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Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober – Zwei Jahre zwischen Schmerz, Zusammenhalt und Hoffnung

Erstmals begeht Israel einen nationalen Gedenktag für die Opfer des Massakers vom 7. Oktober und des Krieges „Eiserne Schwerter“ – Reden von Netanjahu und Herzog rufen zu Einheit und innerer Stärke auf.

Menschen stehen am provisorischen Mahnmal für die Opfer des Massakers vom 7. Oktober auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv, 16. Oktober 2025. Foto: Miriam Alster/Flash90

Zwei Jahre nach dem schlimmsten Tag in Israels jüngerer Geschichte gedenkt das Land erstmals in offizieller Form seiner Opfer. Überall im Land fanden am Donnerstag bewegende Zeremonien statt – von Kfar Aza, wo das Grauen begann, bis Ashdod, wo bereits am Mittwochabend Schüler und Jugendliche Kerzen anzündeten und Gebete für die Getöteten und Vermissten sprachen. Der Tag wurde dem Andenken an jene gewidmet, die am 7. Oktober 2023 ermordet, verschleppt oder im Verlauf des darauffolgenden Krieges „Eiserne Schwerter“ (חרבות ברזל) getötet wurden.

Auf dem Friedhof des Kibbutz Kfar Aza, in dem 64 Bewohner ihr Leben verloren und 19 entführt wurden, kamen Hunderte zusammen – Familien, Überlebende und Rettungskräfte, die sich gegenseitig stützten. Die Gemeinde, die noch immer zwischen Wiederaufbau und Trauer steht, sprach von einem Tag des Nachdenkens und der Dankbarkeit. „Es ist keine Rückkehr zur Normalität, sondern ein Neubeginn – Schritt für Schritt, vorsichtig und mit Liebe“, sagte eine Sprecherin.

Staatliche Gedenkzeremonie anlässlich des hebräischen Jahrestages des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober, auf dem Militärfriedhof am Herzlberg in Jerusalem, 16. Oktober 2025. Foto: Alex Kolomoisky/POOL.

Netanjahu: „Einheit im Krieg und im Frieden“

In seiner Ansprache bei der staatlichen Zeremonie für die im Krieg Eiserne Schwerter Gefallenen warnte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor neuen Bedrohungen und betonte zugleich Israels Entschlossenheit, Chancen für Frieden zu nutzen. Zwischen den Zeilen richtete er eine deutliche Botschaft an Iran:

„Große Herausforderungen liegen noch vor uns – Feinde, die sich wieder bewaffnen wollen. Neben diesen Herausforderungen stehen aber auch große, dramatische Chancen, den Kreis des Friedens zu erweitern. Wir handeln auf beiden Ebenen – im Krieg und im Frieden. Was wir in beiden brauchen, ist Einheit. Einheit im Krieg, Einheit im Frieden. Wir werden all unsere Ziele nur in innerer Geschlossenheit, gegenseitiger Verantwortung und im Stärken des Verbindenden über das Trennende erreichen.“

 

Netanjahus Worte verbanden Mahnung und Optimismus. Sie spiegelten den Versuch wider, die israelische Gesellschaft trotz schmerzlicher Verluste auf eine gemeinsame Linie einzuschwören – mit Blick auf den Wiederaufbau, die nationale Sicherheit und die noch immer offenen Wunden der Entführten und Gefallenen.

Herzog: „Unsere Geschichte ist größer als jeder Einzelne von uns“

Auf dem Herzlberg in Jerusalem sprach Präsident Isaac Herzog mit eindringlichen Worten zu den Hinterbliebenen, zu Soldatenfamilien und Vertretern der Zivilgesellschaft. Seine Rede wurde zu einem Appell für Zusammenhalt und gegen Spaltung:

„Es erschüttert mich, zu sehen und zu hören, wie auch jetzt – während wir noch immer unsere Toten begraben – der Geist der Spaltung, der Polarisierung und des Hasses wieder sein hässliches Haupt erhebt. Wir müssen uns daran erinnern: Unsere Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt, ist größer als jeder Einzelne von uns. Sie ist die Geschichte eines Volkes, das wie ein Phönix aus den schlimmsten Katastrophen der Menschheit auferstanden ist – dank der Treue zu unseren uralten Geboten: ‚Die Ewigkeit Israels wird nicht lügen‘ und ‚Ganz Israel ist füreinander verantwortlich‘.

Wir alle – gemeinsam. Wenn wir uns nicht den Extremisten und Spaltern unter uns ergeben, wenn wir uns entscheiden, uns um eine gemeinsame Flagge und Aufgabe zu vereinen, dann gibt es kein Ziel, das wir nicht erreichen können.“

Herzogs Worte waren zugleich Trost und Warnung. Während er die Toten ehrte, mahnte er vor der Gefahr, dass innere Zerrissenheit das Land schwächen könnte. „Unser Bruder, der anderer Meinung ist, ist nicht der Feind“, sagte er sinngemäß. „Der Feind ist Hamas – diejenigen, die unsere Kinder ermordet und unsere Häuser zerstört haben.“

Präsident Isaac Herzog spricht bei der offiziellen Gedenkzeremonie für die Gefallenen des Krieges „Eiserne Schwerter“ (חרבות ברזל) auf dem Herzlberg in Jerusalem, 16. Oktober 2025. Foto: Yossi Zamir/GPO.

Um 14 Uhr Ortszeit fand auf dem Herzlberg die Gedenkzeremonie für die am 7. Oktober und den zwei Jahren danach ermordeten Menschen stattfinden. Sie wurde ive übertragen:

 

Gedenken und Erneuerung

Der nationale Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober wurde im Frühjahr 2024 von der israelischen Regierung beschlossen und ist seitdem ein fester Bestandteil des nationalen Kalenders. Das Datum richtet sich nach dem hebräischen Kalender – dem 24. Tischri – und fiel in diesem Jahr auf den 16. Oktober 2025.

Der Tag wird zwei Tage nach Simchat Tora begangen, weil der Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023, also am Festtag selbst, stattfand. In Israel war dies der Tag von Simchat Tora, während der folgende Tag, Isru Chag, als Nachklang der Feiertage gilt.

Isru Chag (hebräisch: אסרו חג, „Bindet den Feiertag“) bezeichnet den Tag nach einem großen jüdischen Fest, an dem man die Freude und Heiligkeit des Feiertags symbolisch weiterträgt. Da an solchen Tagen keine Trauerveranstaltungen abgehalten werden, wurde der 24. Tischri, also zwei Tage nach Simchat Tora und einen Tag nach Isru Chag, als offizielles Datum festgelegt. So wahrt man den festlichen Charakter der Feiertage und schafft zugleich Raum für nationale Besinnung – zwischen dem Ende der Freude und dem Beginn der Erinnerung.

Ziel des Gedenktages ist es, den nationalen Zusammenhalt zu stärken und das kollektive Trauma in eine gemeinsame Erinnerungskultur zu überführen. Schulen, Behörden und öffentliche Einrichtungen hielten am Vormittag Gedenkminuten ab, während in den Gemeinden im ganzen Land Trauer- und Erinnerungsveranstaltungen stattfanden. An diesem Gedenktag gibt es zwei staatliche Zeremonien, um 11 Uhr die Zeremonie zum Gedenken der gefallenen Soldaten und Sicherheitskräfte und um 14 Uhr die Zeremonie zum Gedenken an die seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Ermordeten.

Zwei Jahre nach dem 7. Oktober bleibt das Trauma lebendig. Doch der neue nationale Gedenktag zeigt auch die Widerstandskraft Israels – ein Land, das trauert, sich erinnert und dennoch weiter aufsteht. Präsident Herzog brachte es auf den Punkt:

„In den dunkelsten Stunden erheben wir uns – gemeinsam.“

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober – Zwei Jahre zwischen Schmerz, Zusammenhalt und Hoffnung”

  1. Francis Moragon sagt:

    „In den dunkelsten Stunden erheben wir uns – gemeinsam.“

    Wunderbare Rede der Präsident Isaac Herzog
    Shalom Israel

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