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Isebel – Teil 3

Sinnbild einer bösen Frau, die in einer Männerwelt kämpft?

Isebel – Teil 3
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In einem Dialog mit Ahab wird Isebel als eine Frau dargestellt, die sich durchsetzt und Vertrauen in ihre Fähigkeiten als Königin hat. Ahab hingegen wird als eine Person dargestellt, die kein Rückgrat hat. Ahab versucht, Isebel mit seinen Fähigkeiten als gewitzter Kaufmann zu beeindrucken, der mit Nabot um einen Weinberg feilscht.

Isebel wiederum will Ahab eine Lektion in Sachen Königtum erteilen. „Ihr werdet nun eure Herrschaft über Israel festigen… Was euch in freundschaftlichen Verhandlungen nicht gegeben wird, wird euch umsonst gegeben.“ Nachdem Nabot zu Unrecht angeklagt und hingerichtet worden ist, fordert Isebel den Ahab auf: „Steh auf, nimm den Weinberg Nabots in Besitz … den er dir gegen Geld verweigert hat; denn Nabot ist nicht lebendig, sondern tot.“ Wie überraschend. Ein Mann weigert sich, seinem König zu geben, was der will, und plötzlich ist er tot.

Isebel ist bestrebt, den Prozess vorgeblich auf Thoragesetzen basierend zu gestalten. Es wird ein Fasten ausgerufen, und man lässt zwei falsche Zeugen auftreten, die Nabot beschuldigen, Gott und den König gelästert zu haben. Der Schauprozess basiert auf der Thora: „Du sollst Gott nicht schmähen noch einen Herrscher deines Volkes verfluchen“ (2. Mose 22,28) und „Wer den Tod verdient, soll auf das Zeugnis von zwei oder drei Zeugen hin hingerichtet werden (5. Mose 17,6). Siehe auch 3. Mose 24,16.

Isebels Gebrauch der Thoragesetze ist ein extremes Beispiel für einen hebräischen Ausspruch, der grob übersetzt „ein Schurke, der seine Wege durch die Thora rechtfertigt“ lautet. Sie inszeniert einen Prozess, der es ihr erlaubt, den Weinberg scheinbar legitim zu erlangen.

Wenn wir uns einen Moment lang in den Gedankengang von Isebel, der Tochter Sidons, vertiefen, werden wir verstehen, dass sie einen sicheren Weg findet, ihre Methoden „koscher“ zu machen. Obwohl sie die Gattin des Königs ist, weiß sie, dass sie doch immer Ausländerin bleiben wird. Isebel ist kontrollierend und überlebensfähig. Sie gibt ein Paradebeispiel für eine starke Frau, die sich ihrer Macht bewusst ist, aber gleichzeitig ihre Schwäche fürchtet, eine Frau, die dunkle Komplotte schmiedet, in die sie jedoch Gesetzes- und Thorafäden einwebt, die als Deckung und Schutz dienen sollen.

Was Isebel nicht versteht, ist, dass ein König Israels nach der Thora und den Propheten einer aus dem Volk sein sollte, nicht herausgehoben und nicht über das Gesetz erhaben (1. Könige 2,3). Die Ausländerin Isebel hat nicht begriffen, welche Rolle der König hat. Das Streben nach Wahrheit und die Herstellung wahrer Gerechtigkeit sind Garanten für die Stabilität des Königshauses in Israel. Isebels Versuch, einerseits ein absolutes und korruptes Königsmodell zu schaffen und andererseits die Gesetze der Thora anzuwenden, scheitert.

Nach diesem Vorfall tritt der Prophet Elia auf und prophezeit dem Ahab zornerfüllt, dass Hunde sein Blut lecken werden und dass sein Haus ausgelöscht wird. Isebel prophezeit er, dass die Hunde sie fressen werden. Beides tritt ein. Zunächst ist es Ahab, der stirbt, nämlich im Krieg mit den Aramäern. Bei der Reinigung seines Kampfwagens kommen Hunde und lecken seine Blutlache.

Auf der anderen Seite lebt Isebel noch viele Jahre und hat durch ihre beiden Söhne Ahas und Joram großen Einfluss im Königreich Juda und durch ihre Tochter Athalja, die im Königreich Juda regiert.

Der Titel für Isebel ist G’vira – Königinmutter, ein Status, der wahrscheinlich höher ist als der einer bloßen Königsgattin eines Königs – ein Status des tatsächlichen Regierens. Die Macht in ihren Händen irritiert ihre Gegner, die Propheten, sehr. Jehu lässt sie und andere schließlich töten, die Prophezeiung erfüllend.

Manchmal, wenn ich die Bibel lese, bin ich entsetzt über hartes, schwieriges und grausames Verhalten. Isebels Verhalten in der Geschichte von Nabots Weinberg ist moralisch unverzeihlich und zeigt mehr als Tyrannei. Es zeigt die Ausnutzung des Gesetzes für korrupte Zwecke.

Andererseits vermute ich, dass ein gewisser Teil von Isebels schlechtem Ruf darauf zurückzuführen ist, dass sie es gewagt hat, einen wirklichen Anteil der Macht zu übernehmen, die eigentlich den Männern vorbehalten ist. Isebel ist bis heute Symbol einer bösen, sündhaften Frau, die gegen Männer kämpft, die besser als sie wissen, was getan und was nicht getan werden sollte.

 

Alle vier Teile über Isebel finden Sie hier

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