Guten Morgen liebe Leser!
Es ist sehr warm. Aber das wissen Sie ja schon. Dennoch bin ich immer wieder erstaunt, wie viel wärmer es bei uns zuhause in Modiin ist. Kaum war ich gestern aus dem Bus gestiegen, da begann ich auch schon zu schwitzen. In diesen Tagen fällt es mir wirklich schwer, Strom zu sparen und auf die Klimaanlage zu verzichten. In dem Moment, wo einem so warm ist, interessiert mich nichts anderes mehr als die Klimaanlage. Eine grausam hohe Stromrechnung? Ist mir doch völlig egal, ich will Kälte, frische Luft. Während ich mir also die kühle Brise ins Gesicht wehen ließ, sah ich in den Nachrichten Berichte israelischer Touristen, die zur Abkühlung nach Europa flogen und dort von der Hitzewelle Luzifer überrascht wurden. Dann wurde mir tatsächlich etwas zu kalt, ich schaltete die Klimaanlage wieder ab.
Und hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter. Überdurchschnittlich heiß im Landesinneren und in den Bergen. An der Küste schwül. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 33 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 30 Grad, Tiberias am See Genezareth 39 Grad, am Toten Meer 40 Grad, Eilat am Roten Meer 42 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.67 m unter dem Meeresspiegel.
Das Hauptthema in den Nachrichten war natürlich der neue Kronzeuge in den Affären von Ministerpräsident Netanjahu, die berühmten Akten 1000 und 2000. Die Meldung vom Kronzeugen, von dem ich Ihnen ja schon gestern berichtet hatte, ließ uns denken, dass der Kronzeuge, der ehemalige Stabschef Netanjahus, Ari Harow, bezüglich dieser Affären mit Netanjahu gemeinsame Sache gemacht hätte und er nun gegen seinen ehemaligen Chef auspacken möchte, so wie es im Fall von Ehud Olmert und seiner Sekretärin Shula Zaken war. Nun las ich in der Zeitung, dass es gar nicht so ist. Ari Harow wurde wegen ganz anderer Belange vor zwei Jahren vernommen, es hatte was mit dem Verkauf seiner Firma zu tun. Er selbst war und ist sich auch heute nicht bewusst, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sein sollte. Nun hat man ihm Strafmilderung in seinem Fall versprochen, wenn er bezüglich der Affären Netanjahus aussagen wird. Er selbst hat mit diesen Akten 1000 und 2000 gar nichts zu tun. Ist schon etwas komisch das Ganze. Man könnte denken, die Polizei hätte Ari Harow vor die Wahl gestellt: „Entweder Du sagst gegen Netanjahu aus oder wir bringen dich für deine Vergehen ins Gefängnis.“ Ich hoffe, dass es nicht so ist und die Wahrheit schnell ans Licht kommen wird, denn so kann es nicht weitergehen. Wie kann man als Ministerpräsident unter solchen Bedingungen regieren?
Eine weitere Schlagzeile heute ist die Entscheidung des Gerichts, das Gesetz zur Besteuerung der dritten Wohnung von Finanzminister Moshe Kachlon abzuweisen. Nun soll erneut darüber beraten werden. Dieses Gesetz war einer der wichtigsten Punkte in Programm des Finanzministers im Kampf gegen die hohen Wohnungspreise. Er wollte Eigentümer von mehr als zwei Wohnungen dazu bringen, Wohnungen zu verkaufen, damit wieder mehr Wohnungen auf dem Markt wären. Dieses Gesetz wurde jedoch von Anfang an heftig kritisiert. Es sei doch unfair, wenn zum Beispiel jemand, der drei Wohnungen hätte, wo jede Wohnung vielleicht nur eine Million Shekel kosten würde, für die dritte Wohnung Steuern zahlen müsse, ein Eigentümer von zwei Wohnungen, die zusammen vielleicht sogar 10 Millionen Shekel wert sind, von der Steuer befreit sei. Da ist auch etwas dran. Das Dumme ist nur, dass viele Wohnungseigentümer bereits die Mieten für ihre Wohnungen erhöht haben, um diese neue Steuer zu finanzieren. ich glaube kaum, dass sie die Miete jetzt wieder senken werden. Das Gesetz von Kachlon kann also als Schuss nach hinten bezeichnet werden. Die Wohnungen könnten jetzt noch teurer werden.
Schon vor zwei Jahren waren die hohen Wohnungspreise ein großes ProblemDie hohen Lebenskosten hier in Israel sind ein echtes Problem. Immer wieder versprechen uns die Politiker, etwas dagegen zu unternehmen, doch irgendwie klappt das nicht so richtig. Hier und da wird etwas billiger, aber die wirklich wichtigen Dinge wie Wohnungen, Strom, Wasser und Lebensmittel sind immer noch sehr teuer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich für einen ganz normalen Fruchtjoghurt hier im Supermarkt was zehnmal (!) sovie zahle als im Supermarkt in Deutschland. Das ist mir unbegreiflich. Auch die Milch kostet hier dreimal soviel. Und die Liste ist noch lang. Erinnern Sie sich an die riesigen Demonstrationen in Israel im Jahr 2011? Da ging es erst um den Preis des Cottage Käse, der plötzlich teurer geworden war. Nach einigen Wochen gingen fast eine halbe Millionen Menschen auf die Strassen, um gegen die hohen Lebenskosten im allgemeinen und für eine „gesellschaftiche Gerechtigkreit“ zu kämpfen.
„Demonstration der Million“ nannte man die Demonstrationen von 2011 gegen die hohen Lebenskosten. Auch ich war damals mit dabei.Diese Demos haben etwas geholfen, die Menschen kaufen heute bewusster ein, aber die Preise sind immer noch sehr hoch. Nicht alles ist teuer bei uns. Die Preise für Bus und Zug sind zum Beispiel viel billiger als in Deutschland. Aber das reicht nicht. Ich hoffe, dass sich hier noch etwas verändern wird.
Und jetzt wünsche ich Ihnen einen angenehmen Montag und guten Anfang der Arbeitswoche. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




