wetterbericht im Fernsehen und eine ehemalige Kollegin, wohnt in Har Adar. Sie sprach mit Nachbarn, die den Terroristen persönlich kannten und zeigt auch, wie alle arabischen Arbeiter nach dem Anschlag versammelt wurden, um nochmals kontrolliert zu werden (Das Video ist auf Hebräisch, aber ich wollte es Ihnen dennoch zeigen).

Heute sollte Nimer Mahmoud Ahmad Jamal, so der Name des Terroristen, mit Reinigungsarbeiten in einem der Häuser in Har Adar beschäftigt sein. Doch dazu kommt es nicht mehr. Und da frage ich mich, ob diese guten Beziehungen nur gespielt waren. Es hätte doch ein Dutzend andere Möglichkeiten gegeben, sein Leben zu beenden. Oder hat der Hass auf Juden, trotz der persönlichen Beziehungen zu Israelis, immer bestanden? Daher fällt es vielen Israelis so schwer, sich auf unsere arabischen Mitbewohner zu verlassen. Kann man ihnen das übel nehmen? Wir sind in einer regelrechten Zwickmühle. Da wir aus Sorge um unser Leben Arabern gegenüber oft misstrauisch gegenüberstehen ist das oft genau der Grund, warum sich diese Spannungen noch weiter verschärfen, der Graben zwischen uns sich weiter vertieft. Und das mag vielleicht der Grund sein, dass jetzt empfohlen wird, die Arbeitserlaubnis der Familienangehörigen des Terroristen eben nicht zu annullieren. Es wird immer ein pro und contra geben. Vielleicht müssen wir einfach einmal die Emotionen beiseite lassen und andere Wege wagen. Für was sich Israel entschließen wird, darüber berichten wir dann später in unseren Meldungen.

Und jetzt doch noch etwas zum Wetter. Sie können sich nicht vorstellen, wie angenehm es heute früh hier in Jerusalem war. Es war so richtig schön kühl, am Himmel hingen graue Wolken. Einfach wunderbar. Und so soll es auch in den kommenden Tagen bleiben. Vielleicht gibt es sogar etwas Regen am Jom Kippur.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis wolkig und für die Jahreszeit zu niedrige Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 25 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 27 Grad, Tiberias am See Genezareth 34 Grad, am Toten Meer 34 Grad, Eilat am Roten Meer 34 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt nun bei -214.075 m unter dem Meeresspiegel.

Und nun wünsche ich Ihnen einen wunderbaren und angenehmen Mittwoch. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem

Dov

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